22. August 2012 16:53; Akt.: 23.08.2012 14:14

360 – Kritik, Trailer und Bilder zum Film

360 – Kritik, Trailer und Bilder zum Film
Vor rund 90 Jahren sorgte Arthur Schnitzlers “Reigen” auf den Bühnen von Berlin und Wien für veritable Theaterskandale. Die erotische Szenenabfolge, die ausgehend von einer Dirne in Wien eine Reihe von sexuellen Verknüpfungen quer durch alle Gesellschaftsschichten bis zurück zum Ausgangspunkt durchspielt, wurde vielfach verfilmt und zuletzt vom Drehbuchautor Peter Morgan unter dem Titel “360″ adaptiert. Ab Freitag läuft der Film im Kino.

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Morgan, der unter anderem für die Drehbücher von “The Queen” und “Frost/Nixon” verantwortlich zeichnete, verwendet Schnitzlers Drama als Ausgangspunkt, ohne sich dann jedoch allzu nahe an der Vorlage zu bewegen. Die Kreisstruktur wurde beibehalten und in klassisch Hollywood’scher Episodenstruktur dicht ineinander verwoben. Den Auftakt des Reigens gestaltet das winterliche Wien: Eine Prostituierte trifft hier auf einen britischen Geschäftsmann (Jude Law), dessen geplanter Seitensprung in die Hose geht und dessen Anruf bei seiner Frau (Rachel Weisz) dazu führt, dass diese ihre Affäre mit einem Fotografen beendet.

Jude Law in “360″

Dessen Freundin wiederum haut ob der Untreue ihres Freundes ab und trifft im Flugzeug zuerst auf einen alten Mann (Anthony Hopkins), der immer noch auf der Suche nach seiner seit langer Zeit vermissten Tochter ist, und später auf einen gerade in die Freiheit entlassenen Sexualstraftäter (Ben Foster). Dazu kommen ein russischer Gangster, dessen Fahrer, dessen unglückliche Frau und deren muslimischer Boss, ein gequält verliebter Zahnarzt – und zu guter Letzt auch die Schwester der Prostituierten vom Beginn, bei der sich der Kreis wieder schließt. Als Zuhälter schlüpfte auch Burgtheaterstar Johannes Krisch in eine bekannte Rolle.

Insgesamt neun Episoden packen Morgan und Meirelles in den knapp zweistündigen Film, der die Welt als Dorf und das Dorf als Sündenpfuhl verewigt. Für einen Skandal sind Schnitzlers Motive heute nicht mehr geeignet, auch wenn der “Guardian” zumindest die Qualität des oberflächlichen Reigens nach der Uraufführung in Toronto als skandalös empfand: der Plot sei zu konstruiert, die Figuren nur unplausible Puppen, die Bilder zu schön und zu klischeehaft. Dieser Einschätzung muss man leider zustimmen, auch wenn die intelligenten Verknüpfungen, der präzise Schnitt und die Postkartenbilder – nicht zuletzt von Wien – durchaus auch gewürdigt werden dürfen. Die internationale Koproduktion ist dicht inszeniert und weiß zu unterhalten, ein Meisterwerk ist sie nicht.

(APA)



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