Andreas Beck folgt dem Ruf an das Münchner Residenztheater

Seit 2015 ist Andreas Beck, ehemals Dramaturg am Burgtheater und danach Leiter des Wiener Schauspielhauses, Intendant am Theater Basel. Doch Beck wird Basel nach vier statt der geplanten fünf Spielzeiten in Richtung München verlassen. 2019 wird er Nachfolger des an die Burg wechselnden Martin Kusej. “Das Residenztheater ist eines der Big Five”, sagt Beck im APA-Interview. “Da sagt man nicht Nein.”

“In der dritten Spielzeit muss man sich entscheiden: Bleibt man, oder geht man? Ich hätte auch ganz gut noch bleiben können. Ich bin sehr gerne hier in Basel. Es hat sich aber anders ergeben”, sagt der 52-Jährige, der Wert darauf legt, keinen Tapetenwechsel angestrebt zu haben. “Ich habe mich nicht beworben. Es war ein Ruf, der an mich ergangen ist. Das Telefon hat bei mir geläutet, da hat Martin Kusej in Wien noch seine Pressekonferenz gegeben.”

Stolz ist Beck auf die “Basler Dramaturgie”, die er von Jahr zu Jahr intensiviert habe. In erster Linie ist damit die Überschreibung von Stücken oder die Übertragung von Stücken oder Stoffen ins Hier und Jetzt gemeint, meist von interessanten jüngeren Kräften wie Autor Ewald Palmetshofer oder Regisseuren wie Simon Stone, Nora Schlocker, Lydia Steier oder jüngst Ersan Mondtag umgesetzt. In der kommenden Spielzeit, die am 8. Mai vorgestellt wird, soll sich das alles noch einmal verdichten – in auch spartenübergreifenden Großprojekten wie einer neuen Oper von Dea Loher und Michael Wertmüller über 1816, das “Jahr ohne Sommer”, in dem Percy Shelley, Lord Byron und Mary Shelley in der Villa Diodati am Genfer See u.a. den “Frankenstein” schrieben.

Auch die fünfte Basler Spielzeit, in der Beck bereits in München weilen wird, hinterlässt er komplett durchgeplant und besetzt. Der Nachfolger bzw. die Nachfolgerin wird derzeit gesucht (in der Findungskommission sind u.a. Stefan Bachmann und Stefanie Carp), kann aber erst 2020 eigene Handschrift beweisen. Auch das Schauspiel-Ensemble dürfte erneuert werden müssen. Ziemlich wahrscheinlich ist, dass Beck einen Teil seines Ensembles (“alle handpicked!”), von dem ihm einige Protagonisten schon von Wien nach Basel gefolgt sind, mit nach München nimmt – doch nicht alle auf einmal: “Wir zügeln in Etappen.”

Nach seinen Jahren als Sprechtheater-Dramaturg und als Leiter des Wiener Schauspielhauses war Beck glücklich gewesen, mit Basel erstmals ein Dreisparten-Haus zu übernehmen. Die lieb gewordene Spartenvielfalt wird er am Residenztheater wieder aufgeben müssen. “Ja, das werde ich vermissen. Aber man macht keine Wege umsonst im Leben.” Und noch etwas wird sich ändern: der Druck der Konkurrenz. “Hier in Basel sind wir das einzige große Theater. In München gibt es allein im Sprechtheater drei davon.”

In Bayern war Beck vom zuständigen Kultusminister so angekündigt worden: “Wir erwarten Großes!” Ist das keine Angst machende Vorgabe? Beck lacht. “Nein, keineswegs. Denn ich habe ihm damals auch gleich erwidert: Das beruht auf Gegenseitigkeit!” Nach Jahren, in denen in die Subventionsgeber in der Schweiz sehr genau aufs Geld schauten, hofft er künftig auf ein wenig Entspannung an der Finanzfront.

Auf die 24 Prozent Eigendeckungsgrad und eine auf aktuell mit 79 Prozent deutlich gesteigerte Auslastung in Basel ist er allerdings stolz: “Wir haben in den vergangenen drei Jahren durchaus geliefert. Ich kämpfe für den nächsten Subventionsvertrag noch einmal um eine Mittelerhöhung. Aber in meinen 14 Jahren in Wien habe ich selten so intensiv wie hier Sinn und Bedeutung des Theaters diskutieren müssen. Das Burgtheater wird nie so radikal infrage gestellt wie jene Theater, die keine Hoftheater-Tradition fortsetzen, sondern von den Bürgern gegründet wurden und daher immer wieder neu begründet werden müssen.”

Beck kennt Martin Kusej aus der gemeinsamen Stuttgarter Zeit vor über 20 Jahren. “Es gibt ein sehr gutes Einvernehmen.” Auch das Residenztheater kennt er von innen: Unter Eberhard Witt war er hier 1994-1997 als Dramaturg engagiert. “Meine Münchner Wohnung habe ich erst im Jahr 2000 aufgegeben. Es ist also gewissermaßen auch eine Rückkehr. Aber es ist völlig klar: Seither hat sich sehr viel verändert – in der Stadt und am Theater.” Wie schnell sich etwas ändern kann, war soeben in Berlin zu erleben, wo Volksbühnen-Intendant Chris Dercons soeben entnervt bereits in seiner ersten Saison das Handtuch geworfen hat. Beck kommentiert das trocken: “War das nicht abzusehen? Am Theater darf ja nicht nur der Direktor von sich reden machen.”

(Das Gespräch führte Wolfgang Huber-Lang/APA)

(APA)

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