25 Jahre “Jewish Welcome Service”

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Leon Zelman © APA
Am Sonntagabend ging der Festakt zum 25-Jahr-Jubiläum des „Jewish-Welcome-Service“ (JWS) im gut gefüllten Festsaal des Wiener Rathauses über die Bühne. Zelman: “Es ist alles, was ich wollte, und es ist gut geworden.”

Im Mittelpunkt der Feierlichkeit stand Leon Zelman, der Leiter und Initiator der Organisation. Zelman sprach vor 500 bis 600 geladenen Gästen von der „moralischen Verpflichtung“ für seine Arbeit; Bundespräsident Heinz Fischer bedankte sich beim JWS-Leiter für dessen Lebenswerk, das den Opfern geholfen habe, Frieden zu schließen.

Der JWS habe viel zur Aussöhnung beigetragen, dieser Festakt sei ein „Zeichen der Freude und des Respekts, den das öffentliche Österreich dem Wirken Zelmans beimisst“, so Wiens Vizebürgermeister Sepp Rieder (S) in seiner Eröffnungsrede. Der Vizebürgermeister dankte dem „lebenden Herzstück“ Zelman für diese „Erfolgsstory“. Das Besuchsprogramm des JWS, mit dem bisher an die 4.000 aus Österreich vertriebene Juden eingeladen werden konnten, hätte es vielen Menschen ermöglicht, Frieden mit ihrer ehemaligen Heimat zu schließen. Mit seiner Arbeit habe der JWS die historische Verantwortung deutlich gemacht. Rieder versprach, dieser Verantwortung gerecht werden zu wollen und sicher zu stellen, dass „kein Platz ist für Rassismus und Antisemitismus in dieser Stadt“.

Von moralischer Verpflichtung sprach in seiner Festansprache ein sichtlich bewegter Leon Zelman, der selbst Verfolgter des NS-Terrors wurde und mehrere Vernichtungslager überlebte. Es sei nämlich Pflicht, die Menschen darauf hinzuweisen, dass die Verfolgung der Juden nicht in den Konzentrationslagern begonnen habe, sondern schon viel früher. Auf das Erreichte sei er stolz. Er bedankte sich bei „meinem Freund“ Franz Vranitzky (S), der als Bundeskanzler das Besuchsprogramm erst ermöglicht habe. Nicht zuletzt die Stadt Wien und zahlreiche Unterstützer hätten zum Gelingen des Projekts maßgeblich beigetragen, so Zelman. „Es ist alles, was ich wollte, und es ist gut geworden“.

Bundespräsident Fischer dankte in seiner Ansprache Zelman für dessen „Lebenswerk“. Denn damit habe sich der Gedanke durchgesetzt, „dass wir uns um die Überlebenden kümmern müssen“. Der JWS habe den Opfern geholfen, Frieden zu schließen mit einem Land, das sie so schlecht behandelt hat. Es sei zum „Genieren“, dass das Rechenschaft-Ablegen und Um-Verzeihung-Bitten so lange gedauert habe, so Fischer. Für die unglückliche Vergangenheitspolitik Österreichs machte der Bundespräsident die „sehr einfache Schwarz-weiß-Darstellung“ nach dem Krieg verantwortlich. Zelman und sein JWS haben in den letzten 25 Jahren dazu beigetragen, „den Problemen wirklich auf den Grund zu gehen“.

Wiens Bürgermeister Michael Häupl (S) konnte nicht, wie angekündigt, den Festakt eröffnen, da eine kurzfristig einberufene Sitzung ihn laut Vizebürgermeister Rieder von dieser „Herzensangelegenheit“ abgehalten habe. Zur Jubiläumsfeier fanden sich dafür zahlreiche aus Österreich Vertriebene und deren Angehörige ein sowie Botschafter aus jenen Ländern, in denen im Jahr 1938 österreichische Juden Zuflucht fanden. Kammerschauspielerin Elisabeth Orth verlast Texte über die Schicksale österreichischer Juden, Mitglieder der Wiener Philharmoniker sorgten für die musikalische Begleitung.

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