BAWAG-Prozess: Ruhige Woche steht bevor

BAWAG-Prozess: Ruhige Woche steht bevor
Im BAWAG-Prozess wird diese Woche nur an einem Tag verhandelt: Am Montag, dem 39. Verhandlungstag im Verfahren, sind wieder mehrere Zeugen ins Wiener Landesgericht geladen.

Den Anfang macht Ex-Sozialministerin Lore Hostasch (S), frühere BAWAG-Zentralbetriebsratschefin (bis 1994) und Präsidentin der AVB (Anteilsverwaltung BAWAG). Anschließend kommt der in London tätige Hedgefondsmanager Kaveh Alamouti zu Wort, der laut Anklage von Investmentbanker Wolfgang Flöttl und Ex-BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner vorgeschoben worden sein soll, um von den übrigen BAWAG-Vorständen die Zustimmung zu weiteren Spekulationsgeschäften mit Flöttl zu erhalten.

Der in London lebende Fondsmanager iranischer Herkunft sollte nach Angaben von Flöttl und Elsner neue Investments der BAWAG, die so genannten „Uni-Bonds“, in Höhe von 430 Mio. Euro managen und damit bisher durch Flöttls Spekulationen entstandene Verluste zumindest zum Teil kompensieren. Tatsächlich veranlagte Alamouti aber kein Geld für die BAWAG, weil ihm die dazu notwendige Lizenz fehlte. Flöttl managte die Uni-Bonds (benannt nach amerikanischen Universitäten) alleine und verlor im Jahr 2000 fast die ganze Summe durch riskante Spekulationen. Damit summierte sich der Verlust bei der BAWAG auf 1,44 Mrd. Euro. Alamouti habe für sein nicht zu Stande gekommenes Joint Venture mit Flöttl noch die vertraglich vereinbarte Managementgebühr von 2,5 Mio. Dollar (1,76 Mio. Euro) sowie eine Pönale für die vorzeitige Beendigung von 1,5 Mio. Dollar plus Bürokosten von Flöttl erhalten, berichtete das Nachrichtenmagazin „Format“ unter Berufung auf ein Polizeiprotokoll von Alamoutis Vernehmung.

Dritter Zeuge am Montag ist der frühere BAWAG-Aufsichtsratsvizepräsident Rudolf Kaske. Der Vorsitzende der Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft vida betonte mehrmals, er sei nicht über die Spekulationsverluste der Bank informiert gewesen. Er gehe davon aus, dass die Vorgaben des Aufsichtsrats ab 1995 nicht eingehalten wurden und man vom Management unter Elsner angelogen worden sei.

Weiters soll am Montag auch der neue Gerichtssachverständige für das Handelsverhalten von Wolfgang Flöttl, Fritz Kleiner, wieder beim Prozess dabei sein. Für Kleiner könnte die Befragung von Alamouti besonders von Interesse sein.

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