Ausstellung “Bunker” im Museum Judenplatz zeigt Schutzräume für das Leben

Die Schutzräume sind über ganz Isreal verteilt.
Die Schutzräume sind über ganz Isreal verteilt. - © Adam Reynolds
Kühl, höchst funktional und dennoch von Leben erfüllt: Über ganz Israel sind Schutzräume verteilt. In einer neuen Ausstellung im Museum Judenplatz können diese nun erkundet werden. Basierend auf einem Fotoprojekt von Adam Reynolds zeigt “Bunker. Architektur des Überlebens” wie unterschiedlich die kargen Räume genutzt werden.

Laut dem israelischen Zivilschutzgesetz von 1951 muss jeder Einwohner des Landes Zugang zu einem Bunker haben. Kein Wunder also, dass diese überall anzutreffen sind. Aufgrund des ohnehin knappen Platzes werden sie aber nicht nur in akuten Gefahrenzeiten, sondern eigentlich fast täglich genutzt. “Das ist etwas typisch Jüdisches: Selbst aus der Bedrohung noch das Beste rauszuholen”, erklärte Museumsdirektorin Danielle Spera bei der Presseführung am Dienstag.

Vielfältige Gestaltung der Schutzräume

So zeigen die meist großformatigen Bilder Reynolds’ nicht nur weiße Wände, Betonschluchten und kaltes Licht, sondern vielfältige Gestaltungen. Einmal ist es ein Tanzstudio, das eingerichtet wurde und in dem sich Frauen gerade in Bewegung befinden. Auf einem anderen Foto ist ein Proberaum zu sehen, in dunkelroten Farben gehalten, Monitorboxen am Boden verteilt und ein verwaistes Schlagzeug am Rand als Zeuge vom hier erklungenen Sound. “Die Schutzräume sind Teil der israelischen Realität. Hier ist ein eigener Kosmos abgebildet”, so Spera.

“Anzeichen für diese Schutzbunker gibt es überall in Israel”, erläuterte Reynolds, der sich bereits während seiner Zeit an der Kunstschule für das Thema zu interessieren begann. “Besonders die alternativen Nutzungen waren für mich spannend. Entstanden ist so nicht nur ein geografischer, sondern auch demografischer Überblick.” Eine Besonderheit stellt sicherlich das Foto eines Bunkers in der Knesset dar, das eher zufällig entstanden ist. “Mein Hebräisch ist sehr schlecht”, schmunzelte Reynolds. So habe er zwar angefragt, den Bunker fotografieren zu dürfen, allerdings habe sein Gegenüber etwas anderes verstanden. “Als ich dann dort war, hat es trotzdem geklappt.”

Neben den auf drei Räume aufgeteilten Fotografien hat Reynolds für die Schau in Wien außerdem eine Installation angefertigt: Rohre an der Decke, eine schwarze Couch und ein großformatiges Poster einer idyllischen Insel ergeben gemeinsam die Nachbildung eines Schutzraumes der Universität Haifa. Zu sehen ist die Ausstellung bis 8. Oktober.

Ausstellung “Bunker! Architektur des Überlebens” von 6. Juni bis 8. Oktober im Museum Judenplatz, Judenplatz 8, 1010 Wien. So-Do 10-18 Uhr, Fr bis 17 Uhr geöffnet.

(APA/Red.)

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