Argo – Trailer und Kritik zum Film

Argo – Trailer und Kritik zum Film
Manchmal könnte man meinen, Steven Spielberg sei hier am Regiestuhl gesessen: Ben Affleck erzählt in “Argo” die Geschichte eines unauffälligen Mannes, der in einer außerordentlichen Situation über sich hinauswächst und nach geglückter Mission schließlich in die Arme seines Sohnes nach Hause zurückkehrt, das alles im Stile der 1970er und so spannungsgeladen, dass man immer wieder den Atem anhält.

Nur, dass Spielberg sich selbst wohl nie die Hauptrolle gegeben und seinen Waschbrettbauch gefilmt hätte – aber abgesehen von solchen Eitelkeiten ist Affleck ein guter Spionagethriller der alten Schule gelungen. Ab Freitag im Kino.

“Argo” – Absurder Spionagethriller für starke Nerven

Die Story selbst ist ohnehin kaum zu glauben, basiert aber auf Tatsachen – was Affleck gleich zu Beginn durch zahlreiches Archivmaterial und eine erklärende Off-Stimme untermauert. Diese führt in den zeitgeschichtlichen Rahmen ein, verurteilt die amerikanisch-britische Intervention 1953 gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Mohammed Mossadegh und beschreibt die elende Lage der iranischen Bevölkerung unter dem von den USA geschützten Schah. Als dieser im Zuge der iranischen Revolution 1979 gestürzt wird, entlädt sich der Zorn in Teheran nicht zuletzt an den Amerikanern im Land.

Was bis hierhin nach einem Versuch der Ausgewogenheit wirkt, kippt im Verlauf des Films dann doch gerne in das klassische Gut-Böse-Schema, das auch heute vom Boulevard gerne bemüht wird. Denn natürlich wird die Geschichte aus amerikanischer Sicht erzählt, aus jener der CIA und der sechs Diplomaten, die einer Geiselnahme durch militante iranische Studenten in der US-Botschaft entkommen und sich in der kanadischen Botschaft verschanzen. Da sie auch dort in Lebensgefahr schweben, riskiert der CIA-Befreiungsspezialist Tony Mendez (Affleck) einen riskanten Plan, um seine Landsleute nach Hause zu bringen.

Sein Team will Dreharbeiten für einen fiktiven Film inszenieren und die versteckten Botschaftsmitarbeiter als Mitglieder der Filmcrew ausgeben. Im Rahmen des Produktionstrubels um den fiktiven Film “Argo” sollen die Geiseln unauffällig aus dem Land geschafft werden, ohne dass die iranische Regierung Verdacht schöpft. Als Mendez’ Helfer in Hollywood agieren der Make-up-Meister John Chambers (John Goodman) und der Trash-Film-Produzent Lester Siegel (Alan Arkin), gemeinsam täuschen sie die Drehvorbereitungen für das absurde Science-Fiction-Epos vor.

Auch wenn der Plan grotesk wirkt und sich immer wieder humorvolle Momente in den Film geschlichen haben, regieren in dem Film vor allem Spannung, Herzklopfen und Angst. Ist anfangs noch vieles fast dokumentarisch angelegt (Kamera: Rodrigo Prieto), wird gerade zum Ende hin, wenn es um die Ausreise am Flughafen von Teheran geht, das Nervenspiel für das Publikum fast unerträglich. Und das muss man Affleck, der von den Produzenten George Clooney und Grant Heslov unterstützt wurde, auch zugutehalten: Sein Handwerk beherrscht er mittlerweile perfekt, und das Ensemble hat er ebenfalls im Griff.

Dennoch ergreift der Film doch sehr deutlich Partei, und in Zeiten wachsender Spannungen zwischen den USA und dem Iran mag die Inszenierung der Opponenten – die Iraner werden zumeist mit wütenden bis wutentbrannten Gesichtern oder beim Verbrennen der US-Flagge gezeigt – doch ziemlich verantwortungslos und einseitig anmuten. In den USA stößt diese Kritik naturgemäß auf wenig Gehör, bei den Hollywood Film Awards gab es Ende Oktober bereits die erste Trophäe für das beste Ensemble. Ob der Politthriller aber der geeignete Eröffnungsfilm für die diesjährige Viennale war, sei einmal dahingestellt.

(APA)

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