18. Juli 2012 12:50; Akt.: 18.07.2012 12:50

Abtrünniger General Tlass ruft zu Wandel in Syrien auf

Tlass (im Bild rechts) gibt Staatschef "Hauptverantwortung" für Krise. Tlass (im Bild rechts) gibt Staatschef "Hauptverantwortung" für Krise. - © EPA
Der abtrünnige syrische General Manaf Tlass, Sohn des früheren Verteidigungsministers General Mustafa Tlass und lange Jahre ein enger Vertrauter des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad war, hat zu einem politischen Wandel in seiner Heimat aufgerufen.

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Der bisher höchstrangige Deserteur, der Anfang Juli untergetaucht war, übermittelte am Dienstagabend der Nachrichtenagentur AFP eine Erklärung in Paris, wo er sich inzwischen aufhält. Darin forderte er ein Ende des “Blutvergießens” und warf der syrischen Führung vor, die “Hauptverantwortung” für die Krise zu tragen. Er sei ohne persönliche Ambitionen bereit, zu einer “besseren Zukunft” beizutragen.

Tlass in Kontakt mit Opposition

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius hatte vergangene Woche erklärt, dass Tlass in “Kontakt” mit der syrischen Opposition stehe. In seiner Erklärung geht Tlass aber nicht darauf ein, ob er sich der Opposition angeschlossen hat. Manaf Tlass, dessen Familienangehörige sich ebenfalls nach Paris abgesetzt haben, war ein Jugendfreund des syrischen Präsidenten. Er gehörte lange Jahre zu einer Elite-Einheit, die für die Sicherheit der Staatsführung unmittelbar verantwortlich ist. Vor etwa einem Jahr soll er das Vertrauen der Staatsführung verloren haben.

Tlass lange Vertrauter Assads

Ex-Verteidigungsminister General Mustafa Tlass, der 32 Jahre (1972-2004) Verteidigungsminister war und als Jugendfreund des verstorbenen Präsidenten Hafez al-Assad aus der Kadettenschule von Homs zum innersten Machtzirkel des Baath-Regimes gehörte, wurde in Österreich durch den über eine Munitionsaffäre gestolperten und 1981 erschossen aufgefundenen Verteidigungsminister Karl Lütgendorf in den 1970er Jahren bekannt. Bei der Affäre, die zur Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses führte, ging es um die Lieferung von 400.000 Schuss Gewehr-Munition nach Syrien, deren offizieller Absender zwar der österreichische Waffenhändler und Lütgendorf-Freund Alois Weichselbaumer war, die aber aus Beständen des Bundesheeres stammten. Lütgendorf, den Bundeskanzler Bruno Kreisky 1971 als parteilosen Militär in die SPÖ-Alleinregierung geholt hatte, musste 1977 nach der Munitionsaffäre und wegen seiner Verbindungen zu Weichselbaumer und des Verdachts, in illegale Waffengeschäfte verwickelt zu sein, zurücktreten.

(APA)



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