Austrotrash mit Fremdschäm-Samples: Kurt Razellis “Der Haha-Effekt”

Von Daniela Herger
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Wenn primitiv salonfähig und sogar catchy wird – dann sind wir mitten in der wunderbaren Welt des Kurt Razelli. Mit “Der Haha-Effekt” ist sein geballter Remix-Charme erstmals auf einer CD erhältlich. VIENNA.at hat reingehört und die besten Clips für Sie gesammelt.


Am Anfang steht eine Frage: “Herst du gern Musigg? Wos herstn gern?” Was folgt, ist ein Trailer-Intro zu “Der Haha-Effekt”, dem ersten Album von Kurt Razelli. Austrotrash wird das originelle Genre genannt, das Razelli begründet und in dem er es zu wahrer Meisterschaft gebracht hat. 26 seiner besten Machwerke sind auf der CD versammelt.

Wenn Wiener Originale zu Kult-Samples werden

Eins ist klar – ohne einschlägige ATV-Soaps und ORF-Dokus, die das Goldene Wienerherz hinlänglich dokumentieren, wäre das Phänomen Kurt Razelli wesentlich weniger unterhaltsam. Von “Saturday Night Fever” bis “Wir leben im Gemeindebau” – echte Wiener Originale kann man nicht erfinden, aber man kann ihre Bonmots sammeln und in unterhaltsame, ins Ohr gehende Tracks verwandeln. Zumindest, wenn man Kurt Razelli heißt.

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“Der Haha-Effekt”: Skuriller Austrotrash von Kurt Razelli

Wer erinnert sich an Shiva, Vanessa oder das Solarium-Trio Benni, Roman und Clemens? Wer hat sich über den Maxl aus “Wir leben im Gemeindebau” gehörig fremdgeschämt? Und wer hat nicht noch die “Donauinsulaner” aus Elisabeth T. Spiras “Alltagsgeschichten” im Ohr (“Insel! Inseeeeeel!”)? Kurt Razelli setzt ihnen allen in seinen Ohrwürmer versprechenden Tracks ein Denkmal. Bislang nur auf Youtube zu erleben, ist mit “Der Haha-Effekt” nun das erste Album des Remix-Großmeisters erschienen, der ein Gespür für Skurrilitäten hat, die sich als Samples für witzige Tracks eignen.

Ob dem Vodka oder dem Tattoo gedacht wird, dem Brötchen, der Wuascht, dem Zuckerwasser oder dem Froschgoschal (“De schenstn bluenden Bluman –  de Wiena wissn, wos des fia Bluman san”), Kurt Razelli nimmt sich unerschrocken der Themen an, die diese Stadt wirklich bewegen, und scheut keinen Schauplatz, an den die Protagonisten begleitet werden. So etwa auch in “Simmering” (O-Ton Maxl: “De Tüaknhittn, des Wettcafé, Polizei, Blauliachd, Gehsteig … wie in Chicago bei de gauzn leiwaundn Leid, Bronx und so.” Conclusio: “Ur leiwaund, do miass ma hi!”)

Heiße Eisen von “Hundegacke” über Müll bis hin zur inakzeptablen Haarpracht am Kopf (“Ich will kein barbiepuppenblond – ich will karamellblond”) und auf der Brust (“Beweg disch nischt”) werden da ohne Zaudern angepackt. Die gewählten Samples gleiten teilweise ins nahezu Philosophische ab, was einen großen Teil ihres Charmes ausmacht. “Wos füa a Frau auf dera Wöd mecht ned gean an Sex hom?” wird da gefragt. Auch Logik à la Richard Lugner darf da nicht fehlen: “I don’t eat because you don’t be friendly – this is de baddest restaurant in Rio de Janeiro!”

Erstes Kurt Razelli-Album: Was fehlt

Einziger Wermutstropfen: Einige persönliche Highlights haben es nicht auf die CD geschafft. Darunter “Die Schaukel” und der “Arnautovic Hey Boys Song”. Doch auch diese dürfen dem wahren Austrotrash-Freund keinesfalls vorbehalten bleiben.

Fazit: Sehr unterhaltsam und jetzt schon absolut legendär, was Kurt Razelli nicht nur auf “Der Haha-Effekt” aus einschlägigen Wiener Kult-Samples herausholt.

 Kurt Razelli: “Der Haha-Effekt”, CD, Hoanzl, 14,99 Euro

 

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