Baby am Flughafen vergessen: Das verrückte Leben am Last-Minute-Schalter

Von Sarah van den Berg
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Maryam Komeyli hat am Flughafen viele verrückte Geschichten erlebt.
Maryam Komeyli hat am Flughafen viele verrückte Geschichten erlebt. - © dpa (Sujet)
Eine Familie, die ohne ihr Baby in den Urlaubsflieger steigt, zwei Singles, die spontan gemeinsam eine Reise machen und ein Scheich, mit dem man einen unkonventionellen, aber sehr lukrativen Deal abschließt: Am Last-Minute-Schalter am Flughafen trifft man die unterschiedlichsten Menschen und erlebt die verrücktesten Geschichten.

Maryam Komeyli arbeitet am Last-Minute-Schalter am Hamburger Flughafen und erlebt dort tagtäglich Geschichten, die zum Teil so skurril sind, dass man sie sich gar nicht ausdenken könnte. Sie bezeichnet ihren pinkfarbenen Schalter als den “schönsten Ort der Welt”. Der Weg dorthin war kein einfacher, denn zu Beginn ihres Arbeitslebens hatte sie nicht nur überhaupt keine Ahnung vom Reise-Business, sondern auch keine besonderen geographischen Kenntnisse. So kam es, dass zwei ihrer ersten Kundinnen nicht den gewünschten Flug nach Sardinien, sondern nach Santiago de Compostela gebucht bekamen. Ihr Talent entdeckte Maryam Komeyli darin, dass sie den beiden diesen Fehler schönreden konnte und die Frauen sich nach ihrem Urlaub sogar bei ihr bedankten.

Verrückte Geschichten vom Hamburger Flughafen

“Ich selbst wäre vielleicht mein schlechtester Kunde. Meine Reiselust hält sich nämlich in Grenzen”, gesteht Komeyli in ihrem Buch. Und die wenigen Reisen, über die sie dann tatsächlich berichtet, waren beruflicher Natur. Sie erzählt beispielsweise davon, wie sie spontan mit einem Scheich den Deal abschließt, dass er fortan alle seine Flüge über sie buchen wird. Die verrücktesten Geschichten hat Maryam Komeyli aber auch gar nicht auf Reisen, sondern an ihrem Schalter erlebt: Eine Familie, die im wahrsten Sinne des Wortes Last-Minute verreist ist, hat ihr Baby bei ihr gelassen, während sie das Gepäck von daheim geholt hat. Als dann das Boarding für den gebuchten Flug begann und das Baby noch immer am Schalter war, wurde sie stutzig. Tatsächlich: Das Baby war vergessen worden. Hinterher kann man darüber lachen: “Der Mensch ist etwas so Wunderbares, der Mensch namens Kunde erst recht.”

Dann war da noch die Rucksack-Touristin aus Kanada, die wissen wollte, wie sie von Hamburg am besten mit dem Bus nach Kairo komme. In ihrer Heimat hatte man ihr erzählt, dass man das Ticket am Flughafen buchen könne. Für solche Kollegen hat Maryam Komeyli keine netten Worte übrig, erwies sich aber auch in der Situation als Retterin in der Not.

Für zwei Singles spielte sie sogar Amor: Beide wollten mit kleinem Budget eine große Reise buchen und die findige Reiseverkäuferin konnte die beiden überreden, gemeinsam zu buchen, um den teuren Einzelzimmerzuschlägen zu entgehen. Die Reise war schön und mittlerweile haben die beiden eine kleine Tochter, die sie Maryam genannt haben.

Kolumnen über die Airport-Episoden

“Dieser Job ist mein Leben, der Schalter ist mein Kind”, sagt Maryam Komeyli über sich. Die Liebe zu ihrer Arbeit merkt man ihr mit jedem Satz an. Trotzdem ist es anstrengend, alle Episoden im Buch hintereinander zu lesen. Immer wieder kommen ähnliche Zitate ihres Vaters, der sein Geld als Teppichhändler verdient hat. Der Autorin scheint dies bewusst zu sein, denn an einer Stelle schreibt sie: “Ich bin Ihnen ja nun hinlänglich in diesem Buch damit auf den Keks gegangen, was mein Vater, der ehemalige Teppichhändler aus Teheran, mir an kaufmännischen Lebensweisheiten mitgegeben hat.” Ja, das ist sie, aber sie hat auch ganz hervorragend mit ihren Erlebnissen unterhalten.
Komeyli_Baby_05.inddBuch-Tipp: Maryam Komeyli/ Andreas Heineke/ Christian Löwendorf: Sie haben Ihr Baby am Airport vergessen – Mein verrücktes Leben am Last-Minute-Schalter, 224 Seiten, ISBN 978-3-8419-0324-2, 10,30 Euro
(SVA)

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