35 Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich? – Eigentlich sollte mehr gearbeitet werden!

fischundfleisch-Gastbeitrag von Josef Zotter.
fischundfleisch-Gastbeitrag von Josef Zotter. - © dpa (Symbolbild)
Gastkommentar von fischundfleisch-Blogger Josef Zotter: Uns geht langsam die Arbeit aus. Die hoch technologisierte Industrie trägt einiges dazu bei. Eine mögliche Lösung ist die Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich; zumindest sind einige davon überzeugt.

Ich glaube, dass sich die Unternehmen dann noch schneller um Produktionsstandorte in Billiglohnländern bemühen werden und die Industrieroboter den Rest übernehmen. Wenn die übrigens auch nicht in Europa stehen, rechnen sie sich noch schneller.

Der Traum der Menschen, nichts oder kaum noch zu arbeiten und nur noch konsumieren, ist sicherlich ein lustiger Gedanke. Aber die Auswirkungen müssen wir uns auch dazu vorstellen: Brot und Spiele, noch mehr konsumieren, noch mehr Reisen noch mehr Naturverschmutzung. Das würde in letzter Konsequenz den Supergau heraufbeschwören.

Warum nicht endlich die Endbesteuerung (Konsumsteuer) auf ein Niveau bringen, damit sich die Investitionen in Effizienz und Maschinen nicht mehr oder nicht mehr in dem bisherigen Ausmaß lohnen. Aufhalten wird man es eh nicht mehr können. Und dafür die Lohnnebenkosten senken.

Ich bin mir ganz sicher das die 35 Stunden Wochen nichts Gutes für die Arbeitnehmer bedeuten würden, aber nicht, weil ich Unternehmer bin. Es schafft nur noch weiterer Druck am Arbeitsplatz und noch mehr Arbeitsplätze, die es nicht Wert machen, diese zu bedienen?

Viellicht wäre eine 45-Stundenwoche die noch bessere Idee, um wieder Arbeitsplätze zu schaffen die es Wert machen hinzugehen. Im Moment macht eine nicht allzu kleine Gruppe so viele Überstunden – weil Sie es gerne machen. Und der Rest macht immer weniger, weil es immer unwirtlicher wird, irgendwo am Fließband zu stehen. Da geht eine große Kluft auf.

Dass noch mehr Arbeitsplätze verloren gehen, liegt auf der Hand. Ich weiß, auch in meinem Unternehmen wird es bald keinen Ausweg mehr geben, wenn die Lohnkosten immer weiter und weiter steigen. Bald kann sich unsere Produkte niemand mehr leisten. Und was dann? Abgesehen davon, dass übers Jahr gesehen niemand 40 Stunden pro Woche arbeitet. Mit 13. und 14. Gehalt, fünf Wochen Urlaub und im Schnitt zwei Wochen Krankenstand sind das insgesamt schon 16 Wochen, die zusätzlich bezahlt und erwirtschaftet werden müssen.

Hochgerechnet aufs Jahr ist das nur rund ein Drittel der 40 Stunden, die gegenwärtig bezahlt werden. Wenn von diesen 27 Stunden noch fünf wegkommen, wären das 22 Stunden pro Woche. Und damit sein Leben aus finanzieren – DAS muss man sich erst auf der Zunge zergehen lassen. Umgekehrt können die Unternehmen nur zwölf Monate im Jahr verkaufen. Und damit müssen auch die Pensionen, Gesundheitsversorgung und die Ausbildung der Jugend finanziert werden. Der Wohlfühlfaktor am Arbeitsplatz hat wohl noch immer keine Priorität in den ewigen Fantasien für ein besseres Leben. Was ist besser? 35 Stunden (also 22) in einer Arbeitsumgebung arbeiten, wo nur noch Stress und Verdrängung herrscht. Oder 40 (27) oder gar mehr 45 (also 32) und es bekommt das Handwerkliche wieder mehr Priorität? Dadurch würde die Lebensqualität wirklich steigen.

So wird es in Zukunft ein paar Spezialisten geben, die alles programmieren und der Rest der Welt läuft dann unter dem Motto „Konsumbürger” durch die Welt. Das stelle ich mir wenig erstrebenswert vor.

Der Verfasser Josef Zotter ist Schokoladen-Hersteller und bloggt auf der unabhängigen Meinungsplattform fischundfleisch.com, wo man mitreden und eigene Beiträge zu Themen aller Art verfassen kann. vienna online ist Kooperationspartner.

 

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