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Bestseller "Totenfrau" in den Innsbrucker Kammerspielen

Aichners Trilogie hielt sich monatelang in den Bestseller-Listen
Aichners Trilogie hielt sich monatelang in den Bestseller-Listen ©Ursula Aichner/fotowerk.at
Bernhard Aichners Thriller "Totenfrau" ist am Sonntagabend in den Innsbrucker Kammerspielen in der Bühnenfassung uraufgeführt worden. Die Bearbeitung des Stoffes der aus Rache mordenden Bestatterin Blum durch Susanne Wolf und den Autor selbst gestaltete sich als rasante Achterbahnfahrt. Zupass dürfte dabei die stakkatoartige Erzählweise des Romans gekommen sein.

Wenn man so will, ist die Schwäche des Romans gleichsam die Stärke der Bühnenfassung. Denn die Handlung des über 400 Seiten starken Thrillers, der monatelang auf der Bestsellerliste stand und bisher in 16 Länder verkauft wurde, ist betont eindimensional erzählt und hält sich nicht mit verästelten Handlungssträngen auf. Der Leser wird von Schauplatz zu Schauplatz getrieben und das Geschehen in Schnappschüssen erzählt. Was bei einem Roman für den einen oder anderen Leser zu wenig ist, ist für die Bühne offenbar die richtige Rezeptur, wie die Inszenierung von Schauspieldirektor Thomas Krauß bewies.

Kaum hat man seinen Platz und eine aufrechte Sitzposition eingenommen, hebt die Erzählung auch schon ab: Brünhilde, Tochter eines Bestatters, entledigt sich bei einem Segeltörn im Meer vor Triest ihrer despotischen Eltern und nennt sich fortan Blum. Wie das Schicksal so will, trifft sie unmittelbar nach der Tat – noch auf dem Meer – ihren späteren Mann Mark, Kriminalist von Beruf. Dann Schnitt.

Etliche Jahre später, das Paar hat zwei Kinder und das Glück ist auf seinem Höhepunkt. Es ist aber nicht von Beständigkeit. Denn Mark fällt vor den Augen Blums einem Unfall mit Fahrerflucht zum Opfer. Ein schwarzer Rover überfährt den Polizisten, und der Lenker begeht Fahrerflucht. Blum trauert. Als sie jedoch im Nachlass ihres Mannes Tonbandaufnahmen findet, auf denen Mark das Entführungsopfer Dunja befragt, tun sich Abgründe auf. Die junge Frau berichtet von einem schrecklichen Kellerverlies, von fünf maskierten Männern und ihren perversen Folterungen. Blum beginnt, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen – und die trauernde Witwe wird zum mordenden Rachengel.

Unheimlich facettenreich verkörpert Lisa Hörtnagl die Bestatterin mit der seltsamen Berufung: von zerbrechlich-zweifelnd bis kraftvoll-kaltblütig. Einmal liebende Mutter, einmal mordende Furie. Unterstützt wird sie dabei von ihrem Mitarbeiter Reza, der von Christoph Schlag mit eindringlicher Loyalität dargestellt wird. Und auch Mark (Stefan Riedl) ist stets in Erinnerungen und Rückblenden präsent.

Der Kriminal-Kollege und Witwentröster Massimo, der eine seltsame Rolle zu spielen scheint, wird in eben dieser von Frank Röder pointiert dargestellt. Ebenfalls äußerst glaubhaft spielt Sara Nunius das Opfer Dunja, das die Sache ins Rollen bringt. Als Hinweisgeber bei den Ermittlungen fungiert in verschiedener Gestalt Michael Arnold. Andreas Wobig ist als einflussreicher Mann und Anwärter auf ein hohes politisches Amt so arrogant und einschüchternd wie nötig. Und niemand stirbt schöner als Kristoffer Nowak, der die vier Täter verkörpert, zum Zeitpunkt, als sie selbst zu Opfern werden.

Die Bühne (Thomas Krauß/Katharina Ganner) ist so karg und kalt wie nötig. Als einzige Requisite dient das Gerippe eines Segelbootes, das schwenkbar um die eigene Achse rotiert. Besonders schnell dann, wenn gemordet wird. Und nach jedem Rachemord landet die Maske des Peinigers als Trophäe an der kalten Fliesenwand an der Bühnenrückseite. Zur Spannung trägt jedenfalls bei, dass bereits zu Beginn dort die Maske des schlimmsten der Täter hängt, nämlich jene des Clowns – da liegt der Schluss durchaus nahe, dass er auch von Anfang an schon präsent ist…

“Totenfrau” nach dem Thriller von Bernhard Aichner. Inszenierung: Thomas Krauß, Bühne: Thomas Krauß/Katharina Ganner, Kostüme: Katharina Ganner. Mit Lisa Hörtnagl (Blum), Sara Nunius (Dunja), Stefan Riedl (Mark), Frank Röder (Massimo), Kristoffer Nowak (Edwin Schönborn, Herbert Jaunig, Bertl Puch, Bernhard Ludwig), Christoph Schlag (Reza), Andreas Wobig (Schönborn) und Michael Arnold (Hackspiel, Gast).

(APA)

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