Barbara Alberts “Licht” begeistert Presse und Publikum

Erfolg in San Sebastian
Erfolg in San Sebastian - © APA (Archiv/AFP)
Mit großem Applaus feierte das Publikum am Montagabend auf dem Internationalen Filmfestival von San Sebastian die Europapremiere von Barbara Alberts Historienfilm “Licht”. Bis auf wenige Ausnahmen zeigten sich Zuschauer und Filmkritiker sehr angetan. Auch die Regisseurin war mit der Aufnahme ihres Films zufrieden.

Basierend auf Alissa Walsers Roman “Am Anfang war die Nacht Musik” erzählt Albert die wahre Geschichte der blinden Pianistin Maria Theresia Paradis (Maria Dragus), die im Wien des 18. Jahrhunderts durch die Behandlung des “Wunderheilers” Franz Anton Mesmer (Devid Striesow) kurzzeitig wieder das Sehen erlernt, dabei aber auch ihre Virtuosität beim Klavierspielen verliert.

“Die Geschichte von der blinden Pianistin hat mich sehr gefesselt. Ich wusste vorher gar nicht, dass es sich um eine wahre Geschichte handelte”, sagte ein Spanier der APA nach der Vorführung im 2000 Plätze fassenden Kurssaal-Kino der nordspanischen Küstenstadt. “Ich fand neben den Kostümen, den Bildern und dem historischen Ambiente vor allem die Interpretation der Hauptdarstellerin wirklich beeindruckend”, meinte die 29-jährige Iratxe aus San Sebastian.

Auch Regisseurin Barbara Albert zeigte sich sehr zufrieden mit der Europapremiere ihres Films, der sich im offiziellen Festivalwettbewerb im Rennen um die “Goldene Muschel” befindet. “Ich war am Anfang sehr nervös, aber dann habe ich gemerkt, das es läuft. Das Publikum gingen mit, verfolgte den Film ungemein konzentriert. Ich glaube, sie spürten, was ich erzählen wollte. Am warmen Applaus habe ich gemerkt, dass die Leute emotional auf den Film reagierten und ihn mochten. Das hat mich sehr gefreut und beruhigt”, erklärte Albert nach der Europapremiere in San Sebastian der APA.

Auch die meisten Filmkritiker konnte der Historienfilm überzeugen, der ab dem 10. November in Österreich in den Kinos anläuft. “Ein gelungenes, dichtes Zeitporträt, das auch psychologisch sehr interessant und vielschichtig ist. Es handelt sich um einen sehr weiblichen Film, der aus einer sehr femininen Perspektive gemacht ist. Er ist sehr langsam erzählt, hat aber seine ganze eigene Geschwindigkeit und Rhythmus gefunden”, versicherte der deutsche Filmkritiker Wolfgang Hamdorf der APA.

Vor allem das Spiel mit der Sprache, das auch ein Spiel mit den verschiedenen Klassen ist, habe ihn neben der beeindruckenden Interpretation von Maria Dragus überzeugt. “Obwohl ich kein Freund von Historienfilmen bin, finde ich es wahnsinnig spannend, wenn man Filme sieht, die irgendwie auch eine neue Geschichte erzählen und diese von Maria Theresia Paradis kannte ich gar nicht. Eine großartige Inszenierung, sehr gut gemacht, visuell unheimlich stark”, so der Filmkritiker, der aus San Sebastian für das Deutschlandradio und den deutschen Film-Dienst berichtet.

Wie Wolfgang Hamdorf ist auch Geri Krebs von der Schweizer Tageszeitung NZZ kein Fan von Kostüm- und Historienfilmen. Er meint, die Geschichte hätte wesentlich kürzer erzählt werden können. “Dennoch muss ich zugeben, Barbara Albert, die mit ‘Nordrand’ ein Meisterwerk vorlegte, hat es geschafft, bis zum Schluss die Spannung aufrecht zu erhalten, ob Maria Theresia nun wirklich wieder kurzzeitig sehen konnte oder nicht.”

Einzig der spanische Filmkritiker Carlos Boyero schrieb in der Tageszeitung “El Pais”, er fand den Film “langweilig, monoton und flach erzählt”. Doch im Allgemeinen stieß der österreichische Festivalbeitrag bei den Filmkritikern auf große Akzeptanz.

“Regisseurin Barbara Albert findet eine Eleganz und höchst sinnliche und fast malerische Ausdruckskraft, die Sinne als eine Form der Zugehörigkeit zur Welt und zur Selbstbejahung darzustellen”, meint Ricardo Aldarondo. Für ihre Interpretation der blinden Pianistin Maria Theresia Paradis sieht der Filmkritiker der spanischen Tageszeitung El Diario Vasco den deutschen Shootingstar Maria Dragus bereits als ernst zu nehmende Anwärterin auf die “Silberne Muschel” als beste Schauspielerin.

(APA)

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