Aus dem Alltag einer Sprech-, Stimm- und Kommunikationstrainerin

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Aus dem Alltag einer Sprech-, Stimm- und Kommunikationstrainerin
Gastkommentar von Petra Falk: Liebe LeserInnen, in meinem Kommentar diese Woche möchte ich Ihnen gerne einen kleinen Einblick in den Berufsalltags einer Sprech-, Stimm- und Kommunikationstrainerin geben – ein Berufsalltag der mich immer wieder in skurrile Situationen bringt, zum Nachdenken bewegt und mich oft zum Schmunzeln bringt.

Selbstverständlich verrate ich nicht wer zu mir ins Institut kommt, Ähnlichkeiten mit Personen die Sie kennen sind rein zufällig.Oft werde ich gefragt (sogar von Leuten die mich seit Jahren kennen und meine Berufsbezeichnung schon lange kennen) „was machst Du da eigentlich mit den Leuten – lernen die bei Dir reden?” Eine Frage die banal klingt, aber gar nicht so banal ist. Denn eigentlich lehre ich Menschen das Reden, obwohl sie es irgendwie doch schon können.

Ich arbeite mit Menschen, die der Meinung sind, dass das Lernen niemals aufhört, dass man sich immer weiter entwickeln kann und oftmals endet ein Stimmtraining bei mir mit einer jahrelangen Verbundenheit – ja sogar Freundschaften haben sich aus dem Training heraus entwickelt. Denn eines ist gewiss: kaum jemand kann Ihnen so nahe rücken, wie Ihre Stimmtrainerin. Wenn ich mit Menschen arbeite, habe ich Gelegenheit hinter die Fassade zu blicken, wenn man Menschen Töne entlockt, entlockt man ihnen unweigerlich auch Gefühle, Geheimnisse und Selbsterkenntnisse – manch angenehme aber auch unangenehme. Sich mit der eigenen Stimme zu befassen bedeutet, sich mit der eigenen Persönlichkeit zu befassen, nahezu alle bewegenden Ereignisse im Leben schlagen sich meiner Ansicht nach auf die Stimme – Persönlichkeit, Psyche und stimmlicher Ausdruck können nicht voneinander getrennt werden.

Wer kommt zu mir ins Training? Natürlich unterliege ich was meine KlientInnen betrifft der Verschwiegenheit, aber ich kann Ihnen sagen, ich habe ein sehr gemischtes Klientel bei mir. Erfolgreiche Geschäftsleute, bereits tätige aber auch angehende PolitikerInnen, Wirtschaftsbosse, aber auch Hausfrauen, Studenten die sich auf die mündliche Matura vorbereiten genauso wie Jugendliche deren Eltern wissen, wie wichtig der verbale und nonverbale Auftritt im späteren Leben sein wird.

Natürlich kommt es immer wieder vor, dass ich selbst vor Situationen stehe, in denen ich mich frage, was denn die Person die mir da gegenüber sitzt, eigentlich von mir will. So zum Beispiel vergangene Woche. Ein Herr hat um ein Erstgespräch gebeten, kommt zu mir ins Institut und sagt er möchte gerne ein Stimmtraining machen. Auf die Frage warum, kam zunächst nur ein verdutzter Blick. Ich frage immer nach dem Warum, denn ohne Zielsetzung ist ein vernünftiges Training eher schwierig durchzuführen. Nach einer Weile herumdrücken erzählt mir der Mann, dass er sich gegen seine Frau so schlecht durchsetzen kann, da sie immer das letzte Wort habe und er deshalb gerne eine festere Stimme hätte um zu signalisieren dass er der Mann im Haus sei. Innerlich musste ich natürlich schmunzeln, äußerlich bin ich aber ernst geblieben und habe dem Mann erklärt, dass ich ihm hier eher einen Kollegen empfehlen würde der Persönlichkeitscoach ist und ihn hier stärken könne.

Stärkung des Selbstvertrauens

Erst vor wenigen Monaten ist ein Muskelmann zu mir gekommen, wirklich sehr stark trainiert, ein Erscheinungsbild das an Arnold Schwarzenegger in seinen besten Jahren als Bodybuilder erinnert hat. Der Mann wirkte sehr imposant, als er dann im Zuge der Erstanalyse vor der Kamera zu sprechen begann hat sich heraus gestellt, dass er sehr wenig Selbstvertrauen hat und dies mit dem extrem auftraininerten Körper zu kompensieren versucht. Hier habe ich das Training erfolgreich durchführen können, denn ein Sprech- und Stimmtraining kann durchaus zur Stärkung des Selbstvertrauens führen. Warum? Wer sein Auftreten verbessert, bekommt besseres Feedback von außen und damit wächst auch das Selbstvertrauen.

Immer in Erinnerung bleiben wird mir eine Dame, mit der ich heute noch befreundet bin. Sie ist die Ehefrau eines sehr erfolgreichen Geschäftsmannes den man auch aus den Medien kennt. Sie hat viel Geld, viel Zeit, sieht umwerfend aus und hat auf den ersten Blick alle Attribute die Frau sich nur wünschen kann. Eines jedoch durfte Sie in Ihrer Ehe nie: an sich selbst arbeiten, selbständig sein, eigene Entscheidungen treffen – nicht einmal arbeiten gehen sollte sie, wenn es nach dem Ehemann ginge. Diese Dame, ist zu mir gekommen um Ihre Stimme zu finden. Sie hat ihre Stimme gefunden, ist immer noch verheiratet, widmet sich aber auch ihren eigenen Projekten und tritt selbstbewusster auf.

Warum ist ein Sprech- und Stimmtraining überhaupt so persönlichkeitsbildend? Bei einem Sprech- und Stimmtraining muss man immer wieder die eigenen Grenzen sprengen. Stimmübungen sorgen zum einen dafür, dass man mit sich selbst in Kontakt kommt, viele Übungen sind aber auch zunächst eine Herausforderung, da man Laute, Bewegungen und Techniken ausprobiert die man noch nie zuvor gemacht hat und die ein wenig seltsam, wenn nicht sogar peinlich anmuten – die Angst sich zu blamieren ist bei Erwachsenen enorm groß, oft viel zu groß! Bellen wie ein Hund stärkt zwar Zwerchfell und Stimme – man muss aber über seinen Schatten springen um diese Übung richtig machen zu können. Können Sie sich vorstellen in Gegenwart einer nahezu fremden Person zu hecheln wie in einem Geburtsvorbereitungskurs? Plötzlich so laut wie möglich „Marmelade” zu rufen um zu lernen die Stimme wieder wegzuschicken. Raum einzunehmen obwohl Sie ihr Leben lang gelernt haben sich klein zu machen?

Ich bin jeden Tag aufs Neue froh, diesen Beruf ausüben zu dürfen. Denn mit jedem Menschen der zu mir kommt lerne ich selbst auch dazu, entwickle ich mich selbst auch weiter und kann damit anderen Menschen wieder zu einem besseren Auftritt verhelfen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mich auch über die vielen netten Briefe die ich von Viennaonline- LeserInnen erhalten habe bedanken. Ich wünsche Ihnen eine stimmige Woche!

Petra Falk

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