53. Viennale: Große Namen reichen oft nicht

Bei der Eröffnungsgala der Viennale.
Bei der Eröffnungsgala der Viennale. - © APA
Dass Hollywoodstars gerne zwischendurch mal Independent-Projekte machen oder sich anspruchvolleren Rollen verschreiben, ist bekannt. Manchen gelingt die Abwechslung von Blockbustern besser als anderen.

 So sieht man Scarlett Johansson als “Avenger” ebenso wie im Sci-Fi-Indie “Under the Skin”, wertet Kate Winslet die Reihe “Die Bestimmung” ebenso auf wie das Juwel “Vergiss mein nicht” oder holt Matthew McConaughey für das Low-Budget-Drama “Dallas Buyers Club” gar einen Oscar. Bei der Viennale gehören Indies mit Staraufgebot traditionell zu den beliebtesten Festivalbeiträgen, wobei manch Projekt zeigt, dass es mit großen Namen allein nicht getan ist. So heuer etwa Michael Almereydas “Experimenter” oder Andrew Bujalskis “Results” – Hauptdarstellern wie Peter Sarsgaard, Winona Ryder und Guy Pearce zum Trotz.

“Experimenter”: Das etwas andere Milgram-Experiment

“Experimenter” (USA 2014): Die Prämisse von Michael Almereydas (“Nadja”) Biopic ist eine vielversprechende: Mit seinem 1961 in New Haven durchgeführten “Milgram-Experiment” testete der Sozialpsychologe Stanley Milgram, inwieweit Versuchspersonen ihr eigenes Gewissen unter dem Druck autoritärer Anweisungen hintan stellen. Die als “Lehrer” bezeichneten Versuchspersonen gaben dabei “Schülern” in einem separaten Raum stetig höhere Stromstöße, wenn diese eine Frage falsch beantworteten – nicht wissend, dass es sich um Schauspieler handelte. Ging es Milgram bei seiner aufsehenerregenden Versuchsreihe nach eigenen Angaben darum, eine “Erklärung” für NS-Verbrechen zu finden, bringt der Film “Experimenter” die hochaktuelle Frage auf, inwieweit Täuschung vertretbar ist, um an wertvolle Daten zu kommen.

Die nachgestellten Experimente im klaustrophobisch anmutenden Labor sind die stärksten Szenen im Film, der nicht als klassisch erzähltes Biopic daherkommt. Almereyda tobt sich mit formalen cineastischen Mitteln aus, nutzt Rückprojektionen, Bühnenkulissen und surrealistische Elemente, bricht zwischendurch die Erzählung und lässt Peter Sarsgaard als vom Bösen faszinierter, umstrittener Wissenschafter mit direkter Ansprache des Zusehers die vierte Wand durchbrechen. Das alles erzeugt jedoch eine artifizielle Stimmung, die einen bereits nach einem Drittel, wenn wir Milgram verstärkt zuhause bei Ehefrau Sasha (Winona Ryder) und im Kreuzfeuer eines von Paranoia geprägten Umfelds sehen, emotional aussteigen lässt. Einzig vom wie gewohnt charismatischen, in diesem Fall schwer zu durchschauenden Sarsgaard lässt man sich gern wiederholt ansprechen. (2.11., 23.30 Uhr, Stadtkino im Künstlerhaus und 3.11., 18 Uhr, Gartenbaukino)

Viennale zeigt “Results”

“Results” (USA 2014): Wer einen Fitnesstrainer engagiert, der will üblicherweise nicht nur ein paar Kilos loswerden, sondern gleich sein ganzes Leben umkrempeln. Auch der neureiche, ungepflegte Danny (Kevin Corrigan) erhofft sich mehr von seinen Trainingseinheiten mit der hübschen, neurotischen Kat (Cobie Smulders). Die ist aber noch mehr oder weniger mit ihrem Chef Trevor (Guy Pearce) verbandelt, der beim Schritt zum nächstgrößeren, noch erfolgreicheren Fitness-Unternehmen aber keinerlei Ablenkung duldet. Es folgen Liebeswirrungen und -irrungen, bei denen die strauchelnden Protagonisten vor allem sich selbst lieben lernen müssen.

Für “Results” hat US-Regisseur Andrew Bujalski, der seit seinem Debütfilm “Funny Ha Ha” (2002) als einer der Wegbereiter des Mumblecore-Genres gilt, erstmals mit professionellen Schauspielern gearbeitet. Seinen Hauptdarstellern, allen voran dem einstigen Bodybuilder und australischen Schauspielstar Guy Pearce, hat er die Rollen auf den Leib geschneidert. Das Ergebnis ist weder romantische Komödie noch gewitzte Abrechnung mit dem Selbstoptimierungswahn, geht weder in die Tiefe noch erzeugt sie wahre Lacher – und lässt einen dementsprechend kalt. Einzig “How I Met Your Mother”-Star Cobie Smulders bringt als überehrgeizige Kat Leben in die träge Geschichte. (Zweites Screening am 1.11., 15.30 Uhr, Urania)

(apa/red)

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