April 1945: Wien wurde vor 70 Jahren befreit

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Die Favoritenstraße im April 1945.
Die Favoritenstraße im April 1945. - © Jevgenij Chaldej/Anna und Leonid Chaldej
Am 5. April 1945 hatte mit einem Generalangriff von Süden her die Schlacht um Wien begonnen. Am 13. April verstummte der Gefechtslärm und Wien war befreit. 

“Wir sind über die große Linie.” – Nach monatelangen schweren Kämpfen gegen die Heeresgruppe Süd der Deutschen Wehrmacht konnte die 3. Ukrainische Front der Roten Armee am 29. März 1945 einen weiteren historischen Erfolg melden. Die sowjetischen Truppen überschritten bei Klostermarienberg im heutigen Burgenland die Grenze des damaligen Deutschen Reiches. Erst einen Monat später, am 28. April, betraten die Westalliierten in Tirol Österreich. Einen Tag davor (27. April) hatten SPÖ, ÖVP und KPÖ im befreiten Wien die Unabhängigkeit des Landes erklärt.

Die Schlacht um Wien

Die Schlacht um Wien begann mit einem Generalangriff vom Süden her am 5. April. Adolf Hitler hatte die “zweite Hauptstadt des Reiches” zum “Verteidigungsbereich” erklärt. Der Kampf sollte somit bis zur letzten Konsequenz geführt werden. Durchgehende Schutzstellungen vor den Toren der Donaumetropole gab es allerdings bis auf einige Flakstellungen nicht. Wien war de facto verloren, das wusste auch der Kampfkommandant der deutschen Einheiten, General Rudolf von Bünau. Den Befehlen aus Berlin gehorchend, nahm er jedoch die Vorbereitungen für die Abwehrschlacht auf.

Die 3. Ukrainische Front der Roten Armee legte ihre Strategie für den Angriff fest, sie wollten Wien von drei Seiten her einnehmen. Auch im Stadtkern wurde Anfang April besprochen: Unter der Führung von Major Carl Szokoll entschloss sich der militärische Widerstand dazu, der Roten Armee vom Stadtinneren her Hilfe anzubieten. Der Aufstandsplan (“Operation Radetzky”) scheiterte jedoch an Verrat.

Schwere Gefechte im Süden der Stadt

Der eigentliche Sturm auf Wien fiel zunächst insgesamt schwächer aus als erwartet, der Plan der Angreifer ging aber auf und die Rote Armee erreichte den westlichen Stadtrand. Die 4. Gardearmee drang dann in die Wohngebiete von Simmering und Favoriten ein, der Straßenkampf begann. Im Süden entwickelten sich schwere Gefechte und die Fluchtwege aus der Stadt waren weitgehend abgeschnitten. Die Bevölkerung suchte in den Kellern Schutz, während die Flaktürme und die Artillerie vom Stadtpark, dem Rathausplatz und anderen offenen Flächen her unaufhörlich feuerten.

Brände in allen Bezirken

Die Rote Armee erreichte schließlich in voller Breite den Gürtel, wo Wehrmacht, SS und Volkssturm Eckhäuser zu Stellungen ausgebaut hatten. Die heftigen Kämpfe waren aber von kurzer Dauer. In allen Wiener Bezirken loderten inzwischen Brände, es fehlte allerdings an Löschwasser. Funkenflug setzte den Stephansdom in Brand, dennoch war es jemandem gelungen, an seiner Spitze unerlaubt die weiße Fahne der Kapitulation zu hissen.

Die sowjetischen Stoßtruppen bewegten sich vorsichtig in die inneren Bezirke hinein und kontrollierten Haus für Haus auf Hinterhalte. Entlang der Zweierlinie brannten das Parlament und das Burgtheater, auch der Naschmarkt stand in Flammen. In den Geschäftsstraßen begannen Plünderungen, nicht nur durch sowjetische Soldaten.

Alle Brücken wurden gesprengt

Am 10. April sprengte die Wehrmacht hinter sich alle Brücken über den Donaukanal und begann vom 2. und 20. Bezirk her die vorrückenden Sowjetverbände unter Beschuss zu nehmen. Der Stadtkern blieb durch den Abzug von einem Häuserkampf verschont. Über den Donaukanal schaffte es die sowjetische 4. Garde-Armee in der Nacht vom 11. auf den 12. April. Am 13. April um 14 Uhr erklärten die Sowjets den Kampf für beendet. Wien war befreit und am Abend verstummte der Gefechtslärm endgültig.

Verglichen mit anderen Großstädten wie Budapest oder Warschau hat Wien den Zweiten Weltkrieg nach Ansicht von Historikern relativ glimpflich überstanden. Die jüdische Gemeinde der Stadt war jedoch von den Nazis beinahe ausgelöscht worden. (APA)

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