Am Sonntag gibt’s eine Überraschung

ÖVP-Chef Sebastian Kurz wird teilweise bereits als nächster Kanzler gehandelt
ÖVP-Chef Sebastian Kurz wird teilweise bereits als nächster Kanzler gehandelt - © APA/GEORG HOCHMUTH
Gastkommentar von Johannes Huber. Wer glaubt, das Ergebnis dieser Nationalratswahl vorhersagen zu können, überschätzt sich ein bisschen. Der Verleger Wolfgang Fellner hat ÖVP-Spitzenkandidat Sebastian Kurz in seiner Zeitung bereits die Krone aufgesetzt. Die Botschaft: Der Mann ist nächster Kanzler.

Das Titelbild des rechtslastigen Wochenblicks zieren wiederum Kurz und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. Beide freuen sich. Und in großen Lettern hat die Redaktion dazu geschrieben: „So sehen Sieger aus“

Da könnte man als Wähler direkt auf eine Idee kommen, die einem wehtut: Ist man überhaupt noch gefragt? Oder hat irgendwer die Sache ohnehin schon fix gemacht? Das Beruhigende ist, dass die, die eingangs erwähnte Inhalte produzieren, der Sache schaden, die sie anstreben. Sebastian Kurz hat seinen Anhängern nicht umsonst eingebläut, Umfragen nur ja nicht zu glauben. Das nämlich wäre eine Katastrophe; und zwar besonders dann, wenn man zehn Prozentpunkte vorne liegt: Funktionäre, die meinen, eh schon gewonnen zu haben, rennen nicht mehr. Und Wähler, die glauben, es sei eh schon alles entschieden, bleiben zu Hause. Ein doppeltes Problem quasi. Angela Merkel ist das in Deutschland zum Verhängnis geworden. Ihr hat im Wahlkampf die Spannung gefehlt, die ihre Anhängerschaft mobilisiert hätte. Also schnitt sie mit CDU/CSU relativ schlecht ab und musste sich mit 33 Prozent begnügen.

Das ist auch schon der erste Grund dafür, dass eine Wahl eigentlich nie so ausgehen kann, wie erwartet; wenn, dann handelt es sich um einen Zufall. Eher gibt’s eine Überraschung.

Das gilt bei dieser Nationalratswahl sehr wahrscheinlich mehr denn je: Allein schon durch Sebastian Kurz und den Umstand, dass er aus der ÖVP zumindest nach außen hin eine andere Partei gemacht hat, ist vorprogrammiert, dass es sehr viele Wechselwähler geben wird. Ein paar Schwarze werden sich von den Türkisen abwenden, diese werden dank Kurz auf der anderen Seite aber wohl viel mehr neue Unterstützer gewinnen. Unterm Strich dürfte es also ein Plus geben. Wie bei den Freiheitlichen. Die Grünen dagegen werden nach ihren Auseinandersetzungen mit Peter Pilz möglicherweise halbiert oder gedrittelt. Was weiß man.

Wieviel Wähler am Ende wo landen werden, ist für Meinungsforscher nicht mehr abschätzbar. Zumal sich die Rahmenbedingungen täglich ändern: Vor einer Woche stand Strache als lachender Dritter da, weil SPÖ und ÖVP einander beschmutzten. Jetzt könnte sich Christian Kern zum lachenden Dritten entwickeln, weil Kurz und Strache so tun, als gehe es nur noch darum, wer von ihnen beiden Kanzler werde.

Das mag den meisten Umfragen entsprechen, ist jedoch riskant: Kern, der infolge der Causa Silberstein schon weg vom Fenster war, verspürt plötzlich wieder ein bisschen Aufwind. Er kann nicht zuletzt linke Wähler damit mobilisieren, dass er ihnen einredet, sie müssten jetzt erst recht die SPÖ unterstützen, wenn sie Schwarz-Blau doch noch verhindern möchten.

Johannes Huber betreibt den Blog dieSubstanz.at – Analysen und Hintergründe zur Politik.

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