Arbeiter und Psychologe: Trainer Fink treibt Neuaufbau der Austria Wien voran

Der neue Trainer von FK Austria Wien: Thorsten Fink
Der neue Trainer von FK Austria Wien: Thorsten Fink - © APA
Thorsten Fink hat zumindest ein paar Brocken Wienerisch bereits aufgeschnappt. Ein “bist deppad” gibt der gebürtige Dortmunder schon fast akzentfrei zum Besten. Als Trainer von Austria Wien hat sich Fink in den vergangenen Wochen dennoch vordergründig anderen Dingen als Stadtbesichtigungen gewidmet.

Fink sieht seine Mission darin, den violetten Neuaufbau erfolgreich voranzutreiben.

Blamable Situation: Bringt Fink Wende?

Platz sieben in der Vorsaison bedeutete zum zweiten Mal in Folge die Nicht-Qualifikation für das internationale Geschäft. Für einen Club wie die Austria blamabel. Unter Fink soll die Wende geschafft werden. Sieben neue Spieler holten die Favoritner im Sommer. Ein Wunder von heute auf morgen kann aber auch der 47-Jährige nicht bewerkstelligen.

“Wir wollen Dritter werden, das ist unser Ziel und das ist realistisch. Wir haben einen Umbruch in der Mannschaft und im Verein. Ein neues Spielsystem, neue Leute, das dauert”, meinte Fink wenige Tage vor dem Liga-Auftakt beim WAC am Sonntag. Er sei optimistisch, dass die Austria im Jahr 2016 wieder international spielen wird: “Das ist unser Hauptziel.” Und dem scheint Fink bis dato alles unterzuordnen.

Feilen an richtiger Taktik für Austria Wien

Seit dem Trainingsauftakt am 22. Juni gibt der ehemalige Bayern-Profi – mit den Münchnern holte er 2001 die Champions League – den Takt vor. In Wien-Favoriten wird seither an der richtigen Taktik gefeilt, dazu kamen viele Gespräche mit den Profis. Das Gespür für Club und Spieler zu entwickeln ist Fink ein wichtiges Anliegen.

“Der Verein ist durch ein Loch gegangen. Wenn man unten war und anderes gewöhnt ist, will man wieder nach oben kommen”, merkte Fink an. Der laut eigenen Angaben “typische Deutsche” will für den Verein alles geben – und spürt dies auch bei seinem neuen Team.

“Ich spüre in der Mannschaft einen Siegeswillen und Hunger, etwas zu erreichen”, gab Fink zu Protokoll. Worte, die wie Balsam auf den Wunden vielen Austria-Fans klingen. Fink scheint es geschafft zu haben, die Erwartungen wieder steigen zu lassen. So vermeldete der Club unlängst ein plus von 20 Prozent beim Verkauf der Abos im Vergleich zur Vorsaison.

Fans freuen sich über “herzerfrischenden Fußball”

“Bei der Austria sind die Leute nicht verwöhnt von der letzten Saison. Wenn wir herzerfrischenden Fußball spielen und am Ende unsere Ziele erreichen, sind sie zufrieden. Da muss man dann auch nicht Erster werden”, vermutete Fink. Immer wieder betont der ehemalige Mittelfeldrackerer, realistisch an die Sache herangehen zu wollen.

“Der größte Fehler ist, gleich von der Meisterschaft zu reden”, betonte Fink, der diesbezüglich auch die Zusammenarbeit mit Sportdirektor Franz Wohlfahrt und Finanzvorstand Markus Kraetschmer lobte. Als “schwierig”, wie die Austria immer wieder bezeichnet wird, wolle er den Club deshalb nicht bezeichnet wissen.

Ziel: Aufbau einer Mannschaft mit Titelambition

Dass Fink diesbezüglich resistent ist, wird schon anhand seiner Vita als Trainer sichtbar. Nach seiner Tätigkeit als Assistent von Giovanni Trapattoni bei Red Bull Salzburg folgte der Sprung zum FC Ingolstadt, ehe es zum FC Basel ging. In der Schweiz empfahl sich Fink für höhere Aufgaben, der HSV holte ihn zurück nach Deutschland. In Hamburg – für Trainer traditionell kein leichtes Pflaster – wurde er nach fast zwei Jahren im Amt entlassen.

Bei der Austria will Fink nun jene Kontinuität finden, die es zum Aufbau einer Mannschaft mit Titelambition braucht. Immer wieder wird angemerkt, dass es dafür Zeit brauchen werde. Fink, der vorerst bis 2017 unterschrieben hat, will mit den Violetten wenn möglich auch langfristig arbeiten. “Ich kann nicht sagen, ich arbeite hier zwei Jahre und gehe wieder. Das ist nicht mein Ziel.”

Neuer Kader der Austria Wien unter Trainer Fink

Bleibt der Blick auf den neuen Austria-Kader. Mit Neo-Kapitän Robert Almer kam eine neue Nummer eins. Ex-Admira-Kapitän Richard Windbichler ist in der Innenverteidigung gesetzt, der kroatische Ex-Internationale Ognjen Vukojevic soll seine Erfahrung im defensiven Mittelfeld einbringen. Für die Offensive kamen der schnelle Nigerianer Lary Kayode und der Israeli Roi Kehat, dazu kehrte Ismail Tajouri aus Altach zurück.

“Ich denke, dass wir uns gut verstärkt haben”, meinte Fink. Gesucht wird nach der Absage von Marc Janko noch immer ein Mittelstürmer. Kevin Friesenbichler (21) soll von Benfica Lissabon ausgeliehen werden. Dezitiertes Lob gibt es für einen Profi, der bereits im Kader stand. Der als schlampiges Talent geltende Raphael Holzhauser hat es Fink angetan. “Er zeigt mir, dass er ein Führungsspieler sein kann. Fußballerisch kann er alles, aber er muss das jetzt ein Jahr lang bestätigen.”

(apa/red)

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