Auer stimmt sich bei Ungarn-GP auf “Neuland” Formel 1 ein

Lucas Auer bereitet sich auf Formel-1-Testfahrten ein
Lucas Auer bereitet sich auf Formel-1-Testfahrten ein - © APA (MERCEDES)
Sitzanpassung in der Fabrik in England, daheim intensives Fitness-, Fliehkraft- und Reaktionstraining: Autorennfahrer Lucas Auer hat die Vorbereitung auf seine ersten Formel-1-Testfahrten kommende Woche in Ungarn beinahe abgeschlossen. Am Grand-Prix-Wochenende in Mogyorod stimmt sich der junge Tiroler bereits als offizieller Teil des Teams Force India endgültig auf das “Neuland” Formel 1 ein.

Auer ist der erste Österreicher in einem aktuellen Boliden der Motorsport-Königsklasse seit Christian Klien (2010) und hat sich die im Rahmen der Young Driver Tests stattfindenden Runden in einem Formel 1 am kommenden Dienstag und Mittwoch vor allem durch seine starken Leistungen in der diesjährigen DTM erarbeitet. Den Tag der offiziellen Bekanntgabe am 18. Juli bezeichnete der 22-Jährige als “schönsten Tag in meinem Leben”.

Die kurze Zeit zwischen Bekanntgabe und Tests hat Auer “unter Hochdruck” genützt. In Mogyorod bei Budapest kommt es nun zur finalen Abstimmung, der Österreicher kann am Grand-Prix-Wochenende vor allem den beiden Einsatzpiloten Sergio Perez und Esteban Ocon über die Schulter schauen.

“Das Team integriert mich und ich versuche, für die Tests in den Rhythmus zu kommen”, erklärte Auer seinen Plan. Der Österreicher wird an Meetings teilnehmen sowie lernen, Lenkrad, Philosophie und Arbeitsweise des Teams zu verstehen.

Auer weiß, dass am Wochenende des elften WM-Saisonlaufs viel Arbeit im Hintergrund auf ihn wartet. Während das Team seine einzigartige Erfolgsserie auf der Rennstrecke – nur ein Mal (Baku) kamen bisher nicht beide Fahrer in die Punkte – fortsetzen will, stimmt sich der Österreicher auf seine große Aufgabe ein. “Das wichtigste wird sein, die Kopfhörer aufzuhaben und den Fahrern zuzuhören”, beschreibt Auer, wie er sich für seine Testrunden im VJM10 des Teams von Vijay Mallya vorbereitet.

Gleichzeitig will sich Auer aber auch nicht zu viel hineinsteigern. “Es geht ja darum, zwei produktive Testtage abzuliefern. Deshalb werde ich nichts überstürzen, sondern versuchen, am GP-Wochenende in den Rhythmus hineinzuwachsen und Selbstvertrauen zu haben. Nur wenn du derart bereit bist, kannst du auch eine gute Leistung abliefern.”

Der frühere Formel-3-Fahrer und nunmehrige DTM-Pilot sitzt in Budapest zum ersten Mal seit drei Jahren wieder in einem Formel-Auto. “Aber das ist natürlich jetzt alles viel komplexer und deshalb totales Neuland für mich.”

Das mit indischer Lizenz fahrende Force India ist so etwas wie das “Wunderteam” der Formel 1. Mit deutlich knapperen Budget als die davor liegende Konkurrenz Mercedes, Ferrari und Red Bull hat man es geschafft, klar vor Konkurrenten wie etwa dem ebenfalls mit Mercedes-Motoren fahrenden Williams-Team konstant vierte Kraft zu sein. “Force India gehört seit Jahren zu den Topteams in der Formel 1. Ich bin irrsinnig stolz, dass ich ausgerechnet für sie testen darf”, bedankte sich Auer.

Der “Run-Plan” und damit das genaue Aufgabengebiet für den Neffen des früheren Formel-1-Stars Gerhard Berger wird während des Grand-Prix-Wochenendes erarbeitet. Der 22-Jährige will seine Aufgabe dann möglichst perfekt erledigen, hat aber auch ein persönliches Ziel. “Das wichtigste ist, jede Sekunde zu genießen. Ich habe viel investiert, damit ich diese Chance kriege. Jetzt heißt es, langsam anfangen, dann steigern und am Ende möglichst produktiv sein.”

Dass sein Haupt-Arbeitgeber Mercedes nach 2018 aus der DTM aussteigt, kam auch für Auer sehr überraschend. Das Deutsche Tourenwagen Masters war zuletzt immer wieder ein ausgezeichnetes Sprungbrett für junge Fahrer in die Königsklasse gewesen.

“Man muss das respektieren, sie schauen halt in die Zukunft”, kommentierte der aktuelle Meisterschafts-Dritte die Entscheidung der Stuttgarter für die Formel E und gegen die DTM. Auer weiter: “Ich darf mich da als Fahrer nicht zu viel hineinsteigern. Wir sind mitten in der Saison und ich muss mich vielmehr darauf konzentrieren, für Mercedes und alle Beteiligten das Beste rauszuholen.”

Die DTM geht erst am 18./19. August in Zandvoort weiter. Näher liegen die ersten Formel-1-Runden kommenden Dienstag und Mittwoch in Ungarn. “Noch bin ich nicht aufgeregt”, sagte Auer am Donnerstag bereits an der unarischen Rennstrecke. “Aber das kommt sicher noch.”

(APA)

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