Am grünen Rand der Welt – Trailer und Kritik zum Film

Am grünen Rand der Welt – Trailer und Kritik zum Film
Schon im viktorianischen Zeitalter hatten selbst die smartesten Frauen ihre “Bad Boy”-Phase: Zwischen drei Männern steht die emanzipierte Bathsheba Everdene in “Am grünen Rand der Welt”, und entscheidet sich vorerst natürlich für den Falschen.

In Thomas Vinterbergs glatter Adaption des gleichnamigen Literaturklassikers von Thomas Hardy kann man das so gar nicht nachvollziehen. Ab Freitag im Kino.

Am grünen Rand der Welt  – Geschichte

England im 19. Jahrhundert: Die verwaiste Bathsheba Everdene (Carey Mulligan) hat sich daran gewöhnt, alleine zu sein. “Manche sagen: zu gewöhnt”, weiß die junge, unabhängige Frau. Auf dem Hof ihrer Tante packt sie mit an, am Pferd reitet sie im Herrensitz, und erregt damit die Aufmerksamkeit des Schäfers Gabriel Oak (Matthias Schoenaerts). Der zögert nicht lange, ihr einen Heiratsantrag zu machen, besitzt er doch Hof und Klavier und damit alles, was Frau braucht. Doch Bathsheba lehnt dankend ab.

Als die beiden sich das nächste Mal wiedersehen, hat sich das Blatt gewendet: Während Gabriel mit dem Tod seiner Schafe seine Existenzgrundlage verloren hat, besitzt Bathsheba als alleinige Erbin ihres Onkels mittlerweile einen riesigen Bauernhof. Gabriel heuert bei ihr als Schäfer an, bleibt in ihrer Nähe, kann Avancen anderer aber dennoch nicht verhindern. So fühlt sich auch der vermögende, ältere Gutsbesitzer William Boldwood (Michael Sheen) zu der Frau, die als resolute Chefin wie auch als überzeugende Verkäuferin auf der wöchentlichen Getreidemesse in London ihren Mann steht, hingezogen. Auch er macht ihr einen Heiratsantrag, bietet Gut und Klavier. Doch Bathsheba winkt ab: “Ich habe ein Klavier und eine Farm. Ich brauche keinen Ehemann.”

Der überhebliche Offizier Frank Troy (Tom Sturridge) ist es schließlich, der Bathsheba doch noch erweicht – ganz ohne Klavier-Versprechen, dafür mit klassischen Komplimenten und einem leidenschaftlichen Überfall im Wald. Nur wenige Tage vergehen, bis die beiden vor dem Altar landen, und ebenso bald bereut Bathsheba ihre Entscheidung bereits. Denn der saufende, herrische Frank hat eine fragwürdige Vergangenheit und drängt Bathsheba in genau jene Ecke, in die sie nie wollte. Und der Weg hinaus aus der unglücklichen Ehe, hin zu dem, was sie wirklich will, führt durch manch Dramen.

Am grünen Rand der Welt – Kritik

Der dänische Regisseur Thomas Vinterberg (“Das Fest”, “Die Jagd”) lässt von Anfang an keinen Zweifel daran, was er von der unüberlegten Wahl Bathshebas hält und zeichnet Frank Troy als billigen Don Juan mit Schnauzbart und offenem Leinenhemd, dem man den Widerling schon von weitem ansieht. Die Charakterzeichnung fällt hier ebenso eindimensional aus wie beim reifen, aber kühlen Boldwood und dem allzu gutmütigen, geduldigen Schäfer Gabriel, an dem allein dank der Besetzung mit Europas aktuell attraktivstem Schauspieler, dem Belgier Matthias Schoenaerts (“Der Geschmack von Rost und Knochen”), sowieso kein Weg vorbeiführt.

Anstatt die Gefühlswelten und Motivationen seiner Figuren zu erkunden, schwelgt Vinterberg wiederholt in Aufnahmen der üppigen Landschaft an Englands Südwestküste, die Kamerafrau Charlotte Bruus Christensen in jeder erdenklichen Lichtstimmung und in eindrücklichen Panoramaeinstellungen einfängt. Und er gibt sich zahlreichen Close-ups seiner zweifelsohne starken Hauptdarstellerin Carey Mulligan hin, die die Lichtgestalt im patriarchalen England verschmitzt und eigensinnig, freiheitsliebend und doch vor männlicher Verblendung nicht gefeit, anlegt.

Ähnlich wie ihr jüngeres Pendant Katniss Everdeen aus den “Hunger Games” ist Bathsheba Everdene damit zugänglicher. Das Düstere und die erotische Energie aus Hardys bereits mehrfach verfilmtem Romanerfolg “Far From The Madding Crowd” aus dem Jahr 1874 aber ist mit der Drehbuchbearbeitung durch Bestsellerautor David Nicholls (“One Day”) komplett verschwunden. Allzu oft driftet das Kostümepos, unterstützt von historisch akkurater Ausstattung und unterlegt vom getragenen Soundtrack von Craig Armstrong, in Kitsch ab, und steckt zum erwarteten Ende hin ganz darin fest. Wen das nicht abschreckt, der kann sich auf eine solide, mit 120 Minuten etwas langwierige Reise in die Vergangenheit freuen – mit äußerst attraktiven Reisebegleitern.

(APA)

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