500.000 Fans bei historischem Rolling Stones-Konzert in Havanna

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500.000 Fans bejubelten die Rolling Stones in der kubanischen Hauptstadt Havanna bei einem Gratis-Konzert.

Die Musik war kilometerweit zu hören, so konnten auch jene Fans dabei sein, die es nicht auf das offiziell rund 450.000 Personen fassende Veranstaltungsgelände schafften. Die Behörden sprachen von 200.000 Besuchern. Kurz nach 20.30 Uhr begann mit “Jumpin’ Jack Flash” die Show, Jagger bedankte sich auf Spanisch bei den Fans. Es folgte “It’s Only Rock’n’ Roll”, möglicherweise auch als Botschaft an die kommunistische Führung Kubas. Jahrelang galten die Songs der Briten in der Vergangenheit Kubas als politisch verpönt.

“Wir wissen, dass es vor einigen Jahren noch schwierig war, unsere Musik in Kuba zu hören”, sagte Jagger unter großem Jubel auf Spanisch. “Aber da sind wir.” Und mit einem Verweis auf einen US-Legendenkollegen: “Die Zeiten ändern sich.”

Gratis-Konzert der Rolling Stones in Havanna

Mehr als zwei Stunden gaben die Briten ihre Songs zum besten, sie hatten zuvor auch via Facebook ihre Fans über einen Teil der Songlist abstimmen lassen. Die Entscheidung fiel dabei auf “All Down The Line”. Auch Klassiker wie “Angie” oder “Sympathy for the Devil” wurden gespielt, Keith Richards durfte für “You Got the Silver” und “Before They Make Me Run” ans Mikro.

“Ich finde es mutig, dass Jagger auch darauf hingewiesen hat, dass die Songs der Rolling Stones jahrelang in Kuba verboten waren”, sagte der Münchner Paco. Er war nur für das Konzert in den Karibikstaat gereist, hatte erst wenige Tage zuvor den Flug gebucht. “Ich war nicht bei Woodstock dabei, dafür bei den Stones in Kuba.” So sahen das auch die Hamburger Marcel und Katja. “Wir reisen gerade durch Mittel- und Südamerika, eigentlich wollten wir nach Guatemala, nun sind wir in Kuba”, erzählten sie.

Für Slavko Francia war es bereits das 57. Stones-Konzert. Der 66-jährige Slowene sah die Rockband erstmals 1967 in Mailand. “Das heute ist historisch. Es ist der größte Tag in der Geschichte der Musik”, bekräftigte der Fan, der in Portoroz ein Rolling Stones-Museum hat. Für Flüge nach und Hotel in Kuba bezahlte der Slowene mehr als 2.000 Euro. “Aber das ist es allemal wert für so ein legendäres Konzert”, meinte Francia.

Bereits ab dem frühen Nachmittag wurde der Einlass geöffnet, bald füllte sich das riesige Sportfeld der Ciudad Deportiva in Havanna. Auf zahlreichen Hausdächern verfolgten Kubaner das Spektakel. Der Himmel zeigte sich einigermaßen gnädig, es blieb fast den ganzen Tag über bewölkt.

Bier gab es bei den zahlreichen Ständen außerhalb des Geländes nicht zu kaufen, es herrschte aus Sicherheitsgründen Alkoholverbot. Innerhalb des Felds gab es überhaupt keine Verkaufsstände. Dennoch wurde traditioneller Rum unter den wartenden Fans herumgereicht, die in Gruppen am Boden saßen. Die Kubaner nahmen das gelassen hin – sie sind an lange Wartezeiten und meterlange Schlangen gewöhnt.

Historisches Konzert in Kuba

Die Stunden bis zum Konzert wurden unter anderem mit Lesen oder auch Fußballspielen überbrückt. Angereist waren etwa auch argentinische Fans, inklusive tätowiertem Stones-Logo. Ein junger Mann hatte darüber gar die Initialen seiner Mutter auf seinem Fuß verewigt. Die Gruppe sang voller Inbrunst die argentinische Nationalhymne, was von den Kubanern mit lautstarkem Applaus bedacht wurde. Dieser flammte auch auf, als eine amerikanische Flagge mit Stones-Logo geschwenkt wurde.

Dutzende Polizisten säumten ebenso das Feld, Taschenkontrollen am Einlass gab es trotzdem nur sporadisch. Am Feld selbst standen lediglich sechs Dixi-Klos, auf den umliegenden Straßen dienten Metallverkleidungen über den Gullys als Toilette.

“You Can’t Always Get What You Want” war die erste Zugabe – für die Menschen in Kuba mit symbolischer Bedeutung. Beim Abschluss-Song “Satisfaction” tobte die Menge. Es wurde deutlich, dass diesen Hit auch alle Kubaner kannten. Kurz vor 23.00 Uhr war das lang ersehnte Spektakel beendet, “Buenas Noches” wünschte Jagger.

Rolling Stones auf ihrer “América Latina Olé”-Tour

Das Konzert bildete den Abschluss der eigentlich schon in Mexiko-Stadt beendeten Tour “América Latina Olé”, die Rolling Stones hatten den lang ersehnten Auftritt noch kurzfristig drangehängt. Es war mit ziemlicher Sicherheit jenes Konzert mit den wenigsten Postings in sozialen Netzwerken. Mobiles Internet gibt es auf Kuba nicht, doch mittlerweile in allen größeren Städten Wlan-Hotspots, nicht jedoch in der Ciudad Deportiva. Und doch bildet dieser 25. März einen weiteren Meilenstein der Öffnung des Karibik-Staats.

Diese vorletzte Woche im März 2016 wird in Kuba ohnedies als historisch in die Geschichte eingehen: Die Stones besuchten Kuba schließlich drei Tage nach der Visite von US-Präsident Barack Obama. Obama war am Sonntag als erster amtierender US-Präsident seit fast 90 Jahren in dem karibischen Inselstaat eingetroffen. Der dreitägige Staatsbesuch markierte den bisherigen Höhepunkt des Annäherungskurses zwischen den vormals verfeindeten Ländern.

(APA/Red)

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