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8. Dezember 2007 14:12; Akt.: 3.10.2011 11:14

Ärzte sorgten für Rummel in der Stadthalle

Ärzte sorgten für Rummel in der Stadthalle
„Es wird eng“ heißt die aktuelle Tournee der Ärzte – beim Konzert am Freitagabend in Wien war das keine Untertreibung.

 (2 Kommentare)

In der zum Bersten gefüllten Stadthalle drängten sich Fans selbst außerhalb des Saales, wo man sich um Getränke und Garderobe anstellt, ganz dicht, um einen Blick auf die deutsche Punk-Gruppe zu erhaschen, die auch gut mit Pop kann. Die Ärzte spielten bei bester Stadionrockatmosphäre sehr lange und im Gegensatz zum chaotischen Auftritt beim diesjährigen Frequency-Festival auch gut zusammen.

Mit Partykrachern wie „Meine Freunde“, “2000 Mädchen“, „Unrockbar“ oder „Schunder-Song“ und dem typischen Augenzwinkern des Trios sollte es eigentlich nie „Langweilig“ (auch ein Titel einer beliebten Mitgrölnummer) werden. Aber während im Sommer auf dem Salzburgring nach zweijähriger Pause krasser Humor von musikalischen Schwächen ablenkte, sind die Berliner seit Veröffentlichung des neuen Albums „Jazz ist anders“ (Universal) wieder eine kompakte Einheit. Daher funktionierten aktuellen Song live so hervorragend, dass man die Single „Junge“ sogar zwischen die Klassiker im Zugabenteil stecken konnte.

Drei Generationen an Fans schwitzten, tranken Bier aus eigenen Ärzte-Bechern, kollabierten (die Sanitäter hatten Festspiele) und trugen „das tagesaktuelle Shirt“ mit der Aufschrift „Es war eng – und ich mittendrin“ samt Datum und Ortsangabe. Das clevere Merchandising haben Bela B. (Gesang/Drums) und Rod Gonzales (Bass/Gesang) von Kiss, einer ihrer Lieblingsbands, abgeschaut – nur dass bei den Deutschen der Nepp ausbleibt. Wem es ganz heiß wurde, entledigte sich überhaupt der Wäsche. „A geh! Der erste BH“, freute sich Farin Urlaub (Gesang/Gitarre) nach dem dritten Song. Am Tag davor sei das anders gewesen: „Wir kommen aus der Schweiz, da geht gar nix.“

Egal, ob große Bühne, Videoprojektionen oder Lichtermeer, die Stimmung machen die drei Akteure. Da mischt sich fröhlich ein herrlich schlechter Funk („Pflegeleicht“) und ein ebensolcher Rave („Electrobier“) zwischen einen Drei-Akkorde-Kracher mit der Aufforderung, Sex gegen das Establishment zu haben. „Es ist erstaunlich. Wir können uns alles erlauben“, hatte Farin im APA-Interview gestanden. Genau diese Unverfrorenheit macht die Ärzte groß. Wenn sie dann noch eine CD wie „Jazz ist anders“ veröffentlichen, gibt es zu Recht Platin (20.000 verkaufte Stück, Platz zwei in den Charts hinter dem „Kiddy Contest“). Nur an seinen Kraftausdrücken auf wienerisch sollte Herr Urlaub bis zum nächsten Gastspiel beim Nova Rock 2008 (13. bis 15. Juni) noch üben. „Geh schaßen“ klingt komisch!


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