Abgezockte Youngsters schießen Austria Wien ins Europa-League-Playoff

Kevin Friesenbichler bewies Coolness vom Elfmeterpunkt.
Kevin Friesenbichler bewies Coolness vom Elfmeterpunkt. - © APA/Georg Hochmuth
Die Wiener Austria behielt in Trnava vom Elfmeterpunkt die Nerven und darf weiter auf den Einzug in die Europa-League-Gruppenphase hoffen.

Die Wiener Austria hat ihren Erfolgslauf in der noch jungen Saison in dramatischer Manier aufrechterhalten. Der 5:4-Erfolg im Elferkrimi bei Spartak Trnava am Donnerstagabend machte 120 höchst aufreibende Minuten vergessen. Neben Kapitän Robert Almer überzeugten vor allem die jungen Akteure der Violetten. Sie zeigten in der Entscheidung keine Nerven.

Nachdem Jens Stryger Larsen (25 Jahre) eröffnete, ließen Ismael Tajouri (22), Marko Kvasina (19), Tarkan Serbest (22) und Kevin Friesenbichler (22) ebenfalls nichts anbrennen. Friesenbichler, der die Verlängerung mit dem späten 1:0 in der 88. Minute erst möglich gemacht hatte, rollte den Ball beim fünften Elfer gar locker lässig in die Mitte des Tores. Almer hielt danach den Versuch von Trnavas Kapitän Martin Mikovič.

“Der Torhüter hat sich bei den Schützen zuvor immer früh bewegt. Deshalb war die Lösung, in die Mitte zu schießen”, sagte Friesenbichler mit einem Schmunzeln über seine Überlegungen. Darüber hinaus rief der wieder als “Joker” erfolgreiche Angreifer die nächste schwere Aufgabe in Erinnerung. Am Sonntag (16:30 Uhr, live auf ORF eins, Sky und im VIENNA.at-Liveticker) wartet im Schlager der dritten Bundesliga-Runde der Erzrivale. “Wir genießen das jetzt, ab morgen konzentrieren wir uns auf Rapid”, betonte Friesenbichler.

Austria-Trainer Fink: “Von den Jungen hat keiner gefackelt”

Für die Austria geht es im großen Wiener Derby immerhin um den dritten Sieg im dritten Ligaspiel. Die beiden Hürden im Europacup wurden ebenfalls erfolgreich genommen, auch wenn das Duell mit Trnava auf des Messers Schneide stand. Die von den Heim-Fans frenetisch angefeuerten Slowaken forderten den eigentlich favorisierten Wienern alles ab. “Man sieht, die Europa League ist etwas anderes. Aber wir haben am Ende die Nerven bewahrt. Das war wichtig”, meinte Austria-Coach Thorsten Fink.

Der nach einer aufreibenden Partie “ein bisschen kaputte” Deutsche konnte im Elferschießen kaum hinsehen. Dabei agierten seine Youngsters ohne Zaudern. “Von den Jungen hat bei den Elfern keiner gefackelt. Sie sind gute Schützen, das wussten wir”, wusste Fink zu berichten. Während erfahrenere Akteure wie Alexander Grünwald schon müde gewesen seien, seien die Wechselspieler Tajouri, Kvasina und Friesenbichler auch frischer gewesen.

Für die Austria war es auf Europacupebene die erste Entscheidung im Elferschießen seit 1978. Damals siegten Herbert Prohaska und Co. im Halbfinale des Cups der Cupsieger gegen Dynamo Moskau. War damals Hubert Baumgartner der violette Held, durfte sich nun Robert Almer feiern lassen. Der ÖFB-Teamtorhüter konnte sich selbst nicht daran erinnern, jemals an einem Elferschießen auf dieser Ebene beteiligt gewesen zu sein.

Almer: “So ein Sieg kann Kräfte freisetzen”

“Es wird jetzt wichtig sein, zu regenerieren. Aber so ein Sieg kann auch Kräfte freisetzen”, erklärte Almer mit Blick auf das Derby. Nur eines war dem Steirer ein wenig suspekt. Verteidiger Lukas Rotpuller gab ihm vor dem Elferschießen einen Kuss auf die hohe Stirn. Erinnerungen an die französischen Weltmeister Laurent Blanc und Fabien Barthez wurden wach. Almer musste über die Motivationshilfe seines Vordermanns schmunzeln: “Darüber werden wir noch reden müssen.”

Mit dem Aufstieg ins Playoff – Spieltermine sind am 18. und 25. August – wahrte die Austria jedenfalls ihre Chance auf den Einzug in die Gruppenphase. Dort würde ein Startgeld von 2,4 Millionen Euro warten, ein Sieg bringt 360.000, ein Remis 120.000 Euro. Finanz-Vorstand Markus Kraetschmer hat zuletzt durchklingen lassen, dass die Austria dann auf dem Transfersektor noch einmal reagieren könnte. Trainer Fink würde sich darüber sicher freuen.

(APA, Red.)

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