Ball-Organisatorin Treichl-Stürgkh über Rücktritt, Untergriffe und Nachfolge

Opernball-Organisatorin Desiree Treichl-Stürgkh im Rahmen der Pressekonferenz zum Event
Opernball-Organisatorin Desiree Treichl-Stürgkh im Rahmen der Pressekonferenz zum Event - © APA
Überraschend hat Organisatorin Desiree Treichl-Stürgkh bei der Pressekonferenz zum 60. Opernball ihren Rücktritt bekannt gegeben. Über ihren langjährigen Job und die Gründe für Ihr Aus sprach sie in einem Interview.

Im APA-Interview sprach sie über ihre Beweggründe, ihr “Baby” Opernball und warum man für den Job eine Elefantenhaut braucht.

Überraschender Rücktritt: Gründe

APA: Ihr Rücktritt als Opernball-Organisatorin war trotz aller Gerüchte doch überraschend. Was hat Sie dazu bewogen?

Treichl-Stürgkh: Eigentlich war mein Rücktritt überhaupt nicht überraschend. Ich wollte bereits nach dem Ball im Vorjahr die Organisation abgeben. Tatsächlich habe ich bereits im Juni die Direktion informiert. Die Gründe dafür sind vielfältig: Der Opernball ist einfach ein Knochenjob, der mich etwa die Hälfte des Jahres voll in Anspruch nimmt. Ich bin aber auch Verlegerin und habe eine Familie. Ich möchte mich einfach wieder mehr um meine anderen Aufgaben kümmern. Aber es gibt aber noch einen weiteren Grund: Als ich die Organisation des Balles übernommen habe, hatte ich eine ganz bestimmte Vorstellung davon, in welche Richtung sich der Ball entwickeln soll. Er sollte jünger, internationaler und hipper werden. Das habe ich, bei aller Bescheidenheit, voll und ganz umgesetzt. Früher war der Ball um 1.00 Uhr beinahe schon wieder zu Ende, heute wird dort bis um 5.00 Uhr gerockt. Es ist wieder chic, auf den Opernball zu gehen. Ich habe meine Aufgabe also erfüllt und kann mich nun wieder anderen Projekten widmen.

Gab es Differenzen mit der Opernball-Direktion?

APA: An den Gerüchten, dass es zwischen Ihnen und der Opernball-Direktion gewisse Differenzen gegeben hat, ist nichts dran?

Treichl-Stürgkh: Nein, wir haben in all den Jahren professionell zusammen gearbeitet. Vielleicht hätte ich mir manchmal ein wenig mehr Anteilnahme an der Arbeit von meinem Team und mir gewünscht, aber in jedem großen Unternehmen gibt es solche Kleinigkeiten. Meine Tätigkeit als Organisatorin hat mir auf jeden Fall eine riesige Freude gemacht, sonst hätte ich das auch nicht neun Jahre gemacht.

Abschiedsball für Treichl-Stürgkh

APA: Überraschend war, dass Sie Ihren Rücktritt bei der Pressekonferenz und nicht nach dem Ball bekannt gegeben haben. So wird der Ball ja vor allem Ihr Abschiedsball.

Treichl-Stürgkh: Ich habe es mir nicht leicht gemacht, das können Sie mir glauben. Doch waren bereits derartig viele Gerüchte im Umlauf, dass ich meine Entscheidung nicht länger geheim halten konnte. Ich wurde jeden Tag darauf angesprochen – und ich bin einfach keine Lügnerin. Ich habe mich vorher über den Schritt beraten, es gab leider keine andere Möglichkeit. Und wir werden einen derartig tollen Opernball machen, dass mein Abschied hoffentlich überhaupt keine Rolle spielt.

Treichl-Stürgkh: “Jeder Pickel wird kommentiert”

APA: Der Job als Opernball-Organisatorin geht mit einer enormen medialen Aufmerksamkeit einher, die mitunter auch recht untergriffig sein kann. Besonders im Internet werden Meldungen über den Opernball und auch über Sie teilweise extrem gehässig kommentiert. War das mit ein Grund für Ihren Rückzug?Wien. Treichl-Stürgkh: Anfangs hat mich das wirklich verletzt, aber als Opernball-Organisatorin braucht man einfach eine Elefantenhaut. Die Frisur, das Kleid, das Make-up – sogar jeder Pickel wird kommentiert. Zudem entsprechen die Bilder von mir am Opernball nicht meinem Alltag. Aber auf dem Ball will man mich nicht in Jeans beim Kistenschleppen sehen oder mit Schlabberpulli am Telefon, sondern im Ballkleid auf der Feststiege. Der Opernball ist einfach eine eigene Zauberwelt und das soll er ja auch sein. Ich stehe auch eigentlich nicht gerne in der Öffentlichkeit, manchmal werde ich noch immer knallrot dabei. Ich besuche abseits des Balles auch nur sehr wenig Promi-Veranstaltungen. Wenn ich ins Theater gehe, dann nie auf Premieren, sondern immer nur in die darauffolgenden Vorstellungen.

Bilanz über neun Jahre Opernball-Organisation

APA: Neun Jahre Opernball – was ist Ihre Bilanz?

Treichl-Stürgkh: Es war eine unglaublich tolle, spannende Zeit und es ist wirklich eine riesengroße Ehre, diesen Ball organisieren zu dürfen. Er ist ja tatsächlich ein Teil der Identität von Österreich. Zudem freut es mich extrem, dass mein Konzept so gut aufgegangen ist und sich der Ball so prächtig entwickelt hat. Man darf ja nicht vergessen: Als ich den Ball übernommen habe, waren die wirtschaftlich fetten Jahre vorbei. Trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen ist der Opernball heute ein Event von Weltformat, das vor allem wieder richtig Spaß macht. Wenn man es so ausdrücken will: Mein Baby ist jetzt groß geworden und kann alleine gehen. Zu guter Letzt war der Opernball auch gut für meine Figur: Zwei Monate vor dem Ball war ich immer so derartig voll mit Adrenalin, dass ich essen konnte, was ich wollte.

“Nachfolgerin sollte Elefantenhaut haben”

APA: Wie ist das Anforderungsprofil an Ihre Nachfolgerin? Und hat es schon eine Übergabe gegeben?

Treichl-Stürgkh: Ich möchte eigentlich nicht via Medien über meine Nachfolgerin sprechen. Aber man muss sicher gut vernetzt sein und – wie gesagt – auch eine Elefantenhaut haben. Es wird natürlich eine geordnete Übergabe geben und ich werde auch gerne – soweit es meine Zeit erlaubt – beratend zur Seite stehen.

>>Gerüchte: Maria Großbauer als mögliche Nachfolgerin für Treichl-Stürgkh

(apa/red)

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