BAWAG geht noch heuer an die Börse und verspricht Zukäufe

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Die Alt-Eigentümer geben ihre Aktien ab
Die Alt-Eigentümer geben ihre Aktien ab - © APA
Die ehemalige Gewerkschaftsbank BAWAG geht noch heuer in Wien an die Börse. Derzeitige Eigentümer geben dafür Aktien ab, eine Kapitalaufstockung ist nicht geplant. Die Bank hat am Mittwoch keinen Hinweis auf das geplante Volumen gegeben, Medienberichte der letzten Wochen lassen erwarten, dass 20 bis 30 Prozent der Anteile auf den Markt kommen.

Die Bank könnte nach Markteinschätzungen mit 5 Mrd. Euro bewertet werden, beim Einstieg 2007 hatte Cerberus etwa 3,3 Mrd. Euro ausgegeben, dazwischen hat es aber auch Kapitalerhöhungen gegeben. Den Investoren verspricht die BAWAG ein Wachstumsszenario und regelmäßige Ausschüttungen von der Hälfte des Nettogewinns. Aus dem “Überschusskapital”, das über die Mindestanforderung von 12 Prozent Kernkapital hinausgeht, werde bis 2020 mehr als eine Mrd. Euro zur Verfügung stehen, die für organisches Wachstum und Zukäufe genutzt werden sollen. Soweit das Geld für diese Ziele nicht benötigt wird, soll es an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Schon in den vergangenen drei Jahren seien fünf Zukäufe abgeschlossen worden, erinnerte die BAWAG am Mittwoch. Zuletzt hat die BAWAG die deutsche Südwestbank übernommen.

BAWAG-Chef Anas Abuzaakouk wollte sich am Mittwoch nicht dazu äußern, welche weiteren Zukäufe in Planung sind. Er sprach nur von einer “robusten Pipeline” an Projekten in Deutschland und Österreich. Wachstum ist jedenfalls vor allem in Österreich sowie in Deutschland und der Schweiz (DACH) geplant. Unter anderem will die BAWAG mit ihrer Direktbanktochter easybank expandieren, wobei in Deutschland nach Brancheninformationen als Markennamen “Qlick” angedacht ist. Das Angebot soll auf mobile Nutzung zugeschnitten sein.

Die BAWAG sei eine der größten und kapitalstärksten Banken Österreichs, “als solche ist unser Platz an der Wiener Börse”, so Abuzaakouk. Die Einnahmen der Bank seien zwischen 2012 und 2016 um 19 Prozent gewachsen, während die Kosten um ein Drittel zurückgegangen seien. Zugleich seien 470.000 neue Kunden dazugewonnen worden. Der Anteil der Kosten an den Einnahmen (Cost-IncomeRatio) liege bei 41,7 Prozent. Nur 1,9 Prozent der Kredite fallen aus. Das Eigenkapital (CET1 fully loaded) betrage 15,5 Prozent. Nach Maßstäben der Profitabilität und der Effizienz gehöre die BAWAG zu den besten fünf Prozent in Europa.

Der Börsengang soll keine Auswirkung für den Kooperationsvertrag zwischen BAWAG und Post haben, sagte Abazaakouk am Mittwoch. Zuletzt hatte es Gerüchte gegeben, dass die BAWAG mit dem Deal nicht mehr zufrieden sei. “Alle Gespräche mit der Post sind vertraulich” so Abazakouk. Man werde weiter Veränderungen von Kundenwünschen berücksichtigen und sich auf Beratung konzentrieren. Formal hat die BAWAG bis Jahresende die Chance, den Vertrag mit der Post zu kündigen. Falls es zu einer Kündigung kommt, würde sie Ende 2020 wirksam werden.

An die Börse gebracht wird die BAWAG Group, Holdinggesellschaft der BAWAG P.S.K. Sie gehört zu hundert Prozent der Promontoria Sacher Holding B.V. An dieser sind Cerberus mit 54 Prozent und Golden Tree mit 40 Prozent beteiligt. Die restlichen 6 Prozent gehören österreichischen und nicht-österreichischen Minderheitsaktionären. Zu den österreichischen Minderheitsaktionären gehört die österreichische Post. Über die nächsten Schritte wollte sich Abuzaakouk ausdrücklich nicht äußern. Üblicherweise dauert es rund vier Wochen von der ersten Ankündigung des Börsengangs bis zum tatsächlichen Börsenhandel.

Der Börsengang der BAWAG ist der erste, seit 2014 die FACC an die Börse ging und die Buwog von der Immofinanz abgespalten wurde. Von der Größe her gab es zuletzt 2007 mit der Strabag ein vergleichbar großes Unternehmen, das den Schritt auf das Börsenparkett wagte.

(APA)

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