Arbeitsmarkt: Freiwillige und unfreiwillige Teilzeit steigt in Österreich

Rund ein Drittel der Teilzeitarbeiter in Österreich würden gerne Vollzeit arbeiten.
Rund ein Drittel der Teilzeitarbeiter in Österreich würden gerne Vollzeit arbeiten. - © pixabay.com
Gut jeder vierte Österreicher arbeitet laut AK-Studie nur noch Teilzeit – rund doppelt so viele, wie noch vor 20 Jahren. Während die Betreuung der Kinder noch immer der häufigste Grund ist, warum Eltern Teilzeitbeschäftigungen nachgehen, findet gut ein Drittel der Befragten keinen passenden Vollzeitjob.

Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten an den unselbständig Erwerbstätigen hat sich in Österreich von 1996 bis 2016 mehr als verdoppelt. Er stieg von 13,5 Prozent auf 28,9 Prozent, bei Männern hat er sich sogar fast vervierfacht. Allerdings sind nach wie vor 80 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten weiblich. In absoluten Zahlen waren 2016 von rund 3,7 Millionen Erwerbstätigen etwa 1,1 Millionen Teilzeit beschäftigt – 200.000 Männer und 860.000 Frauen. Um mehr über die Motive zu erfahren, hat die Arbeiterkammer Oberösterreich das Institut für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (ISW) mit einer Studie beauftragt.

Kinder sind Teilzeit-Grund Nummer 1

Erwartungsgemäß ist Kinderbetreuung der häufigste Beweggrund. Für mehr als die Hälfte der Befragten – zum Großteil Frauen – ist das ein (sehr) wichtiges Motiv. Auffallend ist, dass in Oberösterreich 65 Prozent dieses Motiv als sehr und eher wichtig nennen, in Wien aber nur 41 Prozent.

Zweithäufigstes – für Frauen und Männer gleichermaßen wichtiges – Motiv, sich für Teilzeit zu entscheiden, ist, mehr Zeit für persönliche Interessen zu haben. Immerhin ein Drittel der Befragten erachten dieses als (sehr) wichtig.

Etwas weniger als ein Drittel der Teilzeitbeschäftigten würde lieber Vollzeit arbeiten, findet aber keine entsprechende Stelle. Das sind häufig Alleinstehende, die für ihr Einkommen gänzlich auf sich selbst gestellt sind. Generell hängt eine positive Wahrnehmung von Teilzeit weitgehend mit (Vollzeit) berufstätigen Partner/-innen zusammen.

Wunscharbeitszeit liegt bei 30 Stunden

Österreichs Teilzeitbeschäftigte würden vielfach gerne mehr Stunden arbeiten: 30 Wochenstunden stellen für viele das ideale Arbeitszeitausmaß dar. Nur sehr junge Befragte (Schüler/-innen, Studierende) und Beschäftigte kurz vor der Pension bevorzugen 20 Wochenstunden und weniger. Nach unten geht die Zufriedenheit auch, wenn die Arbeitszeit regelmäßig stärker schwankt. Bei 20 Prozent der Teilzeitbeschäftigten ist das der Fall (saisonbedingte Schwankungen explizit ausgenommen).

Einmal Teilzeit, immer Teilzeit?

Befragte, die sich wegen der Kinderbetreuung für Teilzeit entschieden haben, betrachten ihren Teilzeitstatus tendenziell als zeitlich befristet. Umgekehrt verhält es sich bei jenen, für die Zeit für persönliche Interessen, Arbeitsstress und Gesundheit die ausschlaggebenden Motive waren: Sie sehen Teilzeit mehrheitlich als Lösung für das gesamte verbleibende Berufsleben. Und jene, die Teilzeit aus Alternativlosigkeit zustimmen mussten, sehen in der Teilzeit meist eine Notlösung.

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