A Ghost Story – Trailer und Kritik zum Film

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A Ghost Story – Trailer und Kritik zum Film
Selten wurde das Vergehen von Zeit, wenn man in ihr gefangen ist, eindringlicher dargestellt als in David Lowerys “A Ghost Story”. Mit Casey Affleck und Rooney Mara hat der US-Regisseur erneut jenes Duo vor die Kamera geholt, mit dem er bereits 2013 für “Ain’t Them Bodies Saints” arbeitete. Gewöhnungsbedürftig: Auch wenn ein Geist die Hauptrolle spielt, gruselig ist es nie. 

Er habe nach seinem Blockbuster-Erfolg “Pete’s Dragon” einen kleinen, schrägen Film in familiärem Umfeld drehen wollen, erzählte Lowery in einem Interview. Auch sei er nicht von Anfang an davon überzeugt gewesen, dass aus dem Projekt etwas Herzeigbares werden würde. Schlussendlich feierte der Streifen seine Uraufführung beim renommierten Sundance-Festival, in Wien hatte er seine Österreichpremiere bei der Viennale. Die US-Kritiker überschütteten den Film fast ausschließlich mit Lob.

A Ghost Story – Die Handlung

Fans von Ben Afflecks jüngerem Bruder Casey, der zuletzt für seine Rolle in Kenneth Lonergans Drama “Manchester by the Sea” einen Oscar als bester Hauptdarsteller bekam, müssen sich allerdings auf die ersten Minuten konzentrieren: Der junge Mann C, den Affleck als bärtigen Intellektuellen anlegt, lebt mit seiner Freundin M in einem kleinen Haus auf dem Land. Während M (Rooney Mara) gerne in eine Wohnung in der Stadt ziehen möchte, hängt C an ihrem gemeinsamen Heim. Als sie ihn endlich überzeugt hat, doch umzuziehen, wird C bei einem Autounfall getötet und kehrt als Geist in das Haus zurück. Was danach beginnt, ist das große Warten.

Es ist ein mutiger wie genialer Schachzug des 1980 geborenen Regisseurs, das titelgebende Gespenst mehr wie ein schlechtes Halloween-Kostüm aussehen zu lassen als auf digitale Effekte zu vertrauen oder die Wiederkehr realistisch darzustellen. “A Ghost Story” ist quasi die Antithese zu “Nachrichten von Sam”. Still und stumm beobachtet der Geist von C seine trauernde Freundin, minutenlang dauert jene Szene, in der Rooney Mara einfach nur einen vorbeigebrachten Kuchen isst und dennoch so viel Verzweiflung ausstrahlt, dass das Zusehen nach einiger Zeit unangenehm wird.

A Ghost Story – Die Kritik

Bald kommt dem Film auch Mara abhanden, da sie wegzieht. Der Geist bleibt allein zurück und überdauert zahlreiche weitere Mieter, die er jedoch bald das Fürchten lehrt, indem er etwa Teller durch die Küche fliegen lässt und ganze Regale zum Einsturz bringt. Sein einziges Ziel: Einen gefalteten Zettel aus einer Ritze im Türstock zu befreien, den M beim Einzug dort hinterlassen hat. Sein Vorhaben wird jedoch jäh unterbrochen, als ein Bagger das Spukhaus abreißt und C auf einer Baustelle hinterlässt, auf der ein Wolkenkratzer entsteht. Als sich das verzweifelt gelangweilte Gespenst vom Dach stürzt, landet es ein paar hundert Jahre in der Vergangenheit in der Prärie, wo es so lange wartet, bis die Geschichte wieder von vorn beginnt.

Es sind vergleichsweise wenige Einstellungen, die dieser Film bereit hält, dafür sind sie aber umso eindrucksvoller. Wenn der Zuschauer schon nervös wird, wenn er wenige Minuten auf ein- und dieselbe leere Landschaft starrt – wie muss sich das dann ein paar Jahre lang anfühlen? Und so stellt David Lowery mit diesem fragilen Beziehungs- und Existenzdrama viele grundsätzliche Fragen, ohne nach Antworten zu suchen. Doch lässt er sein Publikum auch schmunzeln, etwa wenn ein zweiter Geist im Haus gegenüber in Erscheinung tritt. Es ist ein Film über Menschen, Hoffnungen und Ausweglosigkeit, der nicht zuletzt durch seinen poetischen Soundtrack von Daniel Hart eine weitere Ebene gewinnt, die bezaubert.

>> Alle Filmstartzeiten zu “A Ghost Story”

(APA)

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