Arena: Kampf um Wiener Schlachthof

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Vor dreißig Jahren besetzten Aktivisten den ehemaligen Auslandsschlachthof St. Marx in Wien. Sie wollten den Gebäudekomplex retten und unter dem Namen „Arena“ ein selbstverwaltetes Kultur- und Kommunikationszentrum schaffen.

Die Besetzung stieß auf großes Echo, trotzdem kam es im Oktober 1976 zum Abriss. Als Ersatz wurde die bis heute bestehende „Arena“ am ehemaligen Inlandsschlachthof geschaffen.

Begonnen hatte alles mit den Wiener Festwochen, die auf dem Gelände 1975 und 1976 ihr Alternativkulturprogramm abhielten. Nach der letzten Vorstellung sollten die Gebäude abgerissen werden, um einem neuen Textilhandelszentrum der Firma Schöps Platz zu machen. Doch es kam anders: Eine Gruppe von Studenten rief unter dem Motto „Der Schlachthof darf nicht sterben“ zur Erhaltung des 70.000 Quadratmeter großen Areals auf.

Künstler wie die Musikgruppe „Schmetterlinge“ schlossen sich dem Protest an, und am 27. Juni 1976 begann die Besetzung des 1915 bis 1926 erbauten Schlachthofs, in dem seit Mitte der 1960er Jahre keine Schweine mehr geschlachtet wurden. Die „Arenauten“, wie sich die Besetzer nannten, wollten ein alternatives Kulturzentrum schaffen, bei dem die Gemeinde zwar die Kosten übernehmen, nicht aber mitbestimmen sollte.

Sehr bald wurden Kulturveranstaltungen gestartet, es gab Musik- und Theatergruppen, Autorenlesungen, Ausstellungen, ein Frauenhaus und eine eigene Zeitung. Mehr als 200.000 Menschen sollen in diesem Sommer das Areal besucht haben, und der Sänger Leonard Cohen kam zu einer musikalischen Gratis-Darbietung.

Bald kam es jedoch zu internen Spannungen und Meinungsverschiedenheiten unter den Besetzern, die von der Stadt mehrere Alternativstandorte angeboten bekamen. Außerdem war die Arena nicht nur Anziehungspunkt für Kulturinteressierte, sondern immer mehr auch kostenlose Bleibe für Randgruppen, Obdachlose und Drogensüchtige. Ein Großteil der Besetzer akzeptierte schließlich den daneben befindlichen, von der Stadt angebotenen Inlandsschlachthof als Alternative.

Am 27. September 1976 beschloss der Wiener Gemeinderat mit den Stimmen der SPÖ schließlich den Verkauf an Schöps. Strom-, Wasser- und Telefonleitungen wurden gekappt und die Besetzer zum Verlassen des Areals aufgefordert. Es kam zu einigen Anzeigen und Festnahmen, und am 6. Oktober fand noch eine Arena-Demonstration mit 1.500 Teilnehmern statt. Als am 12. Oktober der Abbruch begann, gab es dann kaum noch Widerstand. Die Polizei musste nicht einschreiten, und einige auf dem Grundstück Verbliebene halfen sogar bei den Abrissarbeiten mit.

Vom alten Auslandsschlachthof ist inzwischen nichts mehr übrig. Auf dem Gelände befindet sich heute das MGC-Modecenter, ein Großhandelszentrum für Textilien.

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