Angebliches Aus für Rauchverbot unter Schwarz-Blau möglich: Starker Widerstand

Kommt nun das Rauchverbot in der Gastronomie oder wird Schwarz-Blau es verhindern?
Kommt nun das Rauchverbot in der Gastronomie oder wird Schwarz-Blau es verhindern? - © APA (Sujet)
Widerstand formiert sich derzeit gegen das angeblich von FPÖ und ÖVP verhandelte Aus für das generelle Rauchverbot ab Mai 2018. Gegner des blauen Qualms in Lokalen haben am Freitag davor gewarnt, beim Nichtraucherschutz einen Schritt zurück zu machen.

Auch unter Wirten wäre es nicht unumstritten, würde das generelle Rauchverbot wieder gekippt. Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ) erklärte, die rauchfreie Gastronomie in Österreich, die 2015 von der ÖVP und Sebastian Kurz mitbeschlossen wurde, sei aus gesundheitspolitischer Sicht ein Erfolg. “Ein Zick-Zack-Kurs der ÖVP wäre ein massiver Rückschritt.” Die Rauchverbote in anderen Ländern würden einen positiven Trend bei Atemwegserkrankungen, Herzinfarkten und Frühgeburten zeigen.

Initiative “Don’t smoke” in Sorge um aktuelle Verhandlungen

“Es wäre völlig unverständlich und medizinisch unverantwortlich, die endlich begonnene Trendwende jetzt plötzlich wieder umzukehren und nachhaltig zu vernichten,” erklärte der Mediziner und Krebshilfe-Präsident Paul Sevelda. Rauchen sei für ein Drittel aller Krebserkrankungen verantwortlich. Die Initiative “Don’t smoke” verfolge die Koalitionsverhandlungen mit großer Sorge.

Kein Verständnis dafür, das 2015 beschlossene Tabakgesetz wieder aufzuheben, hat auch die Fachstelle für Suchtpräventation Vivid. “Die Übergangszeit waren also knapp drei Jahre. Diese außergewöhnlich lange Frist gab allen Beteiligten ausreichend Zeit, sich darauf einzustellen”, heißt es in einer Aussendung. Für Geschäftsführerin Claudia Kahr “ist offensichtlich, dass das derzeitige Gesetz zum Nichtraucherschutz nicht funktioniert.” Österreich sei seit 2007 das EU-Land mit den schlechtesten Gesetzen zu Tabak, verwies sie auf das Ranking “European Tobacco Control Scale”.

So sehen Gastronomen die Rauchverbots-Debatte

Unter Wirten gibt keine einhellige Meinung zum Thema Rauchen. Die “Initiative für einen gesunden Wettbewerb in der Gastronomie”, der laut Eigenangaben 15 Lokale angehören, spricht sich für einheitliche Rahmenbedingungen für alle Wirte aus, denn die derzeitigen Regeln würden von vielen Gastronomen gebrochen, wie Sprecher Peter Tappler zur APA sagte. “Ich bin mir zu hundert Prozent sicher, die Mehrheit ist für das Rauchverbot, denn kein Wirt will sich schon wieder mit einer Änderung herumschlagen müssen.” Ein generelles Rauchverbot bedeute auch Chancengleichheit für alle Gastronomen.

Als Gegner des Rauchergesetzes ist auch immer wieder der Gründer von Wein & Co., Heinz Kammerer, aufgetreten. 2015 führte er eine Umfrage unter seinen Gästen durch. 75 Prozent waren dafür, das erst ab 2018 geltende Rauchverbot schon sobald wie möglich umzusetzen. Seit Juli 2015 sind die Lokale des Weinhändlers rauchfrei.

Aus für das geplante Rauchverbot “wäre Überleben für die Wirte”

Ein klarer Verfechter des Rauchens ist hingegen der Wiener Gastronom Heinz Pollischansky. Ein Aus für das geplante generelle Rauchverbot “wäre das Überleben für die Wirte”, so Pollischansky. Aus seiner Sicht würde das Verbot vor allem die Kleinen treffen. Pollischansky forderte, zur Regelung von 2008 zurückzukehren, dass Wirte wieder entscheiden können, ob sie ein Raucher- oder Nichtraucherlokal führen wollen. Die ÖVP-Ansage im Wahlkampf, Bürokratie abbauen zu wollen, habe er in diese Richtung interpretiert, so Pollischansky.

Der Obmann des Gastronomie-Fachverband in der Wirtschaftskammer, Mario Pulker, geht davon aus, dass die FPÖ ihr Wahlversprechen einhalten wird und sich auch die ÖVP als Wirtschaftspartei den Wünschen der Wirte nicht verschließt, wie er zur APA sagte. Das generelle Rauchverbot sei 2015 auf starkes Drängen der SPÖ beschlossen worden, man dürfe Gesundheitspolitik aber nicht auf dem Rücken der Wirte machen, so der Interessensvertreter, der laut eigenen Angaben selbst ein Nichtraucherlokal betreibt. Pulker befürchtet allerdings, dass vor allem am Land Gäste vom Wirtshaus in Vereinshäuser abwandern würden.

Rauchverbot in der Gastronomie: Lungenfachärzte für Verbot

Die Gerüchte, dass die an den Regierungsverhandlungen beteiligten Parteien ÖVP und FPÖ womöglich das für 1. Mai 2018 geplante Rauchverbot in der Gastronomie kippen, haben die heimischen Lungenfachärzte auf den Plan gerufen. In einer Aussendung forderten sie am Freitag die Umsetzung des Verbots.”Die erwartbaren positiven Effekte eines generellen Rauchverbotes in der Gastronomie sind für die Gesundheit der Menschen so bedeutend und so vielfältig, dass ein Kippen des für 2018 geplanten Rauchverbots nicht in Frage kommen darf”, sagte Peter Schenk, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP). “Irland und Italien zeigen, dass es durch eine solche Maßnahme bei Aktiv- und bei Passivrauchern zu einer raschen Reduktion von kardiovaskulären Ereignissen kommt – bis hin zum Herzinfarkt.”

Viele positive Effekte: Weniger Krankheiten

Die ÖGP verwies dazu auf eine “Vielzahl langfristiger positiver Effekte auf die Gesundheit der Menschen” und nannte als Beispiel “weniger Lungenkrebs- und COPD-Neuerkrankungen”. Die ÖGP weiter: “Es werden auch weniger Kinder geboren werden, deren Körpergröße aufgrund des – aktiven oder passiven – Rauchens der Mutter während der Schwangerschaft zu gering ist.”

Dazu verschwinden die Tabakwaren auch aus dem alltäglichen Leben. “Ausgehen und gemütliches Beisammensein in einem Lokal wird nicht mehr automatisch mit Zigarettenrauch assoziiert, was Jugendliche weniger selbstverständlich zur Zigarette greifen lässt”, sagte ÖGP-Generalsekretär Bernd Lamprecht. Internationale Erfahrungen würden außerdem zeigen, dass das Rauchverbot in der Gastronomie auch auf die Tabakkonsumgewohnheiten zuhause positive Effekte hat: Es werde weniger geraucht. Und: “Wenn die Eltern nicht rauchen, wirkt sich das auch positiv auf das spätere Rauchverhalten der Kinder aus.”

Mehrheit der Raucher begrüßt Tabakverbote in der Gastronomie

Die ÖGP verwies auf Umfragen, wonach sogar die Mehrheit der Raucher Tabakverbote in der Gastronomie begrüßen. Für manche Raucher sei das Verbot eine Motivation zum Rauchstopp. ÖGP-Präsident Schenk: “All dies sollte den Menschen in Österreich nicht vorenthalten werden. Ein Kippen des generellen Rauchverbotes in der Gastronomie wäre aus Sicht der Lungenfachärzte ein fataler Fehler mit weitreichenden Konsequenzen.”

(apa/red)

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