“Austausch zwischen Kuba und Europa”: Fischer reist nach Lateinamerika

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Bundespräsident Heinz Fischer reist nach Kuba und Kolumbien.
Bundespräsident Heinz Fischer reist nach Kuba und Kolumbien. - © AFP/Fethi Belaid
Östereichs Bundespräsident wird auf Kuba Raúl Castro und in Kolumbien seinen Amtskollegen Juan Manuel Santos treffen.

“Positive Entwicklungen in Kuba sowie die neue Kuba-Politik der USA machen es möglich, dass der politische, wirtschaftliche, kulturelle und menschliche Austausch zwischen Kuba und Europa sich in nächster Zeit stark entwickeln wird”. Diese Prognose äußerte Bundespräsident Heinz Fischer am Dienstagvormittag vor dem Abflug nach Havanna, wo er am Mittwoch auch Präsident Raúl Castro treffen wird.

Fischer verwies zudem darauf, das sich Österreich dem kommunistischen Karibikstaat gegenüber immer dialogbereit gezeigt habe. Diplomatische Beziehungen gebe es bereits seit 70 Jahren. Nach dem französischen Präsidenten François Hollande sei Fischer das zweite europäische Staatsoberhaupt, das Kuba in dieser neuen Situation einen Besuch abstatten wird, wurde seitens seines Büros knapp vor Antritt der Reise betont. Drei Wochen später wird US-Präsident Obama Kuba ebenfalls einen Besuch abstatten.

Fischers nächtliches Gespräch mit Fidel Castro

“Österreich hofft auch auf stärkere Bildungs- und Wissenschaftskooperation, wird sich um Fortschritte beim Abschluss eines Rechtshilfeabkommens mit Kuba bemühen und dafür eintreten, dass der Menschenrechtsdialog zwischen der EU und Kuba intensiviert wird”, umriss Fischer vor dem Abflug sein Programm. Große Übereinstimmung zwischen Österreich und Kuba gebe es auch zu den Fragen der nuklearen Abrüstung”, so der Bundespräsident. Der Delegation des Bundespräsidenten werden auch Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP, Rechtshilfeabkommen und Menschenrechtsdialog), die Klubobmänner der beiden Regierungsparteien Andreas Schieder (SPÖ) und Reinhold Lopatka (ÖVP) sowie zahlreiche Wirtschafts- und Kulturvertreter angehören.

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Eine Zusammenkunft mit Revolutionsführer Fidel Castro, dem Vorgänger und Bruder von Präsident Raúl Castro, ist offiziell nicht geplant. Fischer hat Fidel Castro bereits dreimal getroffen. Das erste Mal im Jahr 1980 – kurz nach dem Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan – als SPÖ-Klubobmann, wie sich Fischer auch in seinem Buch “Reflexionen” erinnerte. Fidel Castro schwadronierte damals bis tief in die Nacht über die Weltpolitik, ehe Fischer doch zum Schlafengehen drängte. Das trug im freilich eine Art Rüge des damaligen österreichischen Botschafters ein, wie Fischer selbst einigermaßen belustigt erzählte: “Heinz, warum hast du so plötzlich Schluss gemacht?”, habe der Diplomat empört gefragt. “Der war so in Fahrt, wie ich ihn noch nie gesehen habe, der hätte uns alles erzählt, was wir wissen wollten.”

Fischer reist zu Wiedereröffnung der Botschaft nach Kolumbien

Nach seinem Besuch in Kuba wird der Bundespräsident am Donnerstag (Ortszeit) nach Kolumbien weiterreisen, wo er mit seinem Amtskollegen Juan Manuel Santos Gespräche führen wird. Es ist dies ebenfalls der erste Besuch eines österreichischen Staatsoberhauptes, wie die Präsidentschaftskanzlei festhielt. “Die großen Fortschritte in den Friedensverhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und der Untergrundorganisation FARC schaffen neue Perspektiven für die künftige Entwicklung Kolumbiens. Im Rahmen unseres Besuches wird daher auch die Wiedereröffnung der Österreichischen Botschaft in Bogota stattfinden”, so der Bundespräsident.

“Die österreichischen Exporte nach Kolumbien sind im Jahr 2015 auf rund 120 Millionen Euro angestiegen, und es gibt gute Chancen für ein weiteres Wachstum im Jahr 2016. Logische Konsequenz des steigenden wirtschaftlichen Austausches sollen auch Verhandlungen über ein Doppelbesteuerungsabkommen und ein Investitionsschutzabkommen zwischen Österreich und Kolumbien sein”, strich sein Büro auch die wirtschaftliche Bedeutung des Besuchs hervor. Wie auf Kuba wird Fischer auch in Bogotá an einem Wirtschaftsforum teilnehmen. Für die kulturelle Begleitmusik wird ein Konzert der Wiener Philharmoniker sorgen.

(APA, Red.)

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