Aufregung: Kreuzigung am Stephansdom

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Aufregung: Kreuzigung am Stephansdom
Künstler Emmerich Weissenberger lehnte sich in 20 Meter Höhe nur in Lendenschurz und Stacheldraht-Krone in Kreuzigungspose vom Gerüst am Stephansdom.

Für Polizei- und Feuerwehreinsatz am Wiener Stephansplatz sorgte der Künstler Emmerich Weissenberger am Karfreitag mit einer spektakulären Aktion: In 20 Meter Höhe lehnte er sich selbst in Kreuzigungs-Pose, nur mit Lendenschurz und Stacheldraht-Krone bekleidet, vom Gerüst über dem Haupteingang. Die Kunstaktion, die weder dem Dom noch den Behörden angekündigt war, sollte dem Gedenken an die Missbrauchs-Opfer durch Kirchenleute dienen. Nach der halbstündigen Darbietung, die zu einer Sperre des Dom-Eingangsbereichs führte, wird Weissenberger derzeit von der Polizei einvernommen.

Über das Gerüst seitlich des Eingangs erklomm Weissenberger gegen zehn Uhr vormittags den Dom und schnitt kurz darauf von innen einen Spalt in die Plane. Zwischen zwei von ihm gestalteten Totentücher kroch er schließlich selbst, mit Seilen an den Armen gesichert, an die Außenseite und lehnte sich so für etwa eine Viertelstunde in der Pose des Gekreuzigten aus der Gerüst-Plane.

“Am Tag der Kreuzigung Christi kreuzige ich mich selbst, stellvertretend für alle Ohnmächtigen. Es ist ein Hilfeschrei, denn Kunst ist immer wahrhaftig. Die Kirche, so wie sie ihr Antlitz heute zeigt, ist es nicht”, kommentiert Weissenberger seine Aktion in einer Aussendung. “Nicht dem Tode Christi gedenken wir heute, sondern dem sozialen Tod jener, die Opfer der Männer des Himmels geworden sind. Ihnen gebührt unser Mitgefühl, unser Gedenken, unsere Aufmerksamkeit.”

Aufmerksamkeit erregte der Künstler durch die Aktion, die den Medien am Vorabend angekündigt wurde, vor allem bei den Passanten am Stephansplatz und den Touristen, die wegen der Sperre auf den Eintritt in den Dom warten mussten. Nicht eingeweiht war Dompfarrer Toni Faber: “Ich halte es absolut nicht für richtig, dass ich vorher nicht informiert wurde”, zeigte er sich gegenüber Helfern des Künstlers empört. “Ich bin ein Mann, mit dem man sprechen kann und stehe für die Freiheit der Kunst. Indem hier aber einfach Hausfriedensbruch begangen wird, fällt es mir schwer mich mit der Kunst selbst auseinanderzusetzen.”

Aus Angst, der Künstler könnte fallen und jemanden verletzen, ließ Faber das Tor des Stephansdoms verschließen. Als die Feuerwehr den Platz rund um den Eingang abgesperrt und ein Sprungkissen aufgestellt hatte, war der Künstler allerdings bereits wieder im Inneren der Plane verschwunden – um deren Spalt anschließend zu vernähen. Nach einer knappen halben Stunde hatten sich auch die Schaulustigen, die die Darbietung teilweise für eine kirchliche Aktion hielten, wieder aufgelöst. Der Künstler selbst wurde von der Polizei mitgenommen, welche Konsequenzen für ihn zu erwarten sind, könne man derzeit noch nicht absehen, hieß es seitens der Polizei auf APA-Anfrage.

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