Arbeitslosigkeit in Österreich steigt weiter an

Weiter wenig berauschende Nachrichten zur Arbeitslosenstatistik.
Weiter wenig berauschende Nachrichten zur Arbeitslosenstatistik. - © APA/Herbert Neubauer
Bei Männern ist die Arbeitslosigkeit rückläufig, bei Frauen nimmt sie zu. Wer sich besonders schwer tut und alle weiteren Details zu den aktuellen Zahlen.

Die Arbeitslosigkeit in Österreich steigt weiter. Ende Juni waren 386.772 Menschen ohne Arbeit, davon nahmen fast 67.000 an Schulungen teil – insgesamt ist die Arbeitslosenzahl damit im Jahresabstand um 1,3 Prozent gestiegen, wie das Arbeitsministerium am Freitag bekannt gab.

Die Arbeitslosenquote hat sich nach österreichischer Berechnungsmethode um 0,1 Prozentpunkte auf 8,1 Prozent reduziert. Nach Eurostat-Berechnungsmethode beträgt die Arbeitslosenquote 6,1 Prozent (+0,2 Prozentpunkte).

Saisonbedingt weniger Arbeitslose als im Mai

Gegenüber dem Vormonat Mai ist die Anzahl der vorgemerkten Personen saisonbedingt um 18.698 zurückgegangen, wie das Arbeitsministerium am Freitag mitteilte. Weiter deutlich steigend ist die Anzahl der unselbstständig Beschäftigten, die um 1,5 Prozent auf 3,618 Millionen zugenommen hat. Mehr als die Hälfte der 54.000 zusätzlichen Jobs sind Vollzeit-Arbeitsplätze. Deutlich erhöht hat sich zuletzt die Anzahl der gemeldeten offenen Stellen, nämlich um 48 Prozent auf 44.209.

Wie in den Vormonaten ist auch zur Jahresmitte 2016 die Arbeitslosigkeit bei Männern (-1,1 Prozent) rückläufig, bei Frauen ist sie hingegen um 1,3 Prozent gestiegen. Nach wie vor sind aber deutlich mehr Männer (175.910) als Frauen (144.059) arbeitslos.

Bei diesen Gruppen ist die Arbeitslosigkeit besonders gestiegen

Überdurchschnittlich steigt weiterhin die Arbeitslosigkeit von “Personen mit gesundheitlichen Vermittlungseinschränkungen” (+8,2 Prozent), Ausländern (+3,0 Prozent) und bei den Menschen ab 50 Jahren (+5,1 Prozent). Von den knapp 320.000 vorgemerkten Arbeitslosen waren gut 90.000 Ausländer, fast ebenso viele waren über 50 Jahre alt. Gut 25.000 waren anerkannte Flüchtlinge oder “subsidiär Schutzberechtigte”.

Bei den Jugendlichen entwickelt sich der Arbeitsmarkt weiterhin besser als der Gesamtdurchschnitt. Für die 15- bis 24-Jährigen beträgt der Rückgang der Arbeitslosigkeit 6,7 Prozent. Leicht rückläufig ist zudem auch die Zahl der Lehrstellensuchenden.

Minister Stöger: “Ausbildungspflicht bis 18 ist wichtiger Schritt”

Arbeitsminister Alois Stöger (SPÖ) unterstreicht angesichts der neuerlichen Zunahme der Arbeitslosenzahl die hohe Bedeutung der Ausbildung. “Die Ausbildungspflicht bis 18, die nächste Woche im Parlament beschlossen werden soll, ist ein wichtiger Schritt in Richtung unseres Zieles, dass alle Jugendlichen eine Ausbildung absolvieren”, sagte Stöger am Freitag in einer Aussendung.

Die FPÖ verlangt Maßnahmen zum Schutz des österreichischen Arbeitsmarktes und zeigt sich besorgt wegen der Flüchtlinge. Was Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) “mit Sicherheit vorhat, ist, Asylwerbern rascher einen Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen – und das kann es wohl nicht sein”, kritisierte FPÖ-Sozialsprecher Herbert Kickl per Aussendung.

Forderungen aus Politik und Wirtschaft

NEOS-Sozialsprecher Gerald Loacker verlangte “Arbeitsmarktreformen, die Menschen dazu bringen, rascher wieder einen Job anzunehmen”. Für Team-Stronach-Sozialsprecherin Waltraud Dietrich hat das “Totalversagen in der Bildungspolitik” immer mehr Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.

In dieselbe Kerbe schlägt auch der Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Christoph Neumayer. “Will man Arbeitslosigkeit strukturell bekämpfen, muss man endlich die ungelösten Probleme im Bildungssystem angehen.” Forderungen nach einer Arbeitszeitverkürzung oder einer Maschinensteuer gehen hingegen in die falsche Richtung, meint Neumayer. Für den Leiter der sozialpolitischen Abteilung in der Wirtschaftskammer, Martin Gleitsmann, wäre eine Senkung der Lohnnebenkosten das “wirksamste Rezept für den schwachen österreichischen Arbeitsmarkt”.

AK-Präsident Rudolf Kaske fordert öffentliche und private Investitionen sowie eine Arbeitszeitverkürzung, um die Anzahl der Arbeitslosen bis 2020 um 100.000 zu senken. Das Personal des Arbeitsmarktservice sollte um mindestens 400 Stellen aufgestockt werden, so Kaske. Nach Ansicht der ÖGB-Vizepräsidentin und Frauenvorsitzenden Renate Anderl ist es “höchste Zeit, die vorhandene Arbeit gerechter zu verteilen”.

(APA, Red.)

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