Ausstellung im Wien Museum zum 150-Jahr-Jubiläum der Ringstraße

So sah die Eintrittskarte zur Eröffnungsfeier der Ringstraße aus.
So sah die Eintrittskarte zur Eröffnungsfeier der Ringstraße aus. - © APA
Zum Jubiläum der Wiener Ringstraße, die vor 150 Jahren (in noch unvollendetem Zustand) eröffnet wurde, wird es ab Mittwoch, den 10. Juni, die Ausstellung “Der Ring. Pionierjahre einer Prachtstraße” im Wien Museum geben. Die Zeit vor dem Festakt am 1. Mai 1865 wird dabei im Fokus stehen.

Auch das wohl ultimative Ring-Dokument kann bewundert werden: Das Handschreiben des Monarchen, also von Kaiser Franz Joseph I., in dem dieser 1857 den Abbruch der Stadtmauern und die Verbauung des Glacis ankündigte. Genaugenommen ist der Entwurf für den Erlass ausgestellt. Das Original wurde beim Justizpalastbrand 1927 vernichtet, wie Kurator Andreas Nierhaus bei der Präsentation heute berichtete.

Ausstellung der gescheiterten Ideen

Der dem Machtwort des Kaisers folgende internationale städtebauliche Wettbewerb brachte viele Einreichungen, aber keinen Sieger. Mit welchen Ideen die Teilnehmer gescheitert sind, wird ebenfalls in der Schau dokumentiert. Wobei viele Details dieser Projekte dann doch in den von einer kaiserlichen Kommission erarbeiteten “Grundplan” eingeflossen sind. Dieser Masterplan ist ebenfalls Teil der Ausstellung. Er blieb, so wie heute betont wurde, über Jahrzehnte bestimmend für das Ringstraßenareal.

Wolfgang Kos: Diskussion über Neugestaltung würde heute 200 Jahre dauern

Nach der Vorlage des Grundkonzepts ging es relativ flott. “Innerhalb von zehn Jahren war alles da”, verwies Museums-Direktor Wolfgang Kos auf die rasche Umsetzung: “Das zeigt, wie radikal und schnell Stadtveränderung damals vor sich gegangen ist.” Man stelle sich vor, so wagte Kos ein Planspiel, dass heute ein Gebiet 700 Meter vom Stephansdom entfernt zu beplanen sei. Die Diskussionen darüber würden 200 Jahre dauern, mutmaßte er.

Wien Museum zeigt auch verschwundene Gebäude

Die Ring-Ausstellung behandle die entscheidende Phase der Modernisierung Wiens, führte Kos aus. Dargestellt werde Gebautes und Nicht-Gebautes. Denn so manches Gebäude wurde nie realisiert, oder zumindest nicht in der ursprünglich angedachten Form. Verschwundenes gibt es aus dieser Zeit hingegen kaum, fast alles überdauerte den Krieg bzw. wurde wieder aufgebaut. Von einigen nicht mehr existierenden Gebäuden, wie etwa dem ausgebombten und später abgerissenen Heinrichshof, blieben zumindest Reste: Das Wien Museum zeigt zwei einst dort angebrachte Hermen, also Fassadenfiguren, die erst kürzlich ersteigert werden konnten.

Modelle und Fotografien veranschaulichen die Ausstellung

Zahlreiche Modelle und Fotografien ergänzen die rund 300 Objekte umfassende Schau, die auch das permanent ausgestellte Stadtmodell im ersten Stock einbezieht. Es zeigt den Stadtkern vor der Schleifung des Glacis – wobei die Lage der Ringstraße und ihrer Bauten für die Dauer der Ausstellung auf das Exponat projiziert wird. Apropos Exponat: Die eigentliche Ausstellung befinde sich 200 Meter vom Wien Museum entfernt, empfahl Kos auch einen Besuch der real existierenden Ringstraße.

(apa/red)

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