Atelier de Conversation – Trailer und Kritik zum Film

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Atelier de Conversation – Trailer und Kritik zum Film
Der Salzburger Bernhard Braunstein ist 2009 ohne Französischkenntnisse nach Paris gezogen und fand schließlich in einem international besetzten Konversationskurs den Halt in der neuen Sprache. Viele Jahre später widmet sich der 38-Jährige Menschen, die nun in derselben Lebenssituation stehen wie er einst. Nun kommt sein Dokumentarfilm “Atelier de Conversation” in die Kinos.

Abgesehen von kurzen Zwischenschnitten, stehen bei dem Projekt ganz die sprechenden Personen im Zentrum, die sich jede Woche in der Bibliotheque publique d’information zum Gespräch treffen. Braunstein bleibt ganz bei Talking Heads, nimmt sich die Zeit für die einzelnen Sprecher, deren einziges Bindeglied die französische Sprache ist. Schließlich haben die Gesprächsteilnehmer verschiedene Geschlechter, kulturelle Hintergründe, sexuelle Ausrichtungen oder Berufe.

Die lesbische Amerikanerin trifft auf den koptischen Christen aus Ägypten, die Bäckerin aus Japan auf den afghanischen Flüchtling. Kurz gesagt bringt das “Atelier de Conversation”, wie dieser Gesprächskreis heißt, Menschen zusammen, die sonst wohl nie zueinander kämen.

Atelier de Conversation – Die Handlung und Kritik

Zwar gibt es die Peinlichkeiten, die jeder aus leidlicher Erfahrung kennt, wenn man sich mit einer Sprache müht und im Kurs Vorstellungsrunden überstehen muss. Und doch hat nicht nur das Kleine, sondern auch das Große seinen Platz in dieser Runde, wenn Klischees und Vorurteile, die Liebe zur eigenen Heimat, das, was man vermisst oder Fragen der Religion aufeinandertreffen. Die Probleme eines Asylwerber treffen hier auf die eines Wirtschaftsenglischtrainers, mit dem im Privaten niemand Französisch sprechen möchte.

Nicht immer kommt man dabei zusammen, wenn man entlang der Geschlechterfraktionen über die Frage debattiert, ob es unterschiedliche Berufe für Frauen und Männer gibt oder der “Metallica”-Fan und der Wirtschafter in der Frage des Konsums zur Antreibung des Wirtschaftsmotors keinen gemeinsamen Nenner finden. Die Frage, ob halal für die Ernährung von Bedeutung ist, lässt da auch schon einmal die Emotion in die Höhe gehen.

So changiert “Atelier de Conversation” zwischen interessiertem Geplauder, kleinen Anekdoten, harter Diskussion und bildet darin die Bandbreite des Lebens ab, ist eine Kakophonie im positiven Sinne. Braunstein zeigt in seinem ersten langen Dokumentarfilm eine kleine, multikulturelle Gemeinschaft, die nicht eng verwoben und gerade darin ein gewisses Symbol für die Gesellschaft außerhalb der kleinen Kammer ist. Bei allen Unterschieden ist man aber zur Auseinandersetzung mit dem Anderen bereit – und teilt bisweilen doch Gemeinsamkeiten wie Fremdheit, Einsamkeit oder den Kampf, seine Gefühle in einer neuen Sprache nur schwer ausdrücken zu können.

>> Alle Filmstartzeiten zu “Atelier de Conversation”

(APA)

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