Aufschwung des isländischen Fußballs dank bezahlter Trainer und neuer Hallen

Islands Nationalteam hat gleich zwei Trainer.
Islands Nationalteam hat gleich zwei Trainer. - © APA
Seinen bemerkenswerten Aufschwung hat der isländische Fußball nicht nur der außergewöhnlichen Spielergeneration um Topstar Gylfie Sigurdsson zu verdanken, sondern auch den Infrastruktur-Investitionen und grundlegenden Maßnahmen, die rund um die Jahrtausendwende im Trainerwesen getroffen wurden.

Island zählt gerade einmal 332.000 Einwohner – das ist etwas mehr als Graz. Dennoch haben es mehrere Fußballer in Europas Topligen geschafft. Kein einziger Akteur aus dem 23-köpfigen EM-Kader spielt noch im eigenen Land. Ausgebildet wurden Sigurdsson und Co. aber allesamt dort – von isländischen Trainern, die europaweit mittlerweile einen sehr guten Ruf genießen.

Meiste lizenzierte Fußball-Trainer in Island

Schon im Nachwuchsbereich wird professionell gearbeitet. Island verfügt über mehr als 160 Trainer mit einer A-Lizenz und über 560 mit einer B-Lizenz des Europäischen Verbandes (UEFA). Das sind mehr lizenzierte Fußball-Trainer pro Einwohner als in jedem anderen Land der Welt. “Dadurch bekommt jeder das bestmögliche Training, in allen Altersgruppen”, erklärte Heimir Hallgrimsson.

Der 49-Jährige ist eine der Schlüsselfiguren im isländischen Verband (KSI). Seit Ende 2013 ist Hallgrimsson dem erfahrenen Schweden Lars Lagerbäck als gleichberechtigter Teamchef zur Seite gestellt. Davor war er zwei Jahre dessen Assistent und Koordinator. Hallgrimsson bringt das lokale Wissen, Lagerbäck die internationale Erfahrung.

Vor seiner Tätigkeit beim Verband betreute Hallgrimsson Damen-Fußballteams – und war als Zahnarzt tätig. Seine aktive Spielerkarriere war keine bedeutende. In Island, einem Land, das sich nach dem Bankencrash von 2008 erst wieder im Aufschwung befindet, zählen aber auch Ideen. “Wir haben viel verändert”, sagte Hallgrimsson.

Infrastrukturausbau und andere Maßnahmen brachten Island zur EM

Eine wichtige Basis ist die Infrastruktur. Um trotz der unwirtlichen Witterungsbedingungen ganzjährig arbeiten zu können, wurde in den vergangenen 15 Jahren in Fußball-Hallen investiert. 2002 gab es in Island eine einzige davon, mittlerweile sind es sieben mit Originalspielfeldern. Dazu entstanden in allen größeren Städten des Landes Kunstrasenplätze, die von den Gemeinden getragen werden.

Den Clubs bleibt dadurch mehr Geld für ihre Nachwuchscoaches. “Es ist eine wichtige Sache, dass alle unsere Trainer bezahlt werden”, betonte Hallgrimsson. “Das ist ein Grund, warum die Qualität hoch ist.” Das Ehrenamt in diesem Sinn gibt es nicht. Mit dem Mitgliedsbeitrag, den die Eltern für ihre Kinder entrichten, werde ausschließlich der Trainer finanziert.

Dieser muss dafür auch im Jugendbereich schon eine UEFA-Lizenz vorweisen. Viele Ex-Spieler, aber auch Sportpädagogen sehen es als gutes Nebeneinkommen. Islands bisher größter Erfolg im Nachwuchs-Fußball war 2011 die Teilnahme an der U21-EM – ein Turnier, für das sich Österreich bisher noch nie qualifiziert hat.

Die damaligen Spieler um Sigurdsson, Kapitän Aron Gunnarsson oder Marc Jankos Basel-Clubkollegen Birkir Bjarnason bilden auch heute das Rückgrat des Teams, das sich am Mittwoch in St. Denis bei Paris den Österreichern entgegenstellt. Für beide geht es um den Einzug ins EM-Achtelfinale. Island ist zum ersten Mal bei einer großen Endrunde dabei – als mit Abstand bevölkerungsärmstes Land der Geschichte.

(apa/Red)

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