Belastungszeuge sagte in Mafia-Prozess aus

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Ein Hauptbelastungszeuge sagte im Mafia-Prozess aus
Ein Hauptbelastungszeuge sagte im Mafia-Prozess aus - © APA
Am Dienstag sagte ein Hauptbelastungszeuge im Prozess gegen die angebliche Mafia-Bande “Struja” aus. Er soll vom mutmaßlichen Boss der Organisation unter Druck gesetzt worden sein.

Die auf Schutzgeld-Erpressungen spezialisierte kriminellen Vereinigung soll vom 38-jährigen Edin D. alias “Edo” geleitet worden sein.

Hauptbelastungszeuge sagte gegen Mafia-Bande aus

Bei dem Zeugen handelte es sich um einen ehemaligen Profi-Fußballer, der es in seiner Jugend immerhin in die heimische U18-Nationalmannschaft gebracht hatte. Nach seiner aktiven Karriere, die ihn auch ins Ausland führte, entschloss sich der Mann, mit einem Freund ein Lokal auf der sogenannten Balkan-Meile rund um die Ottakringer Straße aufzumachen. Nach Anlaufschwierigkeiten konnten sich die Jung-Unternehmer über regen Publikumszuspruch freuen. “Nach einem halben Jahr war es an den Wochenenden ziemlich voll”, berichtete der Zeuge.

“Du wirst von uns hören”

In dieser Situation trat den Angaben des 32-Jährigen zufolge “Edo” auf den Plan, der eines Tages mit mehr als einem halben Dutzend Begleitern in seinem Lokal erschien: “Er hat gesagt, dass wir Türsteher einstellen sollen von seiner Seite.” Es habe aber keinen Bedarf gegeben: “Es hat bis dahin bei uns nur ein bis zwei Schlägereien gegeben, weil betrunkene Jungs sich halt ein bissl hin- und herschubsen.” Unmittelbar nach “Edos” Auftritt sei es in seinem Lokal zu einer – offenbar von “Edo” inszenierten – “Riesenrauferei” gekommen, erinnerte sich der 32-Jährige. Dieser habe ihm nunmehr beschieden: “Das wird in Zukunft nicht mehr passieren, wenn du einen Türsteher nimmst.” Als er immer noch ablehnte, habe er von “Edo” ein kryptisches “Du wirst von uns hören” zu hören bekommen, gab der Zeuge zu Protokoll.

Ex-Fußballer wurden 46.800 Euro abgenommen

Wenig später wurde der 32-Jährige in eine Werkstatt in Favoriten bestellt, wo “Edo” ihn angeblich ins Gebet nahm. “Wir sind die Stärksten”, soll ihm der Banden-Chef geflüstert und dabei kurz sein Leibchen gelüftet haben. Im Hosenbund steckte eine Faustfeuerwaffe. Dem Jung-Gastronomen wurde mulmig, er stellte einen aus dem Rudel, das “Edo” umgab, als Türsteher ein. Wie der Zeuge darlegte, bezahlte er für den Kampfsportler, der an den Wochenenden zum Einsatz kam, zunächst 400 Euro monatlich. Der Preis steigerte sich immer mehr, zuletzt kostete der ihm angeblich aufgezwungene Security 1.600 Euro. Außerdem verlangte der Mann, der nun gemeinsam mit “Edo”, fünf weiteren Männern und einer Frau auf der Anklagebank sitzt, “Extras”. Insgesamt seien ihm 46.800 Euro abgenötigt worden, sagte der Ex-Fußballer.

Strengsten Sicherheitsvorkehrungen beim Prozess

Im Dezember 2015 verkauften er und sein Partner das Lokal. Den Erlös hätten sie “Edo” übergeben, um in Zukunft ihre Ruhe zu haben. Dieser hätte ihnen nämlich zugesichert, es wäre “alles erledigt”, wenn sie 50.000 Euro bezahlen würden. Das habe am Ende sein Geschäftspartner auch getan, betonte der Zeuge. “Edo” bestreitet entschieden, eine mafiöse Vereinigung gebildet und je etwas mit Schutzgeld-Erpressungen zu tun gehabt zu haben. Die Verhandlung findet unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt, nachdem laut Bundeskriminalamt auf Zeugen ein “Kopfgeld” von mindestens 150.000 Euro ausgesetzt und angekündigt worden sein soll, man werde diese “bei Gericht ausschalten”. Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt.

(APA/Red.)

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