Alt-J live: Gänsehaut-Momente in der Wiener Stadthalle

Von Amina Beganovic
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So schön, dass man Gänsehaut bekommt: Alt-J live in Wien.
So schön, dass man Gänsehaut bekommt: Alt-J live in Wien. - © Vienna.at/Bernhard Jank
Bei manchen Bands muss man neidlos zugeben, dass der Hype um sie nicht nur ein Hype ist, sondern durchaus seine Berechtigung hat. Dass Alt-J eine von diesen Bands sind, bewiesen sie am Mittwochabend mit einem stimmungsvoll-bewegenden Konzert in der Wiener Stadthalle. Den Voract gaben obendrein die famosen Steaming Satellites.

Sie brauchen nicht viel Schnick-Schnack, keine großen Bühnenshow – ein paar Lichteffeke, kurze Monitoreinblendungen und die umwerfende Stimme von Joe Newman genügen, und die Stadthalle füllt sich von alleine. Die Herren von Alt-J, aktuell viel gerühmte Alternativ-Pop-Sensation aus England, verstehen es wie kaum andere, verträumte und weitreichende Klangbilder zu erzeugen, die ihresgleichen suchen.

Das bewiesen sie auch am Mittwochabend vor rund 5.300 Fans in der Wiener Stadthalle (die, obwohl keine Tribünenplätze besetzt wurden, zur Abwechslung mal eine ganz angenehme Location am Stehparkett war).

Verdienter Applaus für die Steaming Satellites

Aber zunächst musste die (altersmäßig überraschend durchgemischte) Menge in Konzert-Stimmung versetzt werden – mitunter keine leichte Aufgabe, nach den jüngsten Ereignissen im Pariser Bataclan, die vielen noch im Hinterkopf sitzen. Aufatmen unter den Fans, dass Alt-J, im Gegensatz zu manch anderen Künstlern, von einer Absage ihrer aktuellen Tournee Abstand genommen haben.

Also weiter wie geplant. Und den Voract hätte man nicht besser wählen können: Die Salzburger Formation Steaming Satellites sind nicht nur hochgradig sympathisch, sondern lieferten eine kurze, aber feine Show, die allein schon froh machte, dass man den Weg durch die Kälte in die Stadthalle unternommen hatte. Mit Fm4-Ohrwürmern wie “Honey”, “Another Try” oder dem fantastischen “How Dare You”, bekannt als Soundtrack aus dem Film Das finstere Tal, ernteten sie ihren wohl verdienten Applaus.

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Vienna.at/Bernhard Jank

‘I want every other freckle’ … Fantasievoll-bewegendes Konzert

Pünktlich und ohne viel Aufhebens, ganz wie man es von ihnen gewohnt ist, huschen auch schon Alt-J auf die Bühne. Zuletzt hatte man im August beim Frequency Festival mit ihnen das Vergnügen gehabt, davor noch im Februar im Gasometer. Dass die Fans (wenn auch nicht in Scharen) noch immer nicht genug von ihnen bekommen, spricht wohl für sich.

Apropos sprechen: damit halten sich die Jungs auf der Bühne lieber etwas zurück: Fast schon ein wenig schüchtern begrüßt Frontman Newman nach dem stimmungsvollen “Lalalalala”-Intro vom Album “This Is All Yours” die Wiener, freut sich, “wieder mal zurück in Österreich zu sein”.

Dann ist es auch schon wieder ruhig, und man lässt sich von den Klangbildern der mitreißenden Nummer “Every Other Freckle” verzaubern – fast schon hat man selbst das Gefühl, plötzlich wie im Video durch den Wald unter den Bäumen oder durch die Wüste zu laufen (vielleicht nicht unbedingt nackig, aber die Stimmung kommt auf jeden Fall rüber).

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Vienna.at/Bernhard Jank

Alt-J begeisterten die Wiener Fans

Getanz und gesprungen wird bei “Left Hand Free”, spontan hacken die Besucher die Arme untereinander und wirbeln im Kreis herum – Drummer Thom Green sorgt schon dafür, dass die Füße nicht still halten. Genussvolles Träumen dann wieder bei “Bloodflow”, “Nara” bzw. “Leaving Nara” oder auch “Lovely Day”, einem herrlich stimmigen Cover von Bill Withers, auch wenn das Falsett von Sänger Joe Newman (das meist ohnedies so klar wie von der Platte klingt) und die Zweitstimme von Keaboarder Gus Unger-Hamilton manchmal ein wenig in den Tönen verrutschen.

Die Musik von Alt-J macht atemlos, lässt staunen, lachen, manchmal auch weinen – so unscheinbar die Band fast auf der Bühne wirkt, so gewaltig sind die Arrangements jedes einzelnen Songs, die den Zuhörer mitnehmen und mit Gänsehaut und offenem Mund wieder verlassen. Dabei ist es kein straighter Rock, kein melodiöser Indie wie bei Sigur Rós, aber doch irgendwie was dazwischen – und klingt dabei stets unverwechselbar und bewegend. Und das bis zur finalen Nummer “Breezeblocks”.

Als dann vor der Wiener Stadthalle auch noch der erste Schnee des Jahres runterrieselte, war der Abend wohl für alle als durch und durch schönes Konzerterlebnis abgerundet.

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