54. Viennale hat eröffnet: “People are crazy and times are strange”

Im Gartenbaukino wurde die Eröffnung der Viennale gefeiert.
Im Gartenbaukino wurde die Eröffnung der Viennale gefeiert. - © VIenna.at/Isabelle Ouvrard
Mit einem “Zitat, das zur Zeit passt” und vom neuen Literaturnobelpreisträger Bob Dylan stammt, eröffnete Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) am Donnerstagabend die 54. Viennale.

Von Österreichs größtem Filmfestival als “echte Konstante in wechselhaften Zeiten” sprach auch Hans Hurch – was auch am Langzeitdirektor selbst ersichtlich sei. “Sie sehen es vor allem am Sakko: Es ist seit 20 Jahren das gleiche”, scherzte Hurch vor versammelter heimischer Filmprominenz im prall gefüllten Gartenbaukino zum Auftakt seiner bereits 20. Viennale.

Anlass für seine sehr launige und ungewöhnlich persönliche Rede war neben dem eigenen runden Jubiläum auch der nahende Abschied als Direktor 2018. “Ich habe Ihnen im Laufe der Jahre an dieser Stelle viel zugemutet, vor allem mich”, sagte er in Bezug auf seine jährlichen “moralischen Peinlichkeiten”, die heuer ausblieben. Stattdessen gab es ein Versprechen: “Sie können die restlichen Jahre auf meinen seltsamen Filmgeschmack und auf mein altes Sakko bauen.”

“Zeiten ändern sich, das Kino bleibt”

“Die Zeiten ändern sich, das Kino bleibt”, betonte auch Mailath, dem es also oblag, politisch zu werden. “Wir wundern uns heute schon, was alles möglich ist”, nahm er in seiner Rede auf eine Aussage des FPÖ-Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer Bezug. Mitten im “postfaktischen Zeitalter”, in dem Hasspostings zur Tagesordnung gehörten und Unwahrheiten rasant die Runde machten, würden “Sozialkontakt und Zivilcourage als Regulative gegen krude Theorien und Eskalation wirken”. Dafür, “die soziale Textur wieder zu verdichten”, eigneten sich nicht zuletzt Festivals wie die Viennale, “wo es um kollektives Filmeschauen, um gemeinsames Erleben geht – vor dem Kino, im Kino und auch bei der Party danach”.

Neben dem Kino selbst blieben auch Kino-Ikonen wie Viennale-Präsident Eric Pleskow, der heuer – im stattlichen Alter von 92 Jahren – nicht persönlich kam, über Mailath aber seine Grüße ausrichten ließ. Dafür konnte man mit Kenneth Lonergan erstmals seit 13 Jahren wieder den Regisseur eines internationalen Eröffnungsfilm zum feierlichen Auftakt begrüßen – war das doch zuletzt 2003 mit Sofia Coppola und “Lost in Translation” gelungen.

Viennale heuer “schlanker und übersichtlicher”

Der US-Filmemacher zeigte sich vor der Vorführung seines viel gepriesenen Familiendramas “Manchester by the Sea” sichtlich gerührt von der Einladung und der lange währenden Unterstützung. 2012 war hier sein von jahrelangem Produzentenstreit geprägtes Drama “Margaret” gezeigt und mit dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet worden. “Ich bin der Viennale ungemein dankbar dafür”, schwärmte der 54-Jährige, der sich im Gespräch mit Moderatorin Miriam Hie als ebenso bodenständig wie sein Film erwies – und gestand, extra für diesen Anlass einen Anzug organisiert zu haben. “Ich war noch nie in Wien, aber ich habe es mir immer ausgemalt und mein Leben lang Musik gehört, die von hier kommt.” Noch zwei weitere Tage wolle er in der Stadt bleiben, das ihm gewidmete Tribute begleiten, aber auch in die Oper und spazieren gehen. “Ich versuche, einfach alles unterzubekommen.”

Vor ähnlichen Herausforderungen stehen traditionell auch die regulären Festivalbesucher: Mit der Kürzung um einen Tag und dem Streichen der 11-Uhr-Schiene im Gartenbaukino sollte die Viennale heuer zwar “schlanker und übersichtlicher” werden, so die Intention Hurchs.

Stargäste in Wien

Tatsächlich aber ist das Programm freilich so dicht wie eh und je: Bis inklusive 2. November sind knapp 300 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme in den Innenstadtkinos Gartenbaukino, Stadtkino im Künstlerhaus, Metro Kinokulturhaus und Urania zu sehen – darunter wichtige Arbeiten des Festivaljahres ebenso wie Neuentdeckungen, politische Beiträge und historische Positionen in Spezialprogrammen.

Hinzu kommen die große Retrospektive zu “Thema und Variation im Film” im Filmmuseum, Veranstaltungen und Partys in der Festivalzentrale in der Alten Post sowie ein ursprünglich bereits ausverkauftes Konzert an Allerheiligen mit Ehrengast Patti Smith, für das am Samstag ab 10 Uhr zusätzliche Karten in Verkauf gehen. Als weitere Stargäste stehen u.a. Horror-Altmeister John Carpenter, der britische Regisseur Terence Davies sowie der belgische Filmemacher Luc Dardenne auf dem Programm

(APA)

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