“70er – leben lassen”: Lukas Resetarits feiert mit neuem Stück den runden Geburtstag

Lukas Resetarits steht mit "70er - leben lassen" wieder auf der Bühne.
Lukas Resetarits steht mit "70er - leben lassen" wieder auf der Bühne. - © APA/Robert Jäger
Kabarett-Urgestein Lukas Resetarits zeigt sich in seinem bereits 26. Solokabarettprogramm “70er – leben lassen” gewohnt pointenreich. Eine leicht wehmütige Rückschau in die 1970er mit Spitzen in die Gegenwart.

Einen Blick zurück im Vorfeld seines eigenen 70ers macht Lukas Resetarits in seinem neuen, mittlerweile 26. Solokabarettprogramm “70er – leben lassen”. Bei der Premiere im Wiener Stadtsaal am Dienstagabend gelang es dem Kabarett-Urgestein gewohnt pointenreich, die leicht wehmütige Rückschau in die 1970er mit Spitzen in die Gegenwart zu verbinden. Beim Publikum kamen die Zeitsprünge sehr gut an.

Die Anmoderation übernimmt mit der stilisierten Stimme Bruno Kreiskys gleich einmal die prägende politische Gestalt der 1970er in Österreich. Dass der Ex-Kanzler allerdings einen “jungen Kabarettisten” ankündigt, gibt Resetarits gleich die Möglichkeit, das zweite Thema des Abends – nämlich seinen am 14. Oktober anstehenden 70. Geburtstag – einzuführen.

Um nun bald bei betont gutem Gedächtnis dorthin zu gelangen, muss der wie üblich auf der Bühne lediglich mit Sitzgelegenheiten und Wassergläser ausgestattete Noch-69er aber erst einmal durch jene Dekade, in der sich sogar in Österreich unter dem Motto “Vorwärts in die Zukunft” erstaunlich viel verändert hat. Resetarits führt mit seinem gewohnten Schmäh und scharfem Auge für das kabarettistisch Ergiebige in eine Zeit des Aufschwungs, der Zettel gewordenen Hoffnung in Form von Preisausschreiben, aufkommender Einkaufszentren oder erster leistbarer Autos und Urlaube.

Lukas Resetarits: Gesellschaftskritik und Selbstironie

Dem gegenüber stellt er eine aus heutiger Sicht ungeheuer rückwärtsgewandte Gesellschaft, in der “der Chef immer der Mann war”, aus Frauen erst rechtlich vollwertige “Personen” werden mussten, noch schwerer Kerker verhängt wurde, “Rauchen wie Atmen” war und man Kinder noch ohne Bedenken mit Teer in der Lunge und Watschen groß werden ließ. Ohne Kreiskys Alleinregierung hätten viele fällige Reformen noch länger auf sich warten lassen, so Resetarits’ Fazit, dem am Ende des ersten Programmteils doch ein wenig der Schwung auszugehen droht.

Mit viel Ironie, auch in Bezug auf das eigene damalige künstlerische Tun, kommt er jedoch wieder aus der Pause. Die Schilderungen davon, was die einstige Künstlergruppe alles unternahm, um die selbstverständlich gesellschaftspolitisch augenöffnenden Inhalte zu den eher gleichgültigen Massen zu bringen, gehört zu den Highlights des Programms, das erneut in Zusammenarbeit mit Tochter Kathrin Resetarits entstanden ist. Erfolge, wie die Arena-Besetzung oder das Verhindern des Atomkraftwerks Zwentendorf gegen Kreiskys Willen, nimmt Resetarits geschickt als Ausgangspunkt, um den Bogen in die politische und technologische Gegenwart zu spannen.

Im Gegensatz zu den 70ern gehe es heute oft nicht darum, dass für alle einmal mehr da ist. Vielmehr reiche es einigen, “wenn es nur für andere weniger wird”. Am Ende zeigt sich der “oide Linke” trotz des Umsichgreifens des totalen (Internet-)Konsums, von Fremdenfeindlichkeit und als “Depressionspillen” fungierender Gratiszeitungen aber auch im Heute hoffnungsvoll: Etwa wenn er sogar Donald Trump als Chance für das Einkehren der wichtigen Einsicht begreift, dass die Welt durch Leute mit einer einfachen Weltsicht nicht einfacher wird. Fast utopischer erscheint da seine Hoffnung, dass es auch für den SK Rapid bald wieder bergauf geht.

(APA, Red.)

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