Amazon: Wien könnte Standort für “Prime Now” werden

Kommt Amazon "Prime Now" bald nach Wien?
Kommt Amazon "Prime Now" bald nach Wien? - © APA/dpa
Für Amazon ist der deutschsprachige Raum ein Schlüsselmarkt. “Wir erweitern unsere Services kontinuierlich und schließen auch Wien als Standort für Prime Now nicht aus”, so Ralf Kleber, Geschäftsführer von Amazon Deutschland.

Ob die Zustellung innerhalb einer Stunde in Wien Anklang finden würde, müsse man sich ansehen.

Das Prime Now-Angebot verspricht eine Lieferung innerhalb einer Stunde. In einer Prime Now-Station werden einige tausend Produkte gelagert, kommissioniert, verpackt und über Lieferpartner zu den Kunden gebracht. In Berlin, wo das Angebot bereits existiert, hat die Station wenige Tausend Quadratmeter, liegt im Zentrum der Stadt und beschäftigt dort 55 Mitarbeiter. Hingegen hat das Amazon-Logistikzentrum, das außerhalb Berlins in Brieselang liegt, ein Sortiment von mehreren Hunderttausend Produkten und zigtausende Quadratmeter.

“Deutschsprachiger Raum wichtigster Markt nach USA”

Für die Einführung von Tarifverträgen in Deutschland sieht Kleber keine Notwendigkeit. “Der deutschsprachige Raum ist der wichtigste Markt nach den USA”, unterstrich er. Die deutsche Seite zähle etwa 30 Mio. Besucher pro Monat, der Umsatz von Amazon.de belief sich im Vorjahr auf circa 11 Mrd. Euro.

Beim vergangenen Prime Day am 12. Juli, an dem der Versandhändler mit Rabatten lockte, wurden über Amazon.de um die sieben Mio. Produkte verkauft. An diesem Tag gingen 275.000 Paar Schuhe über den Ladentisch. Kassenschlager waren der Amazon Fire TV-Stick, der Kindle Paperwhite und eine Bratpfanne von Jamie Oliver.

Für österreichische Händler sei der Marketplace von Amazon ein einfacher Schritt, um unter anderem in den deutschen Markt einzutreten. So wickle beispielsweise ein Wiener Gin-Unternehmen sein europaweites Exportgeschäft über Amazon ab. “Die Mehrzahl der Händler wollen in ganz Europa oder weltweit verkaufen”, so Kleber. Über zwei Millionen internationale Anbieter seien unter Vertrag.

Amazon in Österreich

Mittlerweile beschäftigt Amazon auch Mitarbeiter in Österreich: Im Forschungsstandort in Graz sind etwa ein Dutzend Personen angestellt, die in Zusammenarbeit mit der TU Graz Drohnen das Sehen “beibringen” sollen. Die Lieferdrohnen sollen in Zukunft auch hierzulande getestet werden, sobald alle erforderlichen Genehmigungen erteilt wurden. Die Zustellung von Waren durch die Luft sei eine gute Möglichkeit, um Menschen außerhalb von Ballungsräumen schnell zu erreichen. Ob in Zukunft auch in die Alpen per Drohne geliefert werden kann, hänge von der technischen Entwicklung ab.

Die selbst ernannte Innovationsschmiede engagiert sich auch verstärkt im Versand von Lebensmitteln, vergangenen Herbst startete Amazon Pantry auch für Prime-Mitglieder in Österreich. Verkauft werden über 500.000 verpackte, haltbare Lebensmittel sowie Haushaltsartikel wie Zahnpasta und Co. Die Lebensmittel seien in Österreich nicht teurer als in Deutschland.

“Keine Notwendigkeit für Tarifverträge”

“Menschen werden weiterhin zu ihrem Biohändler oder Supermarkt gehen”, ist Kleber überzeugt. Mit Pantry will Amazon lediglich in einem Teil der Einkaufsschritte Fuß fassen. Besonders Vorratseinkäufe seien prädestiniert, um über Pantry bestellt zu werden. Wie viele Prime-Mitglieder es hierzulande gibt und wie viele davon diesen Service nutzen, wurde nicht bekanntgegeben.

Angesprochen auf die häufigen Streiks beim Versandhändler in Deutschland meinte Kleber: “Wir sehen keine Notwendigkeit, Tarifverträge einzuführen.” Amazon sei auch ohne sie ein guter Arbeitgeber und würde wettbewerbsfähige Löhne für fähige Mitarbeiter zahlen. Zudem erhalte jeder fest angestellte Mitarbeiter nach spätestens zwei Jahren eine Unternehmensbeteiligung. “Man wird ja auch trotz Tarifvereinbarungen bestreikt”, so der deutsche Amazon-Chef und spielt auf die Lufthansa an.

Weltweit beschäftigt der Versandriese über 220.000 Mitarbeiter.

(APA)

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