Auf Ediths Spuren – Tracking Edith – Trailer und Kritik zum Film

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Auf Ediths Spuren – Tracking Edith – Trailer und Kritik zum Film
Jede Familie hat ihre Geheimnisse. Edith Tudor-Hart (1908-1973), geborene Suschitzky, hat ihres ganz besonders gut gehütet: Erst 20 Jahre nach ihrem Tod kam heraus, dass die renommierte Fotografin Agentin des sowjetischen Geheimdiensts KGB war. Ihr Großneffe, der austro-amerikanische Autor Peter Stephan Jungk, geht in seiner Doku “Auf Ediths Spuren” ihren Beweggründen nach.

Edith Tudor-Harts bewegtes Leben bietet Stoff für gleich mehrere Filme. 1908 in Wien geboren und aufgewachsen, ließ sie sich erst bei der Reformpädagogin Maria Montessori in London zur Kindergärtnerin und später während der Weimarer Republik am Bauhaus Dessau zur Berufsfotografin ausbilden. Wegen Kurierdiensten für die KPÖ wurde sie 1933 in Wien unter Dollfuß festgenommen, ehe eine Heirat mit Alexander Tudor-Hart die Emigration nach Großbritannien ermöglichte.

Hier wurde sie zu einer der wichtigsten Vertreterinnen der Sozialfotografie der 30er-Jahre, bildete mit ihrer “Kamera als Waffe” Elend und Armut ab – und engagierte sich parallel als Agentin für den KGB. Als solche spielte sie eine Schlüsselrolle bei der Rekrutierung der berühmten “Cambridge Five” – jenem britischen Spionagering um den Doppelagenten Kim Philby, der u.a. wichtige Nuklear-Geheimnisse des Westens an die Sowjetunion weitergab.

Auf Ediths Spuren – Tracking Edith – Die Handlung und Kritik

Basierend auf seinem 2015 erschienenen Buch “Die Dunkelkammern der Edith Tudor-Hart” (S. Fischer Verlag) verfolgt Jungk die Lebensstationen seiner Großtante zwischen Wien und London nach, spricht mit Historikern, Archivaren, ehemaligen Geheimagenten und Verwandten. Spannend sind Auszüge aus seinem Interview mit Tudor-Harts nicht minder berühmtem Bruder, dem kürzlich verstorbenen österreichisch-britischen Kameramann Wolf Suschitzky: Er erzählt, dass er wegen der Agententätigkeit seiner Schwester vom britischen Geheimdienst abgehört wurde. Offiziell gewusst habe er nichts – eine Aussage, die Jungk infrage stellt, legen Abhörprotokolle des britischen Geheimdienstes MI5 doch nahe, dass Suschitzky derjenige war, der Tudor-Hart nahelegte, belastende Negative zu zerstören.

Interviewsequenzen sowie Jungks Ausflüge in Archive werden durch einen reichen Schatz an schwarz-weißen, präzise komponierten Fotografien Edith Tudor-Harts sowie Archivaufnahmen ergänzt; dezent und stimmig eingesetzte Animationssequenzen des Studios “Neuer Österreichischer Trickfilm” illustrieren Einschnitte wie die Festnahme in Wien und ein Verhör durch den MI5. Jungk gelingt so ein in seiner Gestaltung vielseitiges und in seiner Dramaturgie fesselndes Porträt einer faszinierenden und widersprüchlichen Frau mit einem so spannenden wie unglücklichen Leben.

Mit 44 Jahren, so zeigt “Auf Ediths Spuren” auf, stand die alleinerziehende Mutter eines autistischen Buben “vor den Trümmern ihres Lebens” – hat sie für den KGB doch stets kostenlos, weil rein aus ideologischen Gründen gearbeitet. Wie eine kluge Frau mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn trotz der Gräueltaten unter Diktator Josef Stalin an ihrem Einsatz für die Sowjetunion festhalten konnte, ist die zentrale Fragestellung des Films, der hierfür das damalige politische Klima und Tudor-Harts schicksalhafte Begegnungen mit Agenten wie Arnold Deutsch und Philby nachzeichnet. “Der Schlüssel zu allem findet sich in ihrer Fotografie”, sagt der Militärhistoriker Nigel West abschließend: “Sie durchleuchtet die sozialen Umstände ihrer Zeit.”

>> Alle Filmstartzeiten zu “Auf Ediths Spuren – Tracking Edith”

(APA)

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