Alles steht Kopf – Trailer und Kritik zum Film

Alles steht Kopf – Trailer und Kritik zum Film
Elf Jahre lang hat Freude überwogen. Doch dann zieht Riley mit ihrer Familie um – und die Emotionen in ihrem Kopf geraten in einen Ausnahmezustand.

Von der emotionalen Achterbahnfahrt, die das Erwachsenwerden bereithält, erzählt der fantasievolle, geistreiche und herzerwärmende Animationsfilm “Alles steht Kopf”, der Kinder und Erwachsene gleichermaßen begeistern dürfte. Ab Donnerstag im Kino.

Alles steht Kopf – Die Geschichte

Nur wenige Sekunden lang ist “Freude” das einzige Gefühl in Rileys Leben. Optimistisch und mit der einzigen Mission, das Mädchen glücklich zu wissen, gibt sie die Steuerfrau im Kontrollzentrum in Rileys Verstand. Doch mit dem ersten Schrei der neugeborenen Riley taucht Kummer auf – “und nach und nach wird es richtig eng da oben”, erzählt Freude in den ersten Minuten von “Alles steht Kopf”.

Fortan halten die fünf eingefärbten Gefühle, die in Rileys Kopf “leben”, das junge Mädchen im Gleichgewicht. Neben Freude (gelb) und Kummer (blau) navigieren auch Angst (violett), Wut (rot) und Ekel (grün) Riley durch ihre Kindheit, halten sie per Knöpfen und Hebeln an der Schaltzentrale von Gefahren fern, mahnen Fairness ein und bilden etwa bei Broccoli als Pizza-Belag eine geeinte, ablehnende Front. Die bunten Erinnerungskugeln, die Tag für Tag in Rileys Hirn eintrudeln und – wenn besonders prägend – ins Langzeitgedächtnis verschoben werden, sind dabei vor allem gelb gefärbt, sprich: Freude zu verdanken.

Doch ebendie sieht sich plötzlich auf die Hinterbank versetzt, als Rileys Vater einen Job in San Francisco annimmt und die Familie umzieht. Riley vermisst ihre Freunde aus Minnesota, wird in der Schule geärgert und von ihren Eltern, die ihre eigenen Kämpfe austragen, vernachlässigt. Als Rileys Schmerz überhandnimmt, manövriert ein Missgeschick Freude und Kummer in die hintersten Hirnregionen – und lässt Angst, Wut und Ekel als alleinige Steuermänner zurück, was Riley rebellieren und sich zurückziehen lässt. Freude darf also keine Zeit verlieren, das Kommando zurückzuerlangen – doch der Weg zurück gelingt nur gemeinsam mit Kummer…

Alles steht Kopf – Die Kritik

Regisseur und Co-Autor Pete Docter, der schon in seinem erfrischenden, Oscar-gekrönten Animationsfilm “Oben” nicht vor traurigen Elementen in kunterbunten Animationswelten zurückschreckte, wurde von seiner eigenen Tochter Elie zum Film inspiriert. Mit elf Jahren sei das ursprünglich aufgeweckte Mädchen plötzlich stiller, introvertierter geworden. “Ich habe mich gefragt: ‘Was geht nur in ihrem Kopf vor?!'”, meinte Docter bei den Filmfestspielen Cannes, wo der Streifen heuer euphorisch gefeiert wurde.

Tatsächlich spricht “Alles steht Kopf” – wie auch schon ähnlich einfühlsame Coming-of-Age-Filme aus dem Hause Disney/Pixar wie “Oben” oder “Wall-E” zuvor – Erwachsene und Kinder gleichermaßen an. Von den vermenschlichten, schrägen Stimmen in Rileys Kopf – allen voran die feenähnliche, förmlich glühende Freude in Kleid und mit Pixie-Haarschnitt sowie die lethargisch-seufzende Brillenträgerin Kummer – bis zu den knallbunten Hirnlandschaften geht “Alles steht Kopf” vor originellen Ideen und lustigen Einfällen nur so über: Schwebende, lang erarbeitete “Persönlichkeitsinseln” zu Familie, Freundschaft und Hobbys machen Riley aus, eine an Hollywood-Studiogelände erinnernde “Traumfabrik” inszeniert aufwendige Träume, rundliche Arbeiter saugen nicht länger benötigte Erinnerungskugeln auf und der ehemalige imaginäre Kindheitsfreund Bing Bong – ein in Zuckerwatte gehüllter Hybrid aus Elefant und Katze – unternimmt seine letzten Streifzüge, ehe er endgültig im düsteren Tal der Vergessenheit landet.

Die Botschaft, die “Alles steht Kopf” (im Original: “Inside Out”) sendet, ist so einfach wie rührend: Am Ende erkennt Freude die Bedeutung von Kummer, der das Leben eines Menschen in einer Art und Weise bereichern kann, wie sie es nicht kann. Mit ihrer Einsicht, auch mal andere Gefühle zuzulassen, steht sie auch stellvertretend für Eltern, die erkennen müssen, dass sie ihre Kinder nicht vor sämtlichen Sorgen und Schmerzen, die die Zukunft bereithält, bewahren können. Und ausgerechnet mit fünf schrägen Figuren im Kopf eines Mädchens gelingt Pete Docter ein authentisches, einfühlsames Porträt der Schwelle von der Kindheit zum Erwachsenwerden – was einen glücklich erfüllt und mit Tränen in den Augen hinterlässt.

(APA)

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