“Altes Geld”: Boshafte Skrupellosigkeiten mit Star-Reigen in Hochglanz-ORF-Serie

Von Daniela Herger
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Familie Rauchensteiner in "Altes Geld": Jakob (Manuel Rubey), Liane (Sunnyi Melles), Zeno (Nicholas Ofczarek), Rolf (Udo Kier) und Jana (Nora von Waldstätten)
Familie Rauchensteiner in "Altes Geld": Jakob (Manuel Rubey), Liane (Sunnyi Melles), Zeno (Nicholas Ofczarek), Rolf (Udo Kier) und Jana (Nora von Waldstätten) - © ORF/Hoanzl
Eine steinreiche, skrupellose Familie, die verzweifelte Suche nach einer Leber und Handschuhe aus Menschenhaut: Dies sind die Ingredienzien der David Schalko-Serie “Altes Geld”. VIENNA.at hat sich die acht spannenden Folgen für Sie angesehen.

Eines wird bei “Altes Geld” schnell klar: Liebe hat in der artifiziellen, überzeichneten und eiskalten Welt der Familie Rauchensteiner keinen Platz. Denn diese ist, wie es einmal heißt, “für den Mittelstand”. Dafür stehen Geldgier, Korruption, Intrigen und dunkle Geheimnisse jederzeit an der Tagesordnung. Das Familienepos aus der Feder von David Schalko, der schon mit “Braunschlag” bewies, dass er sein (Serien-)Handwerk beherrscht, dreht sich um eine Sippe, in der es kaum Tabus gibt und in der einer dem anderen nach Geld und Leben trachtet, stets auf den eigenen Vorteil bedacht.

“Altes Geld”: Familie geht für Leber über Leichen

Von kleinen Gemeinheiten über große Geheimnisse bis hin zu handfesten Verschwörungen – in der Familie Rauchensteiner ist kaum etwas so, wie es auf den ersten Blick scheint. Die Geschichte nimmt ihren Ausgang, als das betagte Familienoberhaupt, der milliardenschwere Patriarch Rolf Rauchensteiner (Udo Kier), schwer an einer komplizierten Hepatitis erkrankt. Sein Überleben kann lediglich durch eine Spenderleber gesichert werden – und wer ihm diese beschafft, dem winkt als Erbe das gesamte Familienvermögen. Diese Konstellation motiviert andere Familienangehörige, Familienangestellte und Co., über Leichen zu gehen. Denn jeder will den Wettlauf um die Beschaffung der Leber gewinnen, koste es, was es wolle.

Das mitzuverfolgen, garantiert Hochspannung – denn so mancher Protagonist führt in “Altes Geld” ein Doppelleben, Folge für Folge werden neue Motive der einzelnen Figuren offenbar, der Zuseher kann sich auf so manche Überraschung gefasst machen. Allein, der Inhalt der Serie erschöpft sich nicht in der Jagd nach dem lebenserhaltenden Organ. Quasi en passant werden andere, vielfach besonders Wien-relevante Themen angerissen – politische Machenschaften, die von Freunderlwirtschaft geprägt sind, Spielsucht, die Existenzen gefährdet, eine Boulevardzeitung, bei der alle Fäden zusammenlaufen und eine familiäre NS-Vergangenheit, die Restitutionsforderungen nach sich zieht.

Star-Reigen in David Schalko-Serie

Besondere Qualität gewinnt die Serie nicht nur durch einen ausgeklügelten Plot, sondern auch durch die durchwegs überzeugenden Performances der hochkarätigen Besetzung – vom ältesten Sohn Zeno (Nicholas Ofczarek) über die jüngeren Rauchensteiner-Geschwister Jakob (Manuel Rubey) und Jana (Nora von Waldstätten), die ihrerseits eine etwas zu enge Beziehung pflegen, um noch moralisch vertretbar zu sein, bis hin zu Stiefmutter Liane (Sunnyi Melles), der am Überleben ihres Gatten weit weniger gelegen ist, als es eingangs den Anschein erweckt.

Und der überzeugende Star-Reigen setzt sich bis in die kleineren Rollen in “Altes Geld” fort. Hervorzuheben sind hier etwa Simon Schwarz, Ursula Strauss, Thomas Stipsits und Robert Palfrader. Hier ist so ziemlich alles zusammengekommen, was im österreichischen Film und Fernsehen Rang und Namen hat, und darf in Sachen Boshaftigkeit, Hinterlist und Gerissenheit zu Höchstform auflaufen.

Bildgewalt in Serie: “Altes Geld”

Weiters besonders hervorzuheben ist die beeindruckende Optik der Serie: Leuchtende Farben, atemberaubende Kulissen und pompöse Bildkomposition erinnern an Genre-Größen wie David Lynch, allgegenwärtig ist in dieser Szenerie gediegene klassische Musik. All diese Zutaten sorgen dafür, dass “Altes Geld” das Publikum sehr rasch in seinen Bann zieht und es selbst komplexe Verwicklungen aller Art hindurch bei der Stange hält. Denn Hochspannung ist bei dieser Serie von der ersten bis zur letzten Szene garantiert. Die Verlängerung für “Altes Geld” ist übrigens ebenfalls schon fixiert: Die zweite Staffel soll 2016 gedreht werden.

Wer jetzt neugierig geworden ist: Der ORF zeigt “Altes Geld” seit Montag im Hauptabendprogramm, die komplette Serie ist auf DVD und BluRay bei HOANZL erhältlich.

Altes Geld. Mini-Serie von David Schalko. 8 Folgen auf 3 DVDs oder 2 BluRays. HOANZL, UVP 29,99 Euro

(DHE)

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