Bauernopfer – Spiel der Könige – Trailer und Kritik zum Film

Akt.:
Bauernopfer – Spiel der Könige – Trailer und Kritik zum Film
Das Schachgenie Bobby Fischer ist eine kryptische Figur des Kalten Krieges, die in einer überspannten Zeit zum Hoffnungsträger der USA aufstieg. Nach seinem epochalen Sieg gegen seinen sowjetischen Rivalen 1972 wurde das Ausnahmetalent zugleich zur tragischen, von ihren Dämonen gejagten Figur.

Bauernopfer – Das Spiel der Könige” nähert sich der Person Fischer nun behutsam an. Ab Freitag im Kino.

Bauernopfer – Das Spiel der Könige – Die Handlung

Tobey Maguire (“Spider-Man”) porträtiert das junge Schachtalent, das alles bis dahin Gekannte in den Vereinigten Staaten in den Schatten stellt und der paranoiden Nation im Konflikt mit der UdSSR erstmals die Möglichkeit zu eröffnen scheint, den verhassten Systemgegner in seiner vermeintlichen Stammdisziplin zu schlagen. Ungeachtet von Fischers psychischen Problemen, wird so nach Jahren der Vorbereitung der 1972 in Islands Hauptstadt Reykjavik angesetzte Weltmeisterschaftskampf mit Boris Spasski (Liev Schreiber) zu einem Kampf der Systeme stilisiert. In beiden Nationen verfolgen Millionen die insgesamt 24 Partien, die allerdings daran zu scheitern drohen, dass Fischer ein paranoider Exzentriker ist. Darin steht ihm sein Kontrahent allerdings in nicht vielem nach.

Schach ist für Bobby Fischer niemals nur ein Kampf gegen den Gegner, sondern auch einer gegen die eigenen Phantome, wittert er doch – obgleich selbst jüdischer Abstammung – an allen Ecken und Enden eine Verschwörung von Juden und Kommunisten gegen sich. Das Schachbrett ist für ihn Zufluchtsort vor der Welt und zugleich ein diabolisches Labyrinth, in dem sich der geniale Geist verliert. Seine große Überempfindlichkeit gegen Geräusche macht ihn aggressiv gegen die Umwelt und konterkariert den Plan seiner Betreuer, ihn zum All-American-Posterboy aufzubauen.

Bauernopfer – Das Spiel der Könige – Die Handlung

Fischers langsamer Abstieg in den Wahnsinn, der sich in den Folgejahren nach Reykjavik bis zu seinem Tod 2008 noch fortsetzen sollte, auch wenn “Bauernopfer” das nicht mehr beleuchtet, stellt jedoch nur einen Fokus des Films dar. Regisseur Edward Zwick (“Blood Diamond”) porträtiert zugleich eine aufgeheizte Phase des Kalten Krieges inmitten einer patriotischen Welle, für die er immer wieder grobkörniges Fake-Foundfootage-Material einstreut, um Authentizität zu vermitteln.

Letztlich verlässt er dabei allerdings nie die Pfade eines konventionellen Biopics, das von Station zu Station historische Ereignisse nacherzählt. Immerhin kommt “Bauernopfer” dabei der Verdienst zugute, ähnlich wie “Trumbo” eine gar nicht so weit zurückliegende Epoche in die Wahrnehmung zu rücken, die heute seltsam weit aus dem Blickfeld der Gesellschaft entschwunden zu sein scheint. Und nicht zuletzt dank Maguires dominanter Schauspielleistung gelingt “Bauernopfer” das Kunststück, die Dramen des komplexen Schachspiels auf die Leinwand zu bringen, ohne den darin ungeübten Zuschauer damit zu langweilen.

>> Alle Filmstartzeiten zu “Bauernopfer – Das Spiel der Könige”

(APA)

Leserreporter
Bild an VOL.AT schicken


0Kommentare

Herzlichen Dank für Ihren Kommentar - dieser wird nach einer Prüfung von uns freigeschaltet. Beachten Sie, dass dies gerade an Wochenenden etwas länger dauern kann. Kommentare von registrierten Usern werden sofort freigeschaltet - hier registrieren!

noch 1000 Zeichen