Alles unter Kontrolle – Trailer und Kritik zum Film

Alles unter Kontrolle – Trailer und Kritik zum Film
Ein Golfball, viele Golfbälle. Ein paar sind deutlich größer als der Rest. Sie sind die Hüllen riesiger Radar-Überwachungsanlagen. Wenn ein Abschlag etwas zu weit geht, kann der Ball schon mal mitten unter ihnen landen.

Doch der Versuch, als Golfspieler auf ein NSA-Hochsicherheitsareal zu kommen, scheitert. Werner Boote gestaltet den Beginn seines Films “Alles unter Kontrolle” als Kabarett-Nummer.

Alles unter Kontrolle – Die Geschichte

Es ist der Auftakt zu einer Doku, die gar nicht viel Anlass zum Lachen gibt. Nach seinen Filmen “Plastic Planet” und “Population Boom” widmet sich der 50-jährige österreichische Dokumentarfilmer erneut einem Menschheitsproblem: der allumfassenden Überwachung und dem globalen Datenhandel. “Aus unseren Taten werden Daten”, warnt Boote, und wer “alles unter Kontrolle” hat, ist jedenfalls sicher nicht der einzelne betroffene Bürger. Am 25. Dezember kommt der Film in die österreichischen Kinos.

Wieder reist Boote, diesmal mit der synthetischen Frauenstimme von Apple-Sprachassistentin Siri als Dialogpartnerin, als treuherzig schauendes Unschuldslamm mit Neugierdsnase um die Welt und konfrontiert Experten aller Couleurs mit scheinheiligen Fragen – vom Erzeuger von Überwachungssystemen bis zum Hacker, vom Kryptologen bis zum Spion und von der Regierungsbeauftragten eines gigantischen indischen Daten-Erfassungsprogramms bis zu schwarzen Rappern in einer Gegend, die trotz unzähliger Überwachungskameras eine der höchsten Mordraten der USA aufweist. Unser Tun hinterlässt ununterbrochen Datenspuren, von denen man nie wissen kann, wer sie zu welchem Zweck miteinander verknüpft, lautet die Botschaft Bootes, der eine größere Sensibilität im Umgang mit der digitalen Welt erreichen möchte.

Alles unter Kontrolle – Die Kritik

“Alles unter Kontrolle” ist durchaus unterhaltsam, weil Boote nicht nur inhaltlich denkt, sondern immer auch die Inszenierung im Auge hat. Aufnahmen von Überwachungskameras kombiniert er mit Reportage-Elementen und klassischen Interview-Sequenzen. Manche Szenen und Schauplätze scheinen eindeutig mehr der Wirkung als der Substanz geschuldet, und der Erkenntnisgewinn bei der Verfolgung von NSA-Mitarbeitern ist eindeutig geringer als der suggerierte Nervenkitzel, wie lange sich eine scheinbar allmächtige Institution reizen lässt.

Die Hauptprobleme des Films sind jedoch andere: Zum einen überrascht einen nach den Enthüllungen von Edward Snowden, WikiLeaks & Co kaum mehr etwas, zum anderen gelingt es Boote nicht, sein Thema einzugrenzen. Vom Kryptologen zum Blogger und von der philosophischen Studierstube in England zu den Straßen-Protesten in Hongkong – Boote gerät buchstäblich vom Hundertsten ins Tausendste und kommt zu einem keineswegs überraschenden Schluss: “Wer die Daten hat, hat die Macht.”

Während Sujata Chaturvedi, CEO der “Unique Identification Authority of India”, dem lästigen Gast aus Österreich verärgert versichert, er könne sicher sein, dass mit den bereits erhobenen 700 Millionen Datensätzen kein Missbrauch getrieben würde, wischt Internetaktivist Jacob Appelbaum sogar seine Fingerabdrücke vom Trinkglas ab. Auch analoge Spuren können missbräuchlich verwendet werden.

Wie einfach es ist, verblüfft zu werden, wenn man selbst betroffen ist, demonstriert die Film-Website: Mit “Wir wissen, wer Sie sind” wird man dort empfangen und bekommt gleich ein paar Informationen über die eigene IP-Adresse, den Provider, Browser und die verwendete Software vorgehalten. Ein ganz simpler technischer Trick. Aber er wirkt.

(APA)

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