25 Jahre Naked Lunch: Best-of “The Singles Collection” zum Jubiläum

Schon 25 Jahre lang prägen Naked Lunch die heimische Musikszene.
Schon 25 Jahre lang prägen Naked Lunch die heimische Musikszene. - © APA
Sie legen auf Jubiläen eigentlich nicht viel Wert. Oliver Welter findet den Umstand, dass Naked Lunch bereits 25 Jahre existieren, also nicht weiter aufregend. Für die Fans gibt es zum Vierteljahrhundert Bandgeschichte trotzdem ein kleines Geschenk.

Gefeiert wird trotzdem: Mit der Best-of “The Singles Collection” sowie einigen Konzerten im Herbst.

Die Idee zum Album, das am 9. Oktober erscheint und die ganze Schaffensphase der Kärntner Formation seit dem Debüt “Balsam” im Jahr 1992 abdeckt, habe die Plattenfirma gehabt. “Von selbst wären wir nicht drauf gekommen”, unterstreicht Welter. “Ich habe mich gewundert, wie vertraut mir das daherkommt”, meinte Kollege Herwig Zamernik ob der Stücke, die teils mehr als zwei Jahrzehnte am Buckel haben. “Besser hätten wir es damals nicht gekonnt, es hat absolut seine Berechtigung.”

Eine Zeitreise mit Naked Lunch

Die Retrospektive zeigt vor allem die Entwicklung, die Naked Lunch in den vergangenen Jahren hingelegt haben: Von den Anfängen mit recht klar definiertem Indie-Rock und Zeiten, als man als große internationale Hoffnung gepusht wurde, bis zu dem darauffolgenden Befreiungsschlag mit “Songs For The Exhausted” (2004). “Ich habe vorher darüber nicht nachgedacht. Es kommen komische Gefühle auf, aber auch gute. Man nimmt es einfach an”, sinniert Zamernik etwa über das Album “Superstardom” (1997) und den damit verbundenen Hype, der sich dann doch nicht einlöste. “Dieses Verrennen, das nicht bei sich sein, das hat aus irgendeinem Grund sein müssen.”

“Es macht uns ja nicht zu besseren Menschen, nur weil ich anders reflektiere”, schiebt Welter nach. “Deswegen komme ich einem vermeintlichen Pazifismus nicht näher. Aber es ist ein Relativieren von Dingen: Was einen 1995 fertig gemacht hat, ist heute ein Klacks in der Erinnerung, und anderes stellt sich wieder ganz groß dar.” Insofern sei auch der Interviewmarathon zum Jubiläum als “Gratistherapie voll super”, lacht der Sänger. “Andere müssen viel Geld dafür bezahlen, ich kann in einigen Stunden hier alles aufarbeiten und daneben 20 Bier saufen. Den Rückblick finde ich jetzt gerade super spannend, im Guten wie im Bösen.”

Einschnitt in die Bandgeschichte

Von zentralem Stellenwert sei dabei natürlich “Songs For The Exhausted”: “Wir werden das immer wieder gefragt”, unterbricht Welter die entsprechende Frage gleich. “Das hat wirklich die Zäsur und den Einschnitt in der Bandgeschichte bedeutet, in vielerlei Momenten und Punkten. Wir haben uns aber nicht hingesetzt und am Reißbrett versucht, die Band neu zu definieren. Das war eine organische Entstehung. Wir wissen um die Bedeutung dieser Platte. In der Entstehung haben wir das aber nicht beachtet, was gut war – sonst wäre sie nicht so geworden. Wir wollten musikalisch ein Abbild dieser Zeit schaffen, und das ist dabei herausgekommen. Mit diesem affirmativen Titel, der viel vorgegeben hat.”

Rückblickend habe das sich über konventionelle Genregrenzen hinwegsetzende Album “irrsinnig viel geöffnet”, ist sich Welter sicher. “Auch bei uns selbst, im Sinne von: Jetzt machen wir, was wir wollen.” Das hat sich nicht zuletzt in einem enormen kreativen Output geäußert, den die Band an den Tag legte. So gab es in den vergangenen zehn Jahren etliche Film- und Theaterarbeiten, denen sich Naked Lunch widmeten, zuletzt etwa die Musik zum Jack-Unterweger-Film “Jack”. “Wir haben eine Mutterkahn, der heißt Naked Lunch, und dazu gibt es irrsinnig viele Verästelungen und Verzweigungen”, erklärt Welter. “Die sind total wichtig. Ich glaube nicht, dass es uns reichen würde, dieses klassische Rock-Pop-Ding der strikten Veröffentlichungspolitik zu bedienen.”

Konzerte im November

Dementsprechend definieren die Musiker ihr kreatives Zuhause nicht einem bestimmten Genre. “Es ist leicht, über eigene Unzulänglichkeiten zu sprechen”, hebt Welter an. “Aber es ist schwierig, über vermeintliche eigene Stärken zu sprechen. Ich glaube aber, dass es eine der Stärken dieser Band ist und dabei besonders der Kollaboration zwischen Herwig und mir, dass wir ab und zu nicht wissen, wohin die Reise geht, aber total vertrauen in das, was wir können.”

Wiederholung ist jedenfalls keine Option für Naked Lunch, die durch Stefan Deisenberger und Alex Jezdinsky komplettiert werden. “Es würde uns nicht mehr geben”, zeigt sich Zamernik überzeugt. “Uns wäre sterbenslangweilig”, pflichtet ihm Welter bei. “Aber ich kann jemanden verstehen, der das gut findet. Wenn man es in einer gewissen Form zu einer unangefochtenen Meisterschaft führt.” Was ihre Stellung im heimischen Popzirkus betrifft, ließe sich dies natürlich auch für Naked Lunch konstatieren. Ein Vierteljahrhundert Eigensinn und Kompromisslosigkeit machen immer noch Lust auf mehr – dafür gibt es auch ein paar Konzerttermine im November:

Jubiläumstour von Naked Lunch: 8. November im Stadttheater Klagenfurt, 12. November im Posthof Linz, 13. November in der Generalmusikdirektion in Graz und am 23. November in der Wiener Arena.

(Christoph Griessner/APA)

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