Beach-Volleyball: WM Klagenfurt 2001 und Wien 2017 trennen Welten

Robert Nowotny 1997 im ersten Spiel der Qualifikation bei der Beach-Volleyball EM auf der Wiener Donauinsel
Robert Nowotny 1997 im ersten Spiel der Qualifikation bei der Beach-Volleyball EM auf der Wiener Donauinsel - © APA Archiv / Schneider Harald
Österreich richtet als erstes Land bereits zum zweiten Mal Beach-Volleyball-Weltmeisterschaften aus. Die dritte Auflage der Titelkämpfe hatte 2001 in Klagenfurt stattgefunden, von Freitag bis Sonntag nächster Woche (6. August) ist die Wiener Donauinsel Schauplatz des 11. WM-Turniers.

Dazwischen liegen 16 Jahre, in denen sich der Sport und die Rahmenbedingungen doch markant weiterentwickelt haben. Robert Nowotny war zu Beginn des Jahrhunderts als Spieler mit dabei, diesmal ist er es als Nationaltrainer der österreichischen Herren-Teams.

Nowotny:  “Beach-Volleyball ist richtig etablierte Trendsportart”

“Ich merke, dass sich diese Sportart entwickelt hat”, sagte der 43-Jährige zur APA – Austria Presse Agentur. “Beach-Volleyball ist kein klassischer Trendsport mehr, sondern eine richtig etablierte Trendsportart. Es gibt wesentlich mehr Breitenwirkung, mehr Medieninteresse. Schön, dass es so ein Interesse gibt.”

Nik Berger ist rund sieben Wochen jünger als Nowotny, und war in derselben Spieler-Generation aktiv. Auch er ist noch voll ins Sportgetriebe involviert, nicht zuletzt als Vizepräsident des Österreichischen Verbandes (ÖVV). Für ihn hebt sich ein klares Merkmal hervor: “An Professionalität hat der Sport an allen Ecken und Enden gewonnen. Damals hatten nur wenige Brasilianer einen Coach, jetzt alle Paare.”

Nik Berger über notwendigen Betreuerstab für Spitzensportler

2001 war es zudem noch gang und gäbe, dass Spieler je nach Jahreszeit vom Hallen- zum Beach-Volleyball und wieder zurück gewechselt sind. “Jetzt spielt praktisch kein Team mehr in der Halle”, stellte Berger fest. Aber mit dieser Fokussierung allein sei es mittlerweile noch lange nicht getan. Ernährungsberater, Physiotherapeut, Statistiker und Mentalbetreuer sollten zum Betreuerstab zählen, will man an der Spitze mitmischen.

Die Deutschen Julius Brink/Jonas Reckermann hätten es laut Berger schon in London 2012 mit Olympia-Gold vorgezeigt, wie weit man es mit einem solch professionellen Umfeld bringen kann. Das sei eben notwendig, um den Vorsprung etwa der Brasilianer aufzuholen. “Die sind schon mit fünf, sechs Jahren in Beach-Volleyball-Schulen. Bei uns gibt es das nicht.” Es dauere dann seine Zeit, bis dieses Manko aufgeholt werden kann.

Experten über die Beach Volleyball WM in Wien

Doch die Dichte sei nun viel größer als vor knapp zwei Jahrzehnten. In den Anfängen haben Brasilianer und US-Amerikaner den Sport beherrscht, und noch immer gehen mit 16 von 20 exakt 80 Prozent aller WM-Titel an diese beiden Länder. Berger: “Aber dahinter tut sich jetzt eindeutig mehr.” Das WM-Favoritenfeld speziell bei den Herren ist daher weit offen. Brasilianer zählen nach wie vor zu den Top-Anwärtern, die US-Boys mittlerweile allerdings weniger.

Mit Blick voran fordert Berger, dass kontinuierlich an der Weiterentwicklung von Beach-Volleyball gearbeitet werden muss: “Beach-Volleyball ist schon längst keine Randsportart mehr, alles ist professioneller und es ist der beliebteste Sport bei Olympia. Aber deswegen ist es kein Selbstläufer. Man muss schauen, dass die Entwicklung weitergeht.”

“Ich glaube, dass wir als Sportart noch mehr machen könnten”

Ähnlich argumentiert Nowotny, für den die Major-Tour sensationell ist. “Ich glaube, dass wir als Sportart noch mehr machen könnten. Einzelne Turniere könnten schon noch besser werden.” Auch in der Medienarbeit vieler Teams sieht er Verbesserungspotenzial. Dazu kommen recht kurzfristige Absagen von World-Tour-Turnieren – in der Außendarstellung wenig vorteilhaft. Zumindest die Wien-WM jedenfalls soll Werbung für Beach-Volleyball auf hohem Niveau sein.

(apa/red)

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