Austra verzauberte das Publikum im Wiener WUK

Die kanadische Sängerin Katie Stelmanis hat mit ihrer Band Austra kürzlich das Album “Future Politics” vorgelegt. Am Sonntagabend ließ sie im Wiener WUK das Publikum die Utopie tanzen.

Ihre Mischung aus eingängigen Melodien, facettenreichem Gesang und ziemlich druckvoller Elektro-Breitseite kennt man seit dem Debüt “Feel It Break” (2011). Mittlerweile ist Stelmanis, die Kreativkopf und treibende Kraft hinter Austra darstellt, aber recht weit in den Pop vorgedrungen. Die neuen Stücke müssen nicht zwingend aus dunklen, pulsierenden Wellen emporsteigen, sondern bedienen sich auch mal bei filigraneren Figuren und schwebenden Sounds, wie der Opener von Platte und Konzert, “We Were Alive”, vorführt.

Inhaltlich hat sich Stelmanis weniger von politischen Ereignissen des vergangenen Jahres leiten lassen, als es zunächst den Anschein macht. “Die Songs waren schon fertig, bevor Brexit und Trump passiert sind”, betonte sie vor dem Auftritt. “Jetzt hat das Album dadurch eine zusätzliche Bedeutung bekommen. Aber eigentlich singe ich über die Probleme, die zu diesen Ereignissen geführt haben. Geschrieben habe ich die Songs noch, als all das brodelte. Nur wusste man damals noch nicht, wohin es wirklich führen wird.”

Austra und die Utopie

Der drängelnde Gestus des Titelstücks, das luftige “Utopia” – es sind Songs, die nicht unbedingt anklagen, die keinen wütenden Aufschrei darstellen, sondern den Blick nach vorne richten. “Mir ist schon wichtig, dass sich die Leute auf das vorbereiten, was als nächstes kommt”, sagte Stelmanis. Ihr gehe es um die Suche nach Alternativen. “Als die Finanzkrise 2008 ausbrach, gab es keinen Ersatz zum bestehenden System. Also herrscht es immer noch. Ich denke, dass auf der progressiven Seite zuwenige Anstrengungen unternommen werden, um Neues zu kreieren. Der Neoliberalismus ist das bestimmende Paradigma in der Welt, und er zerbröselt – nur was kommt danach?”

Was im WUK jedenfalls angekommen ist, war die Musik: Gemeinsam mit Maya Postepski, Dorian Wolf und Ryan Wonsiak führte Stelmanis in knapp eineinhalb Stunden vor Augen (und Ohren), welche Wandlung sie in den vergangenen fünf Jahren vollzogen hat. Den zutraulichen Klängen des Beginns stellte das Quartett im Laufe des Abends eine immer härter werdende Ästhetik zur Seite, was gerade bei den Frühwerken “Beat And The Pulse” sowie “The Villain” an einen Rave gemahnte. Die Selbstvergessenheit des Techno wurde so mit harmonischen Einsprengseln versehen.

“Auf die Zukunft freuen”

Eindrucksvoll war dabei die Leichtigkeit, mit der Stelmanis vom Mikro zum Synthie und zurück wechselte, ihre Mitstreiter leitete und trotz minimaler Interaktion das Publikum zu jeder Sekunde auf ihrer Seite wusste. Wie schon das Debüt ist “Future Politics” als Platte wieder ein größtenteils Einfrau-Projekt, und in der Liveumsetzung konnte durch die erweiterte Palette noch einiges an Kraft aus den Stücken geholt werden.

So verschmelzen inhaltlicher Anspruch und emotionaler Ausdruck. “Die Leute sollen darüber nachdenken, wie wichtig es ist, für die Zukunft zu planen”, wünscht sich Stelmanis, dass sich Hörer mitnehmen. “Und man soll sich wieder auf die Zukunft freuen können.”

(APA)

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