An Wiener Tankstelle zu Silvester verletzte Frau: Kein Fortführungsantrag eingebracht

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Ermittlungsverfahren gegen Polizisten wurde im Juli eingestellt
Ermittlungsverfahren gegen Polizisten wurde im Juli eingestellt - © APA (Sujet)
Jene 47-jährige Frau, die zu Silvester 2014/2015 in Wien festgenommen worden war und danach Misshandlungs-Vorwürfe gegen die Polizei erhoben hatte, hat laut ihrem Anwalt resigniert – sie wird im Kampf um ein Verfahren gegen die Beamten keinen Fortführungsantrag stellen.

Das bestätigte ihr Anwalt Wilfried Embacher am Donnerstag auf APA-Anfrage. Die damals 47-Jährige sei “ermüdet, enttäuscht und verbittert”, sagte der Rechtsvertreter.

Ermittlungsverfahren gegen 19 Personen eingestellt

Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt hatte das Ermittlungsverfahren gegen 19 Personen in dem Fall im Juli eingestellt. Ein für die Einbringung einer Anklage erforderlicher Tatverdacht konnte gegen keinen der Beschuldigten begründet werden, hieß es. “Man den Eindruck, dass hier andere Maßstäbe angesetzt werden, wenn es um Polizisten geht”, kommentierte Embacher die für ihn und seine Mandantin etwas schiefe Optik des Vorfalls.

Die Frau war in der Silvesternacht am Gelände einer Tankstelle in der Wiener Innenstadt festgenommen worden. Nach der Amtshandlung der Polizisten wurden bei der Frau im Wiener AKH unter anderem ein Bruch des Steißbeins, Prellungen von Schädel und Knie sowie Blutergüsse festgestellt. Die Festnahme wurde von einer Überwachungskamera erfasst und auf einem halbstündigen Video festgehalten.

Der Vorfall zu Silvester an der Wiener Tankstelle

Auf dem Video, das zuerst auf der Homepage der Stadtzeitung “Falter” veröffentlicht wurde, sieht man, wie sich die Frau auf der Tankstelle den Polizisten nähert und mit ihnen diskutiert. Dann wird sie aufgefordert zu gehen. Als sie dem nicht nachkommt, folgen Schubser von beiden Konfliktparteien. Aus einem Wagen kommen weitere Polizisten, die Frau wird zur Seite gezogen und zu Boden 47-jährigegedrückt. Danach kann man auf dem Bildmaterial nicht mehr viel erkennen.

“Früher hieß es: Mit einem Video hast du gewonnen”, sagte Embacher am Donnerstag. “So ein Freibrief ist nicht gut.” Die Frau wolle “aus Resignation” keinen Fortführungsantrag einbringen, weitere Kämpfe seien nur kostenintensiv. Außerdem sei es für sie laut Embacher “zermürbend”, dass die Geschehnisse ständig anders gewürdigt würden als von ihr dargestellt. Ein Schubser von ihr werde als gefährliche Handlung gewertet, gegen die Frau läuft ein Verfahren wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt sowie wegen schwerer Körperverletzung.

Riesige Enttäuschung – rechtliche Schritte

Nach der Einstellung des Ermittlungsverfahrens sei die Enttäuschung bei der Betroffenen “riesig” gewesen, berichtete Embacher. Nachdem die strafrechtlichen Belange abgeschlossen sind, prüft die Frau nun zivilrechtliche Schritte gegen Einzelpersonen.

>>Frau in Silvesternacht nach Festnahme verletzt: Verfahren gegen Polizisten eingestellt

(apa/red)

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