300 Jahre Wiener Linienwall

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Wiener Linienwall
Wiener Linienwall
Kuruzzenkriege machten Befestigung der Wiener Vorstädte notwendig – 1704 befahl Kaiser Leopold I. den Bau von Befestigungsanlagen – 1893 wurde der Linienwall abgetragen.

Vor 300 Jahren, am 16. Jänner 1704, unterzeichnete Kaiser Leopold I. den Befehl zur Befestigung der 34 Vorstädte von Wien, um die Haupt- und Residenzstadt der österreichischen Länder gegen die Kuruzzen, aufständische Ungarn zu schützen. Der Kaiser folgte damit einem Antrag von Prinz Eugen, der erkannt hatte, dass nach der über 20 Jahre zurückliegenden Belagerung durch die Türken Wien noch immer nicht ausreichend gegen Angriffe gesichert war.

Kuruzzen bedrohten auch Wien
Seit dem 15. Jahrhundert nannten sich ungarische Aufständische Kuruzzen („Kreuzträger“). Bei ihrem Aufstand gegen die Habsburger unter Führung von Ferenc II. Rakoczi (der Ungarische Marsch in der Kantate „Fausts Verdammung“ von Hector Berlioz trägt auch den Namen Rakoczi-Marsch, er ist zur „zweiten ungarischen Nationalhymne“ avanciert) wurden ab 1703 Teile von Niederösterreich, das heutige Burgenland und die östliche Steiermark bis 1709 mehrmals überfallen und verwüstet. Zeitweise war Wien bedroht. Die Bezeichnung Kuruzzen hat Eingang in ein häufig gebrauchtes Schimpf- und Fluchwort gefunden: „Kruzzi-Türken“.

Der so genannte Linienwall wurde zunächst als Erdwall mit Gräben erbaut, im 19. Jahrhundert mit Ziegeln ausgemauert. Er umgab die Wiener Vorstädte an der Stelle des heutigen Gürtels im Halbkreis vom Donauarm (dem heutigen Donaukanal) bei St. Marx über den Fuß des Wienerberges bis zur Vorstadt Lichtental (heute Teil des neunten Gemeindebezirkes). Er hatte Tore mit ärarischen Gebäuden, die so genannten „Linien“.

An der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert wurden die Zugbrücken entfernt und die Gräben bei den Linienämtern – bei denen es sich um Mautämter handelte – ausgefüllt. In der Oktoberrevolution 1848 verbarrikadierten Aufständische die Tore bei den Linienämtern. Später bestanden die Linienämter nur noch wegen der Einhebung der so genannte Verzehrungssteuer (ab 1829). Bei dieser Steuer handelte es sich in geschlossenen Städten um eine Abgabe auf zahlreiche Konsumartikel, auf dem flachen Land nur für Getränke und Schlachtvieh. 1923 wurde sie durch die Warenumsatzsteuer ersetzt.

Der Linienwall trennte die insgesamt 34 Vorstädte, also die heutigen Bezirke drei bis neun, von den ländlichen Vororten, das sind die Bezirke 10 bis 19 und wurde nach deren Eingemeindung 1893 abgetragen. Statt dessen wurde der Gürtel mit Grünflächen und der Stadtbahn, der heutigen U-Bahnlinie U 6 angelegt. Nur mehr an einzelnen Stellen sind Überreste des Linienwalls erhalten.

Redaktion: Claus Kramsl

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