Bachmann-Preisträger: Querdenker mit wenig Chancen

Wawerzinek wünscht sich offenere Regeln
Wawerzinek wünscht sich offenere Regeln - © APA (Eggenberger)
Der neue Ingeborg-Bachmann-Preisträger Peter Wawerzinek sieht im deutschen Literaturbetrieb zu wenig Chancen für Querdenker und ungewöhnliche Lebenswege. “Ein Namenloser, der nicht die allgemeinen Spielregeln einhält, hat bei uns keine Chance”, sagte der Rostocker. “Am Buffet will jeder reichhaltig bedient werden, aber wenn es um die Literatur geht, wollen alle plötzlich nur eine Gulaschkanone.”

Wawerzinek (55), der in seinem Buch “Rabenliebe” das frühe Verlassenwerden durch seine Mutter aufarbeitet, verwies auf seine eigenen Erfahrungen. Trotz mehrerer Auszeichnungen Anfang der 1990er Jahre sei es nach einer siebenjährigen Auszeit für ihn extrem schwierig gewesen, in den Literaturbetrieb zurückzukehren.

Auch für Autoren-Wettbewerbe wie jetzt in Klagenfurt wünscht Wawerzinek sich offenere Regeln. “Zu oft entscheiden Kritiker oder Literaturwissenschafter, die selbst verhinderte Autoren sind, über die Qualität der Beiträge”, sagte er. “Ich würde mir Jurys wünschen, die nur aus toughen Autoren bestehen. Dann gäbe es den unterschwelligen Neid nicht auf die Leute, die das schreiben, was sie beurteilen müssen.”

Mit seinen 55 Jahren ist Wawerzinek der bisher älteste Preisträger der renommierten Auszeichnung. “Ich finde es witzig, dass ich diesen komischen Rekord wahrscheinlich bis zu meinem Tod halte.” Besonders überrascht habe ihn die zusätzliche Ehrung mit dem Publikumspreis. “Das Thema berührt einfach viele Menschen”, sagte er. “Vor allem sprechen mich viele Männer an. Dabei hätte ich gedacht, dass ich mich vor Frauen nicht retten kann.”

Der Autor, mit bürgerlichem Namen Peter Runkel, war zusammen mit seiner Schwester als vierjähriges Kind von der Mutter in der DDR zurückgelassen worden, als sie in den Westen floh. In dem Buch, das am 19. August im Berliner Galiani Verlag erscheint, schildert er seine Kindheit in DDR-Kinderheimen und Adoptivfamilien – und die spätere Suche nach der Mutter, die eine fremde, kalte Frau bleibt.

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